Über die Liebe zur Musik…

Ein
bunter Strauß Beatsteaks: YOURS!

Vor 2 Wochen gepostet,von Ara

Die Spatzen rufen es von allen Dächern, die Beatsteaks sind mit einem neuen Album zurück und weil man guten Freunden gerne mal ein Küsschen gibt, oder auch zwei, landete vergangenen Freitag ein ganz schön dickes Mixtape in Form eines Doppel Vinyl bei mir Zuhause. Habt ihr schon einmal Mixtapes gemacht? Ich fand das immer ganz spannend, egal ob auf Kassette oder CD; sich eine Playlist auszudenken, einen Spannungsbogen erzeugen, vielleicht noch einen Brief dazu verfassen, bei dem man erklärt, warum denn nun gerade diese Songs auf dem Tape gelandet sind. Und irgendwie sind derartige Mixtapes ja auch Namensgebend für diesen Blog gewesen.

Da war es also: Das neue Mixtape von den Beatsteaks mit dem Titel „Yours“ – oder in meinem Fall „Yours – Du bist Deluxe“, welches in einem dicken braunen Karton gab und mit einem roten Yak geprägt war. Darin eine dicke CD-Hülle, eine dicke Vinylhülle, ein Button, ein Aufnäher und eine Urkunde, weil ich mit meiner Bestellung 15€ an Amnesty International gespendet hatte; großartige Idee von den Jungs; Deluxebox mit viel Schnick Schnack und Shirts finde ich nie wirklich überzeugend. Doch zurück zum Mixtape.

Die Vinyl Scheiben befinden sich in einer richtig dicken Verpackung; das liegt an dem wunderschön gestalteten Booklet, das mit verschiedenen Wildtieren (ja, fragt nicht!?) und Songtexten gespickt ist. Ich frage mich, warum ich das letzte Mal eine Schallplatte mit einem solch mühevoll gestaltetenem Booklet in den Händen gehalten habe und es fällt mir nicht ein. Oftmals bleibt dem Vinylfan nur ein einfaches Blatt mit sämtlichen Songtexten. Aber hier hat sich jemand wirklich Mühe gegeben; wie man das bei Mixtapes für gute Freunde eben so macht.

Vier Songs auf dem Mixtape kenne ich bereits in der Studioversion; vor Monaten wurden sie bereits im Internet veröffentlicht und dennoch gewinnen sie erst in den zwei Wochen ehe ich das fertige Werk in den Händen halte für mich an Bedeutung. „I Do“ wird bereits zu einem ultimativen Live-Kracher, „L Auf Der Stirn“ zu meinem Sommerhit 2017, „40 Degrees“ wächst mit jedem Mal Anhören und mit „Sucker Punch“ werde ich vorerst nicht warm. Glücklicherweise durfte ich vor dem Release noch fünf weitere neue Lieder live erleben; habe also eine ungefähre Ahnung, was mich auf dem Mixtape namens „Yours“ erwarten wird.

 

Zugegeben, die Beatsteaks haben es wieder einmal schlau angestellt, als sie auf der August-Clubtour einfach mal mutig mit ihrem noch unbekannten Albumeröffnungs-Song „Breakdown“ Abend für Abend eröffneten. Das hat 2007 mit „As I Please“ schon funktioniert. Und das tut es auch dieses Mal.

Für ganze fünf Tracks haben sich die Jungs Gäste eingeladen – mein Fazit: Vier der fünf Songs sind großartig geworden. Bei „Velosolex“ mit Stereo Total sträubt sich bei mir einfach alles, ich muss den Song skippen und finde ihn sogar noch schlimmer als „Meantime“ und „Suckerpunch“ zusammen. Nein, ich beginne hier sogar „Suckerpunch“ ganz gut zu finden, wenn ich „Velosolex“ im direkten Vergleich habe. Ob da hier an der Musik, dem französischen Text oder der Tatsache liegt, dass Arnim hier ausschließlich Backing-Vocals singt – ich weiß es nicht. Doch die anderen vier? Großes Kino, wobei Deichkind und Farin Urlaub hier erfolgreich ihre eigenen Songs eingeschleust und die Beatsteaks als Kombo dazu gewonnen haben. Ich verzeihe Arnim bei beiden Songs sogar die deutsche Sprache – es funktioniert ganz wunderbar und „Abbadu“ (Aber du, verstehste!?) verzaubert in ganz frischer Teutoburg-Weiß/Urlaub Manier.

Meine beiden Favoriten des langen Mixtapes stehen bereits nach dem ersten Durchhören fest und weiteres Durchhören bestätigt meine Meinung: „Policoro“ und „Gap“. Ersterer klang live bereits ziemlich interessant – er schleicht sich wie eine Raubkatze um den Zuhörer, umkreist ihn und duckt sich immer wieder, als würde er gleich angreifen, ehe Thomas beginnt den Refrain zu singen. Und ich mag Songs, bei denen Thomas mitsingt nun einmal besonders gerne. Live wird das Ganze dann noch von Arnims Kazoo-Einsatz getoppt. „Gap“ durfte ich bis jetzt noch nicht live hören, doch ich bin mir sicher, dass der ein absoluter Live-Klassiker werden dürfte, der kurz und knackig reinhaut und genau da landet, wo’s weh tut – im kochenden Pogo-Kessel.

Aber es gibt auch einige Songs, die erst mit dem mehrmaligen Hören ankommen und wachsen; bei „Attack and Decay“ stand ich das erste Mal ziemlich ratlos vor der Bühne, als Arnim plötzlich mit zwei Mikrofonen bewaffnet und in Robodance Manier auftrat. Nun hat sich der Song mit einem eingängigen Gitarren-Riff aber klammheimlich zu einem Gute Laune Song gemausert. Oder auch „Come And Get Some“, der erst einmal nach Urlaub in der Karibik anstatt nach Beatsteaks klingt. Aber gerade das macht die Jungs nun eben auch aus: Dass sie sich an neues heranwagen und das dann zum Beatsteakssound umfunktionieren.

 

Zugegeben, ich bin anfangs recht skeptisch gewesen, als die fünf Herren ein Doppelalbum voller unterschiedlicher Songs und Produkzenten angekündigt hatten. Aber ähnlich wie einem liebevoll erstellten Mixtape voller unterschiedlicher Songs ist auch bei „Yours“ ein roter Faden zu finden, der sich trotz all der unterschiedlichen Facetten durch die 21 Songs zieht. Womögiich hätte ich mir die Platte bereits im Juni oder Juli gewünscht; es wäre eine verdammt gute Sommerplatte gewesen, aber mit jedem Tag, mit dem der Herbst näher rückt, fühlt sich „Yours“ auch ein bisschen mehr nach Spätsommer an.

Was natürlich hängen bleibt, ist, dass „Yours“ deutlich mehr Facetten als seine Vorgänger aufweist. Aber genau das ist es, was ich an den Beatsteaks so sehr mag. Fünf facettenreiche Musiker, die ihren jeweiligen ganz eigenen Charakter und Musikgeschmack mit einbringen und mit jeder Langspielplatte die Genregrenzen ein bisschen mehr aufbrechen. Danke liebe Beatsteaks für diesen bunten Blumenstrauß an Musik – für das Deluxe Mixtape und vorab für all die guten Konzerte, die damit kommen werden.

About Ara

Ganz egal, ob die Welt jetzt untergeht - ich will mein Tape nur noch zu Ende hören...