Über die Liebe zur Musik…

Love A
– Nichts Ist Neu

Vor 5 Monaten gepostet,von Ling

Einem aufmerksamen Hörer fällt bereits beim ersten Durchlauf des „Nichts Ist Neu“-Langspielers auf, dass dieses Album viel düsterer ist als die bisherigen Veröffentlichungen von Love A. Das ist auch nicht verwunderlich, beginnt das Pessimistische doch schon mit dem fatalistischen Titel des vierten Albums und durchzieht schließlich sowohl die melodische, als auch die textliche Ebene. Was allerdings einige weitere Durchläufe benötigt, ist, dass man sich „Nichts Ist Neu“ schön gehört hat. Zumindest, wenn man schon langjährige*r Love A-Liebhaber*in ist.

Die Lieder weisen typische Love A-Tonfolgen auf und vor allem die Gitarrenriffs sind sehr bezeichnend für diese Band. Musikalisch ist „Nichts Ist Neu“ dem dritten Love A-Album „Jagd und Hund“ am nächsten und bewegt sich weiterhin im Indie-Punk. Betrachtet man die Platte als Teil des Gesamtwerkes sind vor allem diverse Anlehnungen an ältere Stücke spannend. Nachdem „Nachbarn“ (erschienen auf „Eigentlich“) unsägliche Mitmenschen ins Auge fasst, haben sich diese nun in „Nachbarn II“ wie 2011 angekündigt umgebracht („there’s no escape from my neighbourhood except for Selbstmord“). „Die Anderen“ lässt an „Too Doof To Fuck“ denken, das Pascow Stück, das Love A nur zu gern covern. Und auch „Treeps“ erinnert stark an ein älteres Love A-Lied. Nichts ist neu?
Die Titel „Kanten“ sowie „Weder Noch“ wurden bereits vor über einem Jahr ausgekoppelt und auf einer streng limitierten 7″ auf zwei Konzerten in Hamburg und Berlin verkauft (hier nachzulesen). Das wirft natürlich die Frage auf, ob man sich zu diesen Stücken automatisch hingezogen fühlt, weil man diese gegebenenfalls schon das eine oder andere Mal live gehört hat. Die Verse „Wir müssen Risse haben, damit das Licht hinein kann./Wir müssen Kanten haben, damit es Risse gibt.“ („Kanten“) berühren das alte Melancholikerherz und man findet Love A ganz schnell wieder da, wo man sie immer haben möchte.
Zeilen wie „Wochenende hoch die Hände/[…] Tri tra trullala“ („Unkraut“) hören sich zunächst stark irritierend an und lassen die Feder des Schreiberlings in Frage stellen. Achtet man dann aber auf den Text, stellt man schnell fest, dass diese Wörter sehr bedacht gewählt wurden. Sie unterstreichen die Ernsthaftigkeit des Themas Rassismus, welches das Lied behandelt („weil’s keine Grenzen gibt was den Hass anbelangt“), und zeigen auf, dass sich viele Menschen so sehr in ihren eigenen Trott fallen lassen, dass sie nicht tangiert, was uns alle etwas angeht.
Es lässt sich also feststellen, dass Love A textlich noch einen Zahn zulegen, mehr Diversität beweisen, wenngleich auf düsterer Ebene. Gleichzeitig dauert es aber auch eine Weile, bis man sich mit dem Album anfreunden kann. Einen richtigen Hit gibt es nicht, aber die Lieder können auch sehr gut für sich allein stehen.
Das Album heißt „Nichts Ist Neu“ und damit hält es was es verspricht. Es knüpft an die anderen Alben an und beinahe wirken die Lieder austauschbar. Befasst man sich aber tiefer mit dem neuen Werk, welches übrigens am 12. Mai auf Rookie Records erscheint, stellt man fest, dass es doch anders ist. Selbstverständlich erinnern die Tonfolgen der Gitarre und die markante Singstimme nach wie vor an ältere Love A-Lieder, aber die Texte sind bedrückender, melancholischer. Wie das Album selbst auch endet: „Man gewöhnt sich dran.“ („Verlieren“) „Nichts Ist Neu“ ist ein klassisches Beispiel von verliebt auf den x-ten Blick.

 

Auf Tour:
11.05.17 Münster – Gleis 22
12.05.17 Nürnberg – Desi
13.05.17 Berlin – Festsaal Kreuzberg
24.05.17 Hamburg – Molotow
25.05.17 Düsseldorf – Zakk
26.05.17 Wiesbaden – Schlachthof
27.05.17 Leipzig – Conne Island
21.07.17 Bonn – Bla
29.09.17 Hannover – Faust
30.09.17 Flensburg – Volxbad
01.10.17 Rostock – Peter Weiss Haus
02.10.17 Bremen – Tower
27.10.17 Weinheim – Café Central
28.10.17 Koblenz – Circus Maximus

About Ling

"Ich will das Lied nur noch zu Ende hören."