Über die Liebe zur Musik…

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„Erst kommt die Platte
und dann das Konzept“ – Im Gespräch mit Love A

Vor 7 Monaten gepostet,von Eileen

Nachdem die Platte „Nichts Ist Neu“ am vergangenen Freitag das Licht der Welt erblickte, haben wir Love A im neuen Festsaal Kreuzberg in Berlin zu einem ausgesprochen witzigen Interview getroffen, um ihnen ein paar Fragen zu dem Album zu stellen und anderen Schabernack zu besprechen. Das Ergebnis davon gibt’s hier zum Mitlesen:

 

Love A ist eine sehr produktive Band. Das letzte Album ist gerade einmal zwei Jahre alt und schon ist das neue raus. Wie kommt das?

 

Karl: Uns wird schnell langweilig.

Dominik: Wir sind eigentlich gar nicht produktiv. Wir machen immer dasselbe und dadurch geht das einfach schnell. An einem guten Tag haben wir fünf Lieder geschrieben.

Karl: An einem guten Wochenende!

Jörkk: Wir buchen uns dann meistens das Studio oder nehmen uns das vor und dann müssen wir halt was machen.

 

Uns fiel auf, dass sich die Lieder auf der Gesangsebene zum Teil sehr unterscheiden. „Nachbarn II“ klingt beispielsweise viel weicher als „Nichts ist leicht“. Gibt’s dafür einen Grund?

 

Jörkk: Na ja, „Nichts ist leicht“ ist ja sehr brachial und dann ergibt Schreien auch Sinn und der andere – den haben die Jungs auch glaube ich alleine gemacht und der war dann schon fertig, als ich kam – hatte so eine Stimmung. Ich kann nicht so dunkel singen, weil ich da nicht laut werden kann.

Stefan: War’n Versuch so.

Jörkk: Ich glaube gerade Karl und ich versuchen auch ein bisschen mal was anderes zu machen. Wir machen am meisten immer dasselbe.

Dominik: Genau, während ihr immer einfach so zufrieden seid – [Jörkk unterbricht und zeigt auf Stefan und Dominik]

Jörkk: Ihr seid mehr so die Künstler. Virtuosen.

Stefan: Jörkk ist ja so der Denker. Der durchdenkt immer alles sehr. Dom und ich sind eher impulsiv.

Dominik: Wir sind Bauchmenschen. Man sieht es weniger als bei Jörkk, aber wir sind Bauchmenschen.

 

Der Anfang von „Treeps“ ist ziemlich genuschelt. Da frage ich mich warum? Es klingt wie eine Mischung aus „nüchtern, glücklich und lüstern“.

 

Dominik: Also ich kann meine Hand dafür ins Feuer legen, dass der Jörkk niemals singen würde: „So richtig lüstern war ich lang‘ nicht mehr.“ [alle lachen] Dafür bürge ich mit meinem Namen.

Karl: Jörkk war auch extrem krank, als wir die Platte aufgenommen haben und als er singen musste. Deswegen hört es sich vielleicht auch nicht so deutlich an.

Darauf wollte ich mit der Frage davor hinaus. Wurden mache Sachen dann noch einmal neu aufgenommen?

Dominik: Ja, tatsächlich.

Jörkk: Das wird mir zum Glück auch als Absicht ausgelegt, aber da wurde eher aus der Not eine Tugend gemacht. Auf „Treeps“ ist so der Effekt drauf und den wollten wir extra so kaputt machen, weil die Stimme schon mega Schrott war und es passt auch gut zu dem Song.

 

Jörkk, wann warst du denn das letzte Mal nüchtern?

 

Jörkk: Ich bin schon Gewohnheitstrinker und neulich musste ich lachen: Da hatte ich so vier Tage, in denen ich auch kein Glas Wein zum Essen, kein Feierabendbier getrunken habe. Da haben mich alle ausgelacht, weil ich das schon beeindruckend fand, dass man vier Tage mal gar nichts getrunken hat. [Wir alle nicken zustimmend.] Aber ich bin auch nicht jeden Tag besoffen.

Karl und Jörkk [im Gleichklang]: „Aber so richtig nüchtern war ich lang‘ nicht mehr.“

 

Woher kam die Idee „Nachbarn I“ weiterzuführen? Die Zeile „there is no escape from my neighborhood except for Selbstmord“ wurde bei „Nachbarn II“ doch sehr wörtlich umgesetzt.

 

Jörkk: Das war nicht die Idee: „Wir machen jetzt einen Song, der Nachbarn II heißt“. Sondern der Song war fertig und weil die Nachbarschaft darinnen vorkommt war das natürlich witzig: „Nichts ist neu, da kann man auch noch ein Sequel machen!“

Karl: Ganz am Schluss, wenn alles aufgenommen und fertig ist, müssen wir uns immer noch Namen für die Lieder überlegen.

Dominik: Wie hieß er denn ursprünglich?

Jörkk: „Jemand“ hieß er.

Stefan: Also erst kommt die Platte und dann kommt das Konzept zur Platte.

Karl: Und die Leute erklären uns dann auch immer alles. Die erklären die Texte, was sie sich dabei denken.

Jörkk: Wenn Reviews kommen, weiß ich auch immer, was ich den Leuten sagen wollte.

Karl: Dann machen wir uns auch immer Gedanken darüber und sagen: „Ja, könnte sein.“

Dominik: Es ist wirklich so. Wir machen uns keine großen Gedanken. Wir haben manchmal bisschen Glück, dass sich so Sachen ergeben und das ist alles.

Karl: Zum Beispiel das „there is no escape from my neighborhood except for Selbstmord“ ist mir tatsächlich erst aufgefallen, als ich euer Review gelesen habe. [Anmerkung: Hier nachzulesen.]

Dominik: Wir haben in eurem Review ziemlich viele Sachen entdeckt, die uns nicht bewusst waren.

Karl: Aber die absolut zutreffen!

Jörkk: Das war krass. Da habe ich mich erwischt und gut aufgehoben gefühlt.

Dominik: „Die Anderen“ lief zum Beispiel auch bei uns unter dem Motto, dass es das Pascow-Cover wäre.

Es ist halt wirklich so! Wenn das Lied läuft, bin ich mir am Anfang nicht sicher, ob es jetzt „Too doof to fuck“ oder „Die Anderen“ ist.

Jörkk: Wir dachten: „Der Pascow-Song kommt so gut an. Da machen wir lieber einen eigenen, der genauso klingt.“

Karl: Wir hatten überlegt ihn auf die Platte zu machen und dann dachten wir, dass ein Cover auf der Platte auch doof ist, also mussten wir ein Lied machen, das sich genauso anhört.

 

War es von Anfang an geplant, „Kanten“ und „Weder noch“ sowohl einzeln als auch auf „Nichts Ist Neu“ zu veröffentlichen?

 

Jörkk: Was heißt geplant. Wir fanden die schon gut und wussten, dass wir die auch noch einmal neu aufnehmen und auf die Platte packen wollen.

Stefan: Eigentlich haben wir diese Special Single auch deswegen nur limitiert gemacht. Weil wir es schon geplant haben, dass wir die auch gern fürs Album nehmen wollen – [Karl unterbricht]

Karl: Die anderen Sachen, die wir noch hatten, waren halt alle nicht so gut.

Jörkk: Wenn wir jetzt 15 Songs gehabt hätten, die geil gewesen wären, hätten wir da noch drei aussortiert. Aber wir sind immer gerade so Spitze auf Knopf.

Karl: Wir hatten diesmal sogar drei mehr.

Jörkk: Zum ersten Mal hatten wir etwas zum Aussortieren!

Dominik: Genau. [lachend] Und die Lieder, die wir aussortiert haben, erscheinen dann nächstes Jahr auf einer Single und kommen dann in zwei Jahren auf ein Album.

 

Zum Lied „Monaco“: Was habt ihr denn für eine Verbindung zu „Monaco Franze“?

 

Jörkk: Mir ist er ein Vater im Geiste. Ich mag das total. Ich bin totaler Helmut Dietl-Fan und finde auch Helmut Fischer witzig. Ich habe das als Kind mitbekommen und nicht verstanden und feier‘ das total ab. Ich bin halt totaler „Monaco Franze“-Nerd und kann da fast jede Folge mitsprechen. Stefan findet das bisschen lustig und Dominik versteht es auch am Rande.

Dominik: Ja ich finde das gut.

Karl: Ich finde die erste Folge witzig und danach ist es richtig scheiße.

Jörkk: Karl findet das relativ beschissen und er hat natürlich in seiner Güte den Text dann trotzdem durchgewunken.

Dominik: Wir haben ihn überstimmt.

Karl: Wir haben so ein komisches Punktesystem und das hat komplett versagt, weil das Lied trotzdem auf der Platte gelandet ist.

Jörkk: [lacht] Jeder darf ein, zwei oder null Punkte für einen Song vergeben, nü?

Dominik: Ein halber Punkt, ein ganzer Punk oder null Punkte. Und dann sind die Lieder, die die wenigsten Punkte haben, weggefallen. Es gab ein Lied, das hatte 0,5 Punkte. Und alles ab zwei Punkten ist dann auch wirklich auf der Platte gelandet.

 

Kommen wir kurz zu unserer Schnellfragerunde. Wir gehen einfach die Runde durch:

 

Obst oder Gemüse?
Stefan: Gemüse
Mama oder Papa?
Karl: Beide.
Nein!
Karl: [leise] Mama
Passend zu dir: Kopf- oder Bauchmensch?
Dominik: Bauch
Club oder Kneipe?
Jörkk: Kneipe
Frühling oder Herbst?
Stefan: Frühling
Liebe oder Sex?
Karl: Liebe
Mexikaner oder Pfeffi?
Dominik: Pfeffi
Ärzte oder Hosen?
Jörkk: Ärzte

 

Was hat es eigentlich mit dem Lied „Sweet Jesus“ von 2013 auf sich?

 

Stefan: Das war eine Aufnahme von der ersten Session, die wir damals noch als Love Academy gemacht haben. Da haben wir zwei Songs aufgenommen, die nicht auf die erste Single kamen. Einer davon war „Sweet Jesus“ – [Dominik fällt ins Wort]

Dominik: Und der andere „Heizpilz“.

Stefan: Der ist so’n bisschen kollektiv entstanden. Da haben wir einen Song gemacht und Jörkk hatte auch noch keinen Text für den Song und dann stand er in der Aufnahmekabine und dann haben wir ihm so Textfetzen zugerufen.

Jörkk: Pelikan! Pinguin! [lacht]

Dominik: Ja und da sieht man auch, was bei rumkommt, wenn wir an einem Text mitarbeiten.

Und was ist jetzt mit „Heizpilz“ passiert?

Dominik:Heizpilz“ kommt wahrscheinlich auf’s nächste Album. [alle lachen]

 

Wollt ihr mit eurer Musik Massen erreichen?

 

Stefan: Ich habe mich gestern noch mit jemandem unterhalten und gesagt, dass sowas, wie gerade passiert – dass plötzlich Konzerte mit 200/300 Leuten ausgekauft sind – super ist, aber auch irgendwie absurd. Das war komisch für uns. Das ist natürlich schön, aber wir haben nie, wie das andere Bands vielleicht machen, einen Plan verfolgt, dass wir gesagt haben: „Wir wollen mit der nächsten Platte das und das.“

Jörkk: Wir haben keine Erwartungen und deshalb ist alles schön, was dabei herumkommt.

Karl: Wir freuen uns über alles, was passiert und umgekehrt würden wir uns auch nicht verbiegen.

Dominik: Es ist ja auch angenehm, wenn man nicht so eine Erwartungshaltung hat und dann nur die Sachen macht, die man gut findet und nicht Konzerte spielt, weil man denkt, damit kann man jemanden erreichen. Man spielt da, wo man Lust hat und kann und was man gut findet und das ist ja eine total angenehme Situation für eine Band.

 

Was war die schlimmste Sache, die ihr jemals über Love A gehört habt?

 

Dominik: Ich habe mal zu hören bekommen wir klingen wie Madsen. [überlegt] Das fand ich tatsächlich schwierig.

Jörkk: Ich fand bescheuert, dass ich mir fünf Jahre lang anhöre, dass „der Typ nicht singen kann“ und dann kommen sie und vergleichen mich mit Tim Bendzko.

Stefan: Mir ist das relativ egal.

Karl: Eigentlich ist das ziemlich witzig, wenn die Leute uns scheiße finden.

Jörkk: Ich wäre der Einzige, der sich das wirklich zu Herzen nehmen würde oder so eitel ist, dass er da Schmerz empfinden könnte. Aber dafür habe ich selber schon zu viele Reviews geschrieben und weiß, dass man immer nur den eigenen Tellerrand als Maßgabe hat. Und deshalb ist man eher amüsiert, wenn was nicht trifft, als dass man jetzt verletzt ist.

 

Wie würde eure Musik aussehen, wäre sie eine Frau?

 

Dominik: [betont ernst] Unsere Musik ist eine Frau. Also „Nichts Ist Neu“ wurde ja als kleines Mädchen geboren gestern. Ein circa 12 Zoll großes, 150 Gramm schweres, kleines Baby-Mädchen. Oder eine 50-jährige Trinkerin in einer alten Kaschemme.

Jörkk: Eine versoffene Lügnerin glaube ich. Leicht abgeblätterte Fingernägel, so’n bisschen Heroin-Chic. Verlebt, aber man sieht, dass sie mal eine sehr attraktive Frau war. [lachend] Hätte man sie doch früher kennengelernt!

 

In einem Wort: Was bedeutet für dich Love A?

 

Stefan: Love

Karl: A

Dominik: Busfahren

Jörkk: Gang

 

Was sagen eure Eltern zur Band?

 

Stefan: Mein Papa hat einen Google-Alert und dann erzählt er mir manchmal so Sachen, die ich selber noch nicht gesehen habe, weil ich nicht die ganze Zeit da sitze und Sachen über uns lese. Und dann bin ich manchmal Zuhause und dann erzählt er mir, was da und da gestanden hat. Das ist ganz witzig. Ich glaube die finden das ganz gut so.

Karl: Ich glaube bei meinen Eltern ist das auch so.

Stefan: Die können mit der Mukke halt nichts anfangen, …

Karl: … die finden das aber trotzdem gut.

Dominik: Die freuen sich für einen.

Jörkk: Meine Mama sagt immer: „Das ist ja wie eine richtige Band! Wie im Fernsehen!“

 

Mit wem würdet ihr gern mal einen Tag lang den Körper tauschen, wenn ihr die Chance hättet?

 

Karl: Ich glaube ich würde meinen Körper gern mit einem Hochleistungssportler tauschen, um einmal zu wissen, wie das ist.

Dominik: Ich glaube bei mir wäre es Tim Wiese.

Jörkk: Bei mir die junge Cindy Crawford.

Karl: Oder jemand der extrem schlau ist! Das wäre auch cool.

[Es bricht eine Diskussion darüber aus, ob man das Gehirn mit tauscht oder nicht.]

Dominik: Vielleicht wäre es auch cool, mit einem Tier zu tauschen.

Stefan: Ja hätte ich auch gesagt. Mit einem Vogel oder so.

 

Könnt ihr sagen, was das wichtigste Lied ist, das ihr je gehört habt?

 

Karl:Alle meine Entchen

Jörkk: Ich würde sagen The Weakerthans: „Left and Leaving“. Das thront so über allem.

Dominik: Ich glaube ohne „Left and Leaving“ würden wir nicht so klingen wie wir klingen.

Karl: Das sind Fragen, über die muss man echt lange nachdenken.

Stefan: Das kann ich auch nicht so direkt beantworten. Da hat man Lieder oder Alben, die eine Zeit prägen.

Dominik: Ich glaube bei mir ist es irgendwas von Tocotronic.

 

Der Blog heißt ja Lieblingstape – was sind eure drei liebsten Platten aktuell?

 

Jörkk: Hidden Orchestra, das ist so bisschen easy-listen Kram. Das ist total gut. Dann die Idols und The Hellacopters „High Visibility“ ist so immer in meiner Playlist.

Karl: Ich habe ziemlich viel Drab Majesty gehört. Die letzte Platte von A Place To Bury Strangers finde ich auch ziemlich super und die höre ich auch sau oft. [überlegt] Was ich auch super finde sind The Murder City Devils: Empty Bottles, Broken Hearts

Stefan: [guckt seine Playlist durch] Ich kann es tatsächlich nicht sagen.

Dominik: Ich habe in letzter Zeit wieder oft die Boxer von The National gehört. Dann habe ich die Interpol Turn on the Bright Lights oft gehört, weil die bei uns in der Nähe spielen. Ich habe keine Karte mehr bekommen. Da bin ich stinksauer drüber. Und ich höre immer noch sehr, sehr gern die Grimm 004 EP, ist zwar schon etwas älter, aber die finde ich brettstark.

Jörkk: Dann sind wir alle durch.

Dominik: Stefan muss noch.

Stefan: [leicht verzweifelt] Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht sagen.

Karl: [helfend] Die Love A Nichts Ist Neu und wie heißt die andere? Jagd Und Hund?

Stefan: Die letzten drei Love A-Platten.

 

Lustig war’s! Danke für die Zeit und bis zum nächsten Mal. Prost!

 

Love A auf Tour:

24.05.17 Hamburg – Molotow
25.05.17 Düsseldorf – Zakk
26.05.17 Wiesbaden – Schlachthof
27.05.17 Leipzig – Conne Island
21.07.17 Bonn – Bla
29.09.17 Hannover – Faust
30.09.17 Flensburg – Volxbad
01.10.17 Rostock – Peter Weiss Haus
02.10.17 Bremen – Tower
27.10.17 Weinheim – Café Central
28.10.17 Koblenz – Circus Maximus

Das Interview führten Ling und Eileen.

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