Über die Liebe zur Musik…

  • Foto: Marie-Louise Häfner

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„So verarbeitet man halt
auch Sachen“ – Im Gespräch mit Search Yiu

Vor 2 Wochen gepostet,von Ling

Foto: Marie-Louise Häfner

In der Pfalz gibt es ein kleines Fleckchen Erde, das sich in den vergangenen Jahren als musikalische Hochburg herauskristallisierte und Künstler wie Sizarr und Drangsal hervorbrachte. In diese Aufzählung reiht sich auch Sören Hochberg aka Search Yiu ein, der mit seiner Musik Sphären voller melodischer Gitarren, treibender Drums und emotionaler Verse kreiert.

Search Yiu veröffentlichte Anfang 2016 seinen ersten Langspieler „Ride On“, welcher sich durch seine warmen Bässe, die vertrackten Beats und den melancholischen Gesang am ehesten im Future R’n’B ansiedelt. Auch Singer/Songwriter-Elemente finden sich auf dem Album, die zusammen mit den beeindruckenden Instrumental-Parts und wabernden Synthesizern eine dunkle Welt erschaffen, in die man augenblicklich abtaucht.

Eineinhalb Jahre später meldet sich Search Yiu zurück und gewährt mit der Veröffentlichung von „God Complex“ einen ersten Eindruck in sein neues Album. Daher besuchten wir Sören und seinen Siamesischen Kampffisch und plauderten über Vergangenes und Zukünftiges.

 

Hallo Sören. Magst du dich kurz vorstellen?

Ich bin Sören, 27 Jahre alt. Pfälzer aus Landau. Musiker.

Gehst du selbst auf Konzerte?

Voll! Oft auch eigentlich.

Spielt das Besuchen von Konzerten eine Rolle in deiner eigenen Musik? Hast du das Gefühl, dass dich das beeinflusst?

Höchstens für die Live-Shows. Dass man was sieht und sich denkt: Man will es nicht eins-zu-eins kopieren, aber man merkt, dass etwas gut wirkt und das kann man auch probieren.

Stehst du selbst gern auf der Bühne?

Ja. Voll. Ich bin normal eher eine ruhige Person, aber ich bin gern auf der Bühne.

Für die, die noch nicht in den Genuss kamen – wie kann man sich eines deiner Konzerte vorstellen? Wie würdest du das beschreiben?

(überlegt) Pop-Entertainment.

So mit nach jedem dritten Lied umziehen und so?

Vielleicht. Damit sollte ich anfangen. Habe ich bisher noch nicht. (Pause) Nee, also für meine Shows habe ich nicht im Sinn, dass sich jeder einen abmuckt mit Schlagzeug und Gitarre und so. In Zukunft mache ich es wahrscheinlich sogar nur mit DJ. Sondern dass es Energie hat. Das mag ich zum Beispiel auch so an den amerikanischen Künstlern und Künstlerinnen, die nach Deutschland kommen. Little Simz habe ich letztens gesehen und sie war auch alleine mit DJ und es war richtig geil performt.

Ich glaube das gibt dem auch eine andere Art von Intimität, wenn da nicht so viele Leute auf der Bühne stehen.

Ja. Ist natürlich auch eine Geschmackssache. Zum Beispiel bei Rae Sremmurd war ich mit Max (Gruber, Anm. d. R.) und so und ich glaube, ich war der Einzige, der es so richtig gefühlt hat, weil es eine riesen Party war. Die haben die ganze Zeit Sekt versprüht. Es war absurd ein bisschen, aber ich mag es, wenn es Power hat.

Hast du vor demnächst selber mal wieder zu touren oder einzelne Konzerte zu spielen?

Ja klar! Die ganze Zeit jetzt war Album machen und Arbeit. Es ist noch nichts spruchreif, aber jetzt im November soll vielleicht wieder was anstehen. (Search Yiu wird den Support für Goldroger auf dessen Tour übernehmen. Anm. d. R.)

 

Kommen wir mal zu deinem Debüt „Ride On“. Ich persönlich höre Alben gern von A bis Z durch und ich finde diesen Übergang von „Indoor Pool“ zu „Combat“ unglaublich krass. Ich habe jedes Mal das Gefühl, dass es wie eine Erlösung ist, wenn das eine Lied in das andere übergeht, weil sich so viel Druck aufstaut am Ende des ersten Tracks. Ich finde es so intensiv!

Wirklich? Das freut mich. Habe ich selbst schon lange nicht mehr gehört. (überlegt) Ich sehe es mittlerweile aber nicht mehr als Debütalbum, sondern als Mixtape. Das Album jetzt fühlt sich mehr an wie das erste richtige Album.

Woran liegt das?

Weil das erste so komplett Bedroom-Productions waren. Das habe ich mit Tim (Roth, Anm. d. R.) in meinem Zimmer gemacht und jetzt haben viele Leute mitgearbeitet. Tim war auch noch einmal auf einem ganz neuen Level. Ich auch. Und die ganzen Leute, die mitgearbeitet haben, sowieso. Es wurde richtig abgemischt von Max Rieger.

Von wem auch sonst?

(schmunzelt) Von wem sonst! Der mischt jetzt alles.

Foto: Marie-Louise Häfner

Das Mixtape hast du 2016 veröffentlicht. Wie lange hast du daran geschrieben?

Gar nicht so lange. Halbes Jahr oder so?

Und gibt‘s eine bestimmte Art, wie das Songwriting bei dir abläuft?

Ja, ich mache meistens zuerst eine Songskizze. Meistens immer erste Strophe und Refrain und Akkorde, bisschen Beat. Und dann mache ich es gern mit Leuten fertig. Meistens mit Tim und jetzt beim neuen Album aber auch mit vielen anderen, die Producer sind und das Ganze irgendwie geiler klingen lassen können als ich das kann. Die meine Idee umsetzen können. Natürlich gibt auch jeder seinen eigenen Input, aber man hockt dann halt zusammen vor dem Laptop und dann hat jeder eine Idee und irgendwann ist der Song halt fertig.

Was ich bemerkenswert finde und du kannst mich gern unterbrechen, falls du nicht darüber reden möchtest: Ich las in einem Interview, dass du deine Texte zumeist in Phasen schriebst, in denen es dir nicht so gut ging. Ich finde es wichtig, über solche Themen mehr zu sprechen.

Voll!

In „Zuchtbulle“ sehe ich das Thema Depressionen und in „Mtvboy“ sprichst du konkret suizidale Gedanken an. Fällt es dir leicht solche Themen zu behandeln?

Mittlerweile voll. Das neue Album ist quasi dieselbe Thematik. Aber mittlerweile ist das doch sowieso alles bisschen offener. Kennst du das neue Album von XXXTentacion? Der Typ ist ein Arsch, brauchen wir nicht drüber reden, aber der hat jetzt so ein krasses Album abgeliefert, wo er aufs extremste über Suizid und all sowas rappt. Und irgendwie ist es jetzt auch bisschen so ein Ding, habe ich das Gefühl. Aber keine Ahnung, so verarbeitet man halt auch Sachen. Eigentherapie.

Das heißt, dass das Schreiben für dich vielleicht auch eine Art Ventil ist?

Ja. Dass man zumindest irgendwie abgelenkt ist die Zeit wo man schreibt.

Hast du manchmal das Gefühl, dass du schreibst, weil du „musst“? Also nicht von außen auferlegt, sondern als innerer Drang.

Habe ich noch nie so drüber nachgedacht. (überlegt) Ich habe mich noch nie so unter Druck gesetzt. Jetzt zum Beispiel habe ich schon lange nichts mehr geschrieben, weil das Album fertig werden musste und ich dann dachte: „Wenn ich jetzt einen neuen Song schreibe, will ich den am Schluss auch noch auf dem Album haben und dann ist es noch mehr Stress.“ Deswegen habe ich drei/vier Monate gar nichts gemacht. Aber jetzt habe ich schon das Gefühl es muss mal wieder was Neues her.

Bei „Indoor Pool“ gibt’s eine Mischung aus deutscher und englischer Sprache. Wie kommt das zustande?

Ich dachte einfach ich probier’s. Ich habe mich sehr lang sehr schwer damit getan, generell deutsche Musik zu hören, aber ich find’s schön. Momentan würde es nicht zu mir passen, dass ich komplett ein deutsches Album mache, aber ich dachte es wäre eine gute Idee. Auf dem neuen Album gibt’s auch eine Stelle die ist deutsch, aber die singt Dagobert. Und die ist zum Weinen schön.

Was hast du für Ziele für deine Musik?

Ich denke schon so die klassischen Ziele: Dass es gut ankommt und gefällt. Live-Auftritte spielen.

Und ist es ein Ziel für dich, dass du deinen Lebensunterhalt irgendwann damit verdienst?

Ja, zumindest für eine Zeit würde ich es mir wünschen. Es ist kein Muss. Ich setze mich ungern unter Druck. Aber wenn es irgendwie passt wäre es natürlich saugeil.

 

Foto: Marie-Louise Häfner

Okay, eine nicht-Musik-bezogene-Fragerunde: Was hast du als letztes gelesen?

Hermann Hesse: „Unterm Rad“

Liest du gern?

Tatsächlich nicht so. Also es geht. So mittel gern. (lacht) Ich lese mehr Mangas als Bücher.

Zählt halt voll! Wann hast du deinen ersten Computer erhalten?

Ich weiß noch der hatte 25 Megaherz und ein Diskettenlaufwerk. Ich war 11 oder so?

Welche PC-Spiele hast du früher gespielt?

„Counterstrike“ auf LAN-Parties. „Age of Empires“. Und wie heißt das – „Commander Keen“? Und „Indiana Jones“!

Noch die Point-and-Click?

Jaja!

Großartig! Dann wahrscheinlich auch „Monkey Island“ und so?

Mhm! Und wie hieß das eine mit den Tentakeln?

„Day of the Tentacle“. Und „Maniac Mansion“.

Fuck ja!

Welche TV-Serien schaust du?

„Game of Thrones“ – aber das geht ja gerade nicht weiter. Zum Essen schaue ich oft „How I met your mother“. Da kann man gut abschalten. Und „Rick and Morty“. Das ist sehr funny!

Was ekelt dich?

Ziemlich wenig eigentlich. (überlegt) Heftiger Gestank!

Hast du irrationale Ängste?

Nee. Ich glaube aber auch irgendwann bringt mich das um. Ich habe zum Beispiel null Höhenangst. Wenn wir irgendwo mal auf einem Dach sind gucke ich gern runter und bin so am Rand.

 

Reden wir jetzt mal über das kommende Album. An dem schreibst du ja schon seit einer ganzen Weile.

Vermutlich wird es „Day One“ heißen. Vielleicht ändert es sich auch noch einmal, aber der Titel steht schon seit einem Jahr.

Was hat sich im Vergleich zu dem Mixtape im Schreiben verändert?

Eigentlich nichts. Wir haben auch ziemlich direkt nach dem Mixtape weitergemacht. Soundmäßig ist es schon was anderes, aber vom Schreiben her sind es dieselben Themen.

Glaubst du, dass deine Musik durch die Features mit bestimmten Leuten an Popularität gewinnen kann? Ist das überhaupt relevant?

Relevant? Nein. Ich mache quasi nur mit Freunden und Freundinnen Musik. Ich weiß auch vorher nie: „Okay, mit dem will ich was machen.“ Irgendwann ergibt es sich. Bei dem einen Song, den habe ich mit Konrad Betcher gemacht, der auch in der Casper-Band Keyboard spielt und der macht auch mit Dagobert immer viel Musik und Dagobert ist auch ein Freund von mir. So ergibt es sich dann irgendwie.

Ich las, dass auch Silkersoft an dem Album beteiligt ist.

Bei einem Song, ja. Ich hätte ihn gern bei ein paar mehr gehabt, aber er war ziemlich busy.

Wie kam diese Zusammenarbeit zustande?

Gute Frage. Ich glaube, ich habe irgendwann sein Zeug auf SoundCloud gehört und habe ihn dann angeschrieben und witzigerweise war das gerade, als er mit Markus Ganter Sachen für Casper gemacht hat. Das ist quasi so, dass sich die Freundeskreise dann überschnitten haben. Und ja, er hatte direkt Bock.

Nun treffen wir uns auch, weil du den ersten Track aus dem neuen Album veröffentlichst. Kannst du dazu etwas sagen?

Er heißt „God Complex“. Ich habe lange überlegt, welchen Song ich als erstes mache. Es gibt sehr viele Songs, die Potential für Singles haben, was natürlich praktisch ist, aber auch so’n bisschen die Qual der Wahl war. Und ich dachte irgendwie, das ist ein ganz guter Einstieg.

Dem stimme ich zu. Für mich fand ich vor allem interessant, dass ich anfänglich einen sehr viel positiveren Eindruck hatte als nach ein paar Mal hören. Das hat sich nicht umgedreht, aber es läuft sozusagen parallel. Am Anfang dachte ich, dass der Titel in eine positivere Richtung einschlägt, als das Mixtape, aber das denke ich nun nicht mehr.

Ich glaube, das Album klingt positiver als das erste, aber die Thematik ist es keinesfalls. Es ist nur etwas anders verpackt.

 

Foto: Marie-Louise Häfner

Kommen wir zum Abschluss. Was kommt auf deine Playlist, mit der du Weihnachten nach Hause fährst?

Für die Fahrt? (überlegt) Das einzig Besondere, wenn es weihnachtlich sein soll, ist Sufjan Stevens. Der hat so eine riesen Weihnachtsedition.

Hattest du früher ein Lieblingstape? Und wenn ja, was war darauf?

Ich habe mir immer selbst Tapes gemacht. So aus Radio und CDs aufgenommen. Bravo Hits und so. Ah und ich hatte eines, das heißt „G-Unit Radio“. Das waren quasi so Mixtapes von G-Unit und die hatte ich auf Tape.

 

Dann vielen Dank für deine Zeit!

Immer gern.

Das Interview führte Ling.

Wer Search Yiu live sehen möchte, hat die Chance zu folgenden Dates:

About Ling

"Ich will das Lied nur noch zu Ende hören."