Über die Liebe zur Musik…

  • Beatsteaks in Kiel - Foto Paul Gärtner

Ab der dritten Reihe Pogo
– die Beatsteaks in Kiel

Vor 3 Monaten gepostet,von Ara

Zwei Jahre sind vergangen, seitdem ich die Beatsteaks das letzte Mal im Rahmen ihrer beiden Wuhlheide Konzerte live gesehen hatte; ganze zehn Jahre seit ich sie das erste Mal live in einer Würzburger Schwitzbude sah. Nun steht mit „Yours“ das immerhin schon achte Studioalbum in den Startlöchern. Es war also mal wieder Zeit, die Herzensband live zu erleben. Da setzt man sich natürlich gerne fünf Stunden in den Flixbus und nimmt das außerordentlich schlechte Wetter in Kiel in Kauf.

Die Tunnel in Kiel - Foto Paul Gärtner

Eine knappe dreiviertel Stunde vor Einlass stellten wir uns also trotz Regenschauer in der Schlange an, um kurze Zeit später die Pumpe zu entern. Wer wie ich zum ersten Mal den Laden besucht, war sicherlich von der namengebenden und historischen Pumpe in der Mitte des Raumes fasziniert, die den vorderen Zuschauerraum vom Barbereich trennte. Während sich der Raum recht langsam füllte, suchten wir uns ein Plätzchen in der zweiten Reihe vor Torsten und wunderten uns über die wenigen bekannten Gesichter im Laden; nichtsdestotrotz stieg die Vorfreude immer mehr, je länger wir auf die Tunnel warteten. Die Vorgruppe aus Berlin wird am 15. September ihre Debütplatte via Tomatenplatten veröffentlichen und spielte in Kiel einen ihrer ersten Auftritte. Wer auf leicht psychedelische Musik steht, sollte hier mal reinhören – meine neue Lieblingsband wird es in diesem Fall nicht werden.

Nach einer halben Stunde ist Schluss, der Umbau folgt. Erste neugierige Nasen zücken ihre Telefone, um einen ersten Blick auf die Setlist erhaschen zu können. Ich möchte mich an dem Abend komplett überraschen lassen.

Kurz vor neun ist es dann soweit, die Pumpe verdunkelt sich, die Musik verklingt. Sechs Berliner (Zweittrommler Dennis ist weiterhin mit an Board) entern die Bühne: „Wir sind die Beatsteaks aus Berlin und spielen heute ein paar neue Songs“, grinst Arnim ins Mikrofon, dann legen sie los. „Breakdown“ heißt der erste Song – die Pumpe explodiert. Die dritte Reihe hinter mir existiert mit einem Mal nicht mehr, stattdessen klafft eine offene Pogo-Wunde, die weit bis hinter die Mitte des Raumes reicht. Ich blicke wieder nach vorne, die Band ist gut gelaunt und mir wird einmal mehr bewusst: Die Beatsteaks sind zurück! Hell yeah!

Beatsteaks in Kiel - Foto Paul Gärtner

Weiter geht’s mit „40 Degrees“, einem der wenigen neune Songs, die der breiten Öffentlichkeit bereits zugänglich gemacht wurde, Kiel singt lautstark mit, während Arnim die ersten High Fives und Handküsse an die ihm bekannten Gesichter verteilt. Mit „Memories“ folgt die nächste neue Nummer – ich erinnere mich nicht mehr an Details, nur das die neuen Songs allesamt gerockt haben. Als Arnim einen Gin Tonic aus dem Publikum gereicht bekommt, ordert er 600 weitere bei seinem Tourmanager; er hat Bock mit Kiel zu feiern! Wenig später findet tatsächlich ein Tablett mit knapp acht gefüllten Bechern die Bühne – wir sind unter den Glücklichen, die einen abbekommen – kann so ein Tourauftakt eigentlich besser starten!?

Dann kommt ein Block voller Klassiker: Automatic, Monster, Demons Galore. Letzterer ist meiner absoluten Lieblingssongs der Band und beschreibt ein bisschen zu perfekt meine Liebe zu dieser Band; es tut so gut den Song immer wieder mal live hören zu dürfen. Als Arnim mit „Policoro“ den vierten neuen Song des Abends ankündigt, erklingt es zeitgleich aus mehreren Mündern „Was!?“. Die Band muss lachen, Arnim auch und erklärt mit gespielt italienischem Akzent und auf englisch, dass es sich um einen Song aus der Feder von Thomas Götz handelt und eine kleine italienische Gemeinde hierbei namensgebend war. Ich habe den ersten von vielen Lachanfällen an diesem Abend.

Es tut so unglaublich gut, diese Band wieder live zu sehen; es ist ein bisschen wie nach Hause kommen. Die Vorfreude auf das neue Album steigt mit jedem neuen Song – ganze neun Stück dürfen wir an diesem Abend hören und trotzdem wird es zwischenzeitig alles andere als langweilig.

Beatsteaks in Kiel - Foto Paul Gärtner

Es gibt kein „Hand in Hand“ und auch kein „Hey Du“, nach all den Jahren ist das meiner Meinung nach eine erholsame Abwechslung. Stattdessen singt Peter an diesem Abend wieder Billy Braggs „New England“, auf welches mit „Fever“ ein neuer Song mit Thomas am Klavier folgt. Bei „Gentleman Of The Year“ wird ausgiebig getanzt, bei „Let Me In“ traditionsgemäß gekniet und gesprungen und zwischendrin beobachtet man mit einem Grinsen immer wieder Thomas und Torsten beim sich gegenseitig anrotzen und ist leicht genervt von all denen, deren wohl größter Traum es ist, Torsten oder seinen Bass oder Arnim anzufassen. Hach ja. Es ist also alles wie immer.

Aber es kommt auch zum ein oder anderen außergewöhnlichen Moment; bei „Jane Became Insane“ möchte Arnim springen, verheddert sich aber mit seiner Gitarre kurzerhand im Mikrofon hinter ihm; angepisst von der Situation knallt er seine Gitarre auf den Boden und reißt im gleichen Zug beide Mikrofone um. Das Hauptmikro landet direkt vor uns auf der Bühne. Für den Bruchteil einer Sekunde herrscht Chaos; ehe ein Kieler Fan das Mikro wieder in hohem Bogen zurück zu Arnim wirft, welcher es gekonnt und aus dem Flug und im Takt wieder aufhängt. Was ein Move!

Beatsteaks in Kiel - Foto Paul Gärtner

Mit „I Want To Break Free“ folgt kurz vor Ende der regulären Setlist noch ein weitere Cover, das Arnim wie auf dem Leib geschneidert ist. Der Sänger geht in seiner Rolle voll und ganz auf – tatsächlich so sehr, dass sich selbst Drummer Thomas vor Lachen kaum noch hinter dem Schlagzeug halten kann. Obwohl die geschriebene Setlist komplett gespielt ist, kommen die sechs erneut auf die Bühne: „Jetzt spielen wir nur noch Wünsche!“ Natürlich gibt’s als Auftakt direkt zwei Mal hintereinander „Barfrau“, gefolgt von „Hello Joe“ und „Summer“.

 

Ich fordere mehrmals lautstark „Big Attack“ und habe Glück, denn Arnim sagt schließlich „Na, dann spielen wir doch Big Attack“ und fängt an. Der Rest der Band steht ratlos rum, ahnungslose Blicke, Torsten versucht sich bei Arnim die Akkorde abzugucken, während der gerade den Text vergisst und schließlich nach der Hälfte abbricht, sich zu Peter umdreht und sagt: „Und weiter mit Hail To The Freaks!“ Peter hat zu diesem Zeitpunkt jedoch noch die Gitarre und nicht den Bass umhängen. Die Verwirrung auf der Bühne ist komplett. Sorry Jungs!

Stattdessen wird nun „Atomic Love“ angestimmt und ich strahle wie ein Honigkuchenpferd, weil es in diesem Moment so sehr meinen Gemütszustand des kompletten Abends widerspiegelt. Mit „Hail To The Freaks“ findet der Abend nach knapp zwei Stunden absoluter Saune schließlich sein Ende. Es werden Hände geschüttelt, Setlists, Drumsticks und Plektren verteilt und wohin man auch schaut, man blickt in glückliche Gesichter und weiß: Die Beatsteaks sind zurück – jetzt geht’s wieder los!

 

Zu guter Letzt noch der kurze Hinweis: Es ist nicht cool, andere Konzertbesucher sexuell zu belästigen (was mir an dem Abend glücklicherweise nicht aufgefallen ist.) – allerdings ist es genauso uncool, via Crowdsurf auf die Bühne zu hüpfen und dann krampfhaft zu versuchen, dem Sänger einen Kuss aufzudrücken. Dankenswerterweise war das auch der einzig wirklich unschöne Moment des Abends….

 

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Paul Gärtner, den ihr auf seiner Homepage auschecken könnt und hier auf Facebook verfolgen könnt. Tut das, ist einer von den Guten!

About Ara

Ganz egal, ob die Welt jetzt untergeht - ich will mein Tape nur noch zu Ende hören...

  1. Nicole22. August 2017, 15:18

    Du sprichst mir aus dem Herzen!!! Besonders dein kurzer Hinweis am Ende 🙋
    Schöner Bericht und ich freue mich schon auf mehr. Kiel war spitze!!!

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