Über die Liebe zur Musik…

„Glück auf der einen Seite… Und Glück
auf der anderen Seite.“ – Im Gespräch mit Freiburg

Vor 2 Wochen gepostet,von Ling

Im Frühling 2007 fanden sich die Gebrüder Nils (Gitarre) und Lars Borrmann (Drums) sowie deren Freund Thomas Driftschröer (Gitarre, Gesang) zusammen und gründeten im Dörfchen Clarholz (Nordrhein-Westfalen) die Band Freiburg. Dass der Name ein Augenzwinkern zum gleichnamigen Song der Hamburger Tocotronic darstellt ist offensichtlich, war die Stilrichtung der „Hamburger Schule“ doch der ursprüngliche muskalische Erguss. Einige Monate später wurde festgestellt, dass die Dreierkombo einen Rahmen vorgibt, der gesprengt werden sollte, weswegen Jonas Brinkrolf (Gesang, Bass) aus der Metropole Harsewinkel in die Band geholt wurde. Und schon stand das Quartett! Nach lokalen Auftritten und den ersten musikalischen Scheiben „In einer Zeit“ und „Pi mal Daumen“ folgte mit der ersten Platte „High Five Zukunft“ ein härterer Ton. Zwei Langspieler und einige Katertage später finden sich Freiburg – mal wieder – in Berlin ein. Vor zweieinhalb Jahren sind wir der Kapelle bereits nach Hamburg und Berlin gefolgt. (Mehr dazu hier.) Zu ihrer Zehnjahresfeierei haben wir dieses Spektakel nun wiederholt. Diesmal drehten wir lange Runden durch die Vergangenheit, stellten ihnen eine Handvoll Fragen und spielten ein Spiel im schönen Schlafsaal des Schokoladens – und zwar mit allen vier Freiburgern.

Lieblingstape: Fangen wir mal an. Hallo! Wer seid ihr und warum?
Jonas: Das ist eine philosophische Frage. Da können wir so nicht drauf eingehen. (alle lachen)
Vielleicht könnt ihr ja kurz eure Namen sagen.
Freiburg: Ich bin Jonas.
Ich bin Thomas.
Ich bin Lars.
Und der Nils.

Könnt ihr euch noch daran erinnern? Ist lange her. Dieses Bild trifft es noch immer ganz gut, wa?
(alle lachen laut)
Jonas: Boah Alter!
Nils: War das in Frankfurt oder so?
Lars: In Mainz oder so!
Jonas: Das war im Gängeviertel. Mit Rondellhund.

 

Auf Facebook preist ihr eure Konzerte oft mit Saufsprüchen an. (Klick auf HIER zeigt zwei Beispiele davon.) Glaubt ihr, dass die Leute nicht kommen, wenn sie nicht vom Alkohol gelockt werden? 
Lars: Das Problem war ja, dass der Bandname Freibier schon vergeben war. (lacht) Dann haben wir uns eben anders genannt und müssen jetzt sowas machen.
Jonas: 2011, na ja. Das ist jetzt aber auch ganz schön lange her.
Als wäre das heute anders.
Tom: Grüße – Bier.

 

Zehn Jahre Freiburg, drei Abende feiern. Wie war’s denn bisher in Köln und Hamburg?
Jonas: Räudig.
Tom: Voll.
Jonas: Echt schön eigentlich. Doch. (grinst) Hat viel Spaß gemacht.
Habt ihr noch Bock auf heute Abend?
Lars: Sehr!
Tom, wie ist es denn, zwei Konzerte an einem Abend zu spielen?
Tom: (mit kratziger Stimme) Total beschissen. (alle lachen) Nee, macht Bock. Sonst würde ich das auch nicht tun.
Wie lange habt ihr für die Konzerte geprobt?
Lars: Über Wochen immer mal wieder.
Tom: Öfters.
Lars: Acht Mal.
Jonas: War seit langer Zeit mal wieder so, dass wir uns hingesetzt haben, weil wir das sonst auch nicht gepackt hätten mit der Setlist.
Stimmt’s denn überhaupt, dass es euch zehn Jahre gibt?
Lars: Oh-oh.
Ich las, dass ihr eigentlich erst zu dritt wart und ich fragte mich: Wer hat denn den Joppi aus dem Hut gezaubert?
Lars: Yoah, er sich selber, wa.
Jonas: Das sind aber tatsächlich zehn Jahre, weil (zu den anderen) ihr habt, glaube ich, Anfang 2007 angefangen und ich bin in den Herbstferien dazugekommen. Im Oktober.
Tom: Passt.
Nils: Ja.
Jonas: Also ist das nicht einmal irgendwie vorgezogen.
Und wie stellt ihr euch die nächsten zehn Jahre vor?
(alle überlegen)
Jonas: Hoffentlich weiter so.
Nils: Wie die letzten zehn? Vielleicht.
Lars: Wäre cool.
Jonas: Das wäre auf jeden Fall witzig.

 

Das hier war euer erster Beitrag auf Facebook. Wie findet man das acht Jahre später? Scheinbar gibt’s euch noch immer.
Jonas: Das war vor der „High Five“. Wir haben da fast immer und überall gespielt und gesagt: „Wir spielen erstmal nicht mehr. Wir schreiben jetzt ein Album und gehen aufnehmen.“ Und dann haben wir auch echt keine Konzerte mehr gespielt. Und allein, weil wir geschrieben haben, dass das unser vorerst letztes Konzert ist, sind super viele Leute vorbeigekommen.

 

In einem Interview von 2012 hast du, Jonas, gesagt, dass ihr auf jeden Fall auch mal in Freiburg spielen wollt. Hat sich der Traum inzwischen erfüllt und wie war’s?
Lars: Das war richtig gut. Das war mit Turbostaat im Cafe Atlantik. Da haben Freiburg in Freiburg „Freiburg“ gespielt.
Tom: Und die Köpfe sind geplatzt.
Jonas: Das Schöne war aber auch, dass die Hälfte der Leute das nicht verstanden hat und ständig gefragt haben: „Wer ist denn jetzt die Vorband? Wie heißen die jetzt eigentlich?“ Das war witzig.
Wollt ihr das mal wiederholen?
Lars: In Freiburg zu spielen?
Mhm.
Nils: Phu. Weiter Weg, nä.
Jonas: Eigentlich ja. Da hatte uns an dem Abend auch noch jemand angesprochen, der im KTS Freiburg arbeitet, dass der das noch einmal mit uns machen würde. Aber bisher hat er nie wieder geschrieben oder wir eine Antwort bekommen.

Schnelle Nostalgierunde: Erstes Konzert? Erinnerungen?
Lars: Ja.
Tom: Keine mehr. (lacht) Doch, auf jeden Fall.
Jonas: Erste zu viert oder zu dritt?
Für dich wohl zu viert.
Lars: Beide! Ich weiß beide noch!
Jonas: Kann ich mich noch dran erinnern. Mit ’ner Ramones Coverband.
Bestes Konzert?
Lars: Boah. Phu.
Nils: Es gab viele schöne. Beste gibt’s nicht.
Besoffenstes Konzert?
Lars: Uuuhh.
Tom: Das war auf jeden Fall in einer anderen Zeit.
Jonas: Das war auf jeden Fall im MuK und wir mussten danach noch nach Harsewinkel weiter auf ein Konzert. Das ist nicht so wirklich gut ausgeartet. Nach dem Konzert sind wir wie gesagt noch ins Auto gestiegen, weil wir in Harsewinkel auf einem Geburtstag eingeladen waren und als die Tür auf ging sind die ersten Leute auf den Parkplatz raus gerannt zum kotzen. Das weiß ich noch.
Nils: Aber wir wurden gefahren.
Wurdet ihr mal beklaut?
Nils: Äh, nö. Oder?
Tom: Nee.
Jonas: Bis auf mal so ein Kabel, was abhandengekommen ist.
Tom: Aber das wurde ja nicht geklaut.
Lars: Wahrscheinlich einfach nur Dummheit.
Lustigste oder auch unlustigste falsche Namen, die ihr bekommen habt?
Jonas: Frankfurt.
Lars: Ja, das ist schon so ein Standardname.
Nils: Aber das ist eher Spaß, oder?
Lars: Also ich habe das schon öfter gehört und da dachten das Leute wirklich. Ist ja auch naheliegend. Warum nicht? „Deutsche Stadt mit F.“ Kann passieren.
Was lernt man in zehn Jahren, was man als Band keinesfalls machen sollte?
Tom und Jonas: Bandcontest.
Jonas: Mache niemals bei einem Bandcontest mit! Wir haben früher überhaupt keine Auftritte bekommen und weil nichts war und wenn dann immer nur in der Gegend und du willst ja auch nicht jedes Wochenende im selben Laden spielen – daher haben wir in Gütersloh bei so einem scheiß Bandcontest mitgemacht.
Lars: Stimmt, das war der erste.
Jonas: Einfach nur, um ein Konzert zu haben. Und dann haben wir noch einmal so ein Ding mitgemacht, was mit zwei/drei Runden war und die schulden uns noch immer eine scheiß Reise nach Marbella!
Lars: Und ’n Auftritt da!
Jonas: Ach, das ist total egal. Aber ich will zumindest einmal dahinten am Strand liegen.
Lars: Und meine Mutter auch, die hat nämlich beim SMS-Voting gewonnen. Die hätte mitgedurft.

 

Ihr wisst ja: „Im Blick zurück entstehen die Dinge“ (Tocotronic) Deshalb möchte ich mit euch bisschen in der Vergangenheit kramen. Dazu habe ich mir Zitate von euch allen aus alten Interviews rausgezogen. Ihr zieht Kärtchen mit Zitaten und müsst dann raten, wer das gesagt hat. Bonuspunkte, wenn ihr dazu eine Jahreszahl sagen könnt!

 

 

Okay, kommen wir mal zum Ernst der Lage zurück. „Digital ist Besser“ – wie seht ihr das?
Nils: Manchmal ja, manchmal nein. So einfach ist das ja nicht.
Jonas: Kommt tatsächlich drauf an. Ich glaube, das Internet ist für die Menschen einfach zu früh. Wenn man sieht, was da gerade in den sozialen Netzwerken geschrieben wird? Es kommt einfach zu früh. Die Menschen sind komplett überfordert.
Lars: Das ist jetzt bezogen aufs Internet, ja.
Jonas: Ansonsten – wie geil sind bitte Navigationsgeräte? Kein Kartenlesen oder sowas!
Nils: Google Maps!

 

Ich habe hier noch was von 2010. Das passt ja gerade auch zu deiner Stimme, Tom. „Warum kann niemand von uns singen?“
Lars: Weil’s einfach nicht nötig ist, oder? (alle lachen) Das war doch diese Geschichte mit dem Pferd und hoch springen und so.
Jonas: Wir haben uns glaube ich einfach nur damit arrangiert.
Macht ihr denn irgendwas für eure Stimmen? Ist ja schon viel Geschrei.
Tom: Rauchen. (alle lachen)
Lars: Nichts dafür, nä?
Jonas: Das ist halt das Ding. Nichts dafür. Aber da haben wir irgendwann gemerkt, dass wenn es zu lange ist oder zu viele Konzerte hintereinander, dass man irgendwann dann auch mal abschmiert. Was ich jetzt mache – Donnerstag habe ich es vergessen, aber normalerweise packe ich mir aber tatsächlich einen Schal ein, für wenn es zieht. Und sonst halt sofort umziehen danach. Ansonsten habe ich aber auch einfach keinen Bock mich da hinzusetzen und Gesangsübungen zu machen.
Lars: (trällert)
Jonas: Man sollte es vermutlich wirklich machen. Ich habe tatsächlich normalerweise auch wegen dir immer Kamillosan dabei.

 

 

Was fandet ihr toll an eurem Aufwachsen in der Kleinstadt?
Lars: Dorf sogar nur. Joppi war in der Kleinstadt. Ich fand’s richtig geil. Als Kind fand ich das wirklich gut. Wald hinter dem Haus und so.
Jonas: Ich vermisse es glaube ich erst jetzt. Ich fand’s vorher richtig scheiße. Und jetzt ist es so: Geil!
Glaubt ihr, eure Musik würde anders klingen, wenn ihr nicht aus der Gütersloher Ecke, sondern zum Beispiel aus Leipzig kommen würdet?
Lars: Textlich bestimmt, oder?
Jonas: Ja, ich glaube, dass einen da auch andere Themen einfach beeinflussen.
Lars: Musikalisch? Pff. Vielleicht hätte ich dann doch nicht Schlagzeug spielen gelernt.
Jonas: Es ändert sich ja auch, mit wem man in Kontakt kommt, um an Musik zu kommen.
Lars: Ja klar. Es hätte alles geändert!

 

Klärt mich mal auf – woher kommen die maritimen Symbole in eurem Merch?
Freiburg: (einstimmig) Sandra (Klick)
Tom: Am besten sie fragen. Da haben wir nichts mit zu tun.
Und was ist mit diesen Socken?
Lars: (zu Tom) Hast du die nicht gekriegt?
Tom: Ja, meine Schwiegermama hat die gemacht. Zur Platte!
Vor der „High Five Zukunft“ gab es ja schon zwei EPs. „In einer Zeit“ und „Pi mal Daumen“. Sind da andere Sachen drauf?
(alle lachen)
Tom: Ich habe noch einen Karton zu Hause. Der ist noch zugeklebt.
Nils: Für eBay.
Lars: Zwanzig Stück habe ich noch.
Jonas: Wird der Öffentlichkeit auch komplett vorenthalten.
Nils: Das waren die Anfänge und Versuche.
Jonas: Das war um zu finden, was man eigentlich machen möchte.
Nils: Und beides umsonst produziert durch die Bandcontests.
Lars: Das war das einzige, was gut daran war. Dass man mal bisschen daran geführt wurde.
Jonas: Ich glaube, weil’s uns auch nichts gekostet hat, haben wir uns auch keine Mühe gegeben.

 

Diese Anfangszeit ist nun schon eine ganze Ecke vorbei. Was habt ihr seither als Band gelernt? Ist das, wo ihr seid, dort, wo ihr hin wolltet? Habt ihr euch das so vorgestellt?
Jonas: Ich habe mir nicht vorgestellt, selbst nach der ersten Platte, dass wir dann noch zwei Platten machen. Es war eine super coole Aktion von den Leuten damals, mit uns die erste Platte zu machen. Wir wollten das schon immer mal machen! Das war mega abgefahren. Aber ich hätte nicht gedacht, dass das noch weitergeht und wir noch mehr Platten machen. Und dass man dann mal sowas fettes, wie in der Großen Freiheit 36 einen Support-Slot kriegt? Never. Ich bin da nie von ausgegangen.
Tom: Das würde ich auch so unterschreiben.
Lars: Das ist ja auch gut so gewesen, sage ich mal. Das waren keine Erwartungen, aber ja. Kam dann glücklicherweise dazu.
Also würdet ihr sagen, dass ihr Glück gehabt habt?
Jonas: Ja also Glück auf der einen Seite… Und Glück auf der anderen Seite. (alle lachen) Es lief dann aber auch einfach irgendwie. Es war der Vorteil, dass immer irgendwer da war bei einem Konzert, der das dann gehört hat und dann sagte: „Dann mache ich jetzt was mit den Jungs.“ Oder er hat von irgendwem die Sachen bekommen.
Lars: Bock halt. Es ist ein ganz langes Hobby, schon immer. Es wird nicht mehr und es soll auch nicht mehr werden. Zumindest nicht so, dass man davon leben soll oder kann.

 

Die „Brief & Siegel“ endet eher nachdenklich mit „Es ist vergangen“. Geht’s mit solchen Melodien weiter? Gibt’s überhaupt schon Pläne, wie es weitergeht? Oder darf man darüber noch nicht reden?
Lars: Das Management sagt wir dürfen gar nichts sagen.
Jonas: (zu den anderen) Bisher fand ich knüpft das alles ganz gut an.
Nils: Das versuchen wir ja auch.
Jonas: Es ist schon was anderes, aber nichts komplett Neues. Und ich fand’s bisher eigentlich zur „Brief & Siegel“ recht passend, was wir da gemacht haben.
Lars: Ist halt auch das Ding jetzt, wo wir alle sagen: „Da haben wir Bock drauf.“
Die Zukunft bekommt demnach ein High Five.
Freiburg: (alle feiern) Wohooooo!
Lars: Ja! Brech‘ mer mal auf, wa?

 

Zum Abschluss bitte ich euch noch darum, ein Foto von 2012 nachzustellen.

 

Das Interview führte Ling.

About Ling

"Ich will das Lied nur noch zu Ende hören."