Über die Liebe zur Musik…

Beans On Toast
auf Deutschlandtour

Vor 1 Monat gepostet,von Ara

„Jay is our St George, and he’s standing on a wooden chair,
And he sings songs and he slays dragons, and he’s losing all his hair.“

 

Der Moment, in dem ich das erste Mal Frank Turners „I Knew Prufrock Before He Got Famous“ gehört habe, war gleichzeitig auch der, in dem ich das erste Mal unbewusst von Beans On Toast erfahren habe. Und irgendwie tauchte er in diesem Turner und XtraMile* Umfeld auch immer wieder auf: Mal als Support, mal als Gast auf DVDs. Und so kam es auch schließlich dazu, dass ich das erste Mal in seine Musik rein hörte. Was bei Beans aka Jay zu erst auffällt, ist seine markante, rauchige Stimme. Es folgt eine folkige musikalische Untermalung kleiner Kurzgeschichten über Gott und die Welt.

 

Beans On Toast macht das alltägliche zum Thema seiner Songs. Er singt über MDMA Konsum, darüber wie er eine Wochenende lang mal auf Kokain verzichtete, über Hähnchen und deren Überzüchtung, über seine Oma, über seine Touren in den Staaten und die sozialen Missstände – aber vor allem auch über die Liebe zu seiner Frau Lizzy Bee. Doch tatsächlich hatte ich ihn bis vergangene Woche noch kein einziges Mal live gesehen – und ihm trotzdem eine Deutschlandtour zusammen gebucht.

 

Bei seiner Berlin Show wurden sämtliche meiner Erwartungen übertroffen. Barfuß, in Carmourflage Shorts, Mütze inklusive Blümchen und Rauschebart – so entert er die Bühne und beginnt seinen Abend mit den Zeilen „I came here for one handed applause. And I stayed because on stage I feel like home.“. Immer wieder erzählt er kleinere Anekdoten zu seinen Liedern, erzählt Witze, wirft seine, auf Tour gelernten, Deutschkenntnisse ein („Läuft!“) und interagiert immer wieder mit seinem Publikum. Selten habe ich so viel während einem Konzert gelacht, wie bei einer Beans On Toast Show.

Sei es der Versuch während „The Chicken Song“ jedes „Chicken“ mit „Hähnchen“ zu ersetzen oder seine absolut brillante Reggae Version seines „Charlie“-Songs. Ich habe zwischenzeitig tatsächlich Tränen gelacht.

 

 

Drei Tage später ging es dann weiter nach Hannover – Jay hatte in der Zwischenzeit ausverkaufte Shows in Hamburg und Leipzig, sowie einen weiteren Gig in Quedlinburg gespielt. Auf dem Weg zum Fahrradcafe, in dem das nächste Konzert statt finden soll, erfahren wie die neusten Anekdoten seines Tourlebens. Fahrradcafe? Hä? Ja richtig, ein Fahrradladen, der Getränke verkauft und hin und wieder Konzerte veranstaltet – Hannover ist und bleibt Punk Rock City! Die Show im Fahrradcafe wird zu meiner Lieblings-Show von Beans On Toast. Jay stellt sich, wie zu seinen Anfangszeiten, barfuß auf einen Barhocker und spielt das Konzert so auf der kleinstmöglichen Bühne. Der Vorteil: Selbst die Leute ganz hinten im Raum können ihn sehen. Und das ist bei knapp 60-70 Anwesenden viel wert. Das Publikum ist für diese Größe überraschend ruhig, es wird selten bis gar nicht gequatscht. Stattdessen immer wieder mitgesungen.

 

Beans On Toast Konzerte zeichnen sich vor allem durch Spontanität aus – es gibt keine feste Setlist. Stattdessen spielt Jay, was ihm als erstes einfällt und fragt zwischendurch nach Songwünschen aus dem Publikum. Den meisten Wünschen ist er nicht abgeneigt, nur bei den Älteren muss er passen, da fallen ihm die Texte nicht mehr immer ein. Aber das ist auch kein Wunder, wenn man mittlerweile sieben Alben auf dem Markt hat, von dem das Debutalbum direkt 50 Songs beherbergt. Nach nun vier Beans On Toast Konzerten innerhalb einer Woche bin ich nicht einfach nur Booker, sondern Fan und Freudin geworden – wer Jay schon einmal getroffen hast, mag das vielleicht bestätigen. In diesem Business müsste es mehr Menschen geben, die so voller positiver Energie, Optimismus und Kreativität strotzen. Und umso glücklicher bin ich, dass seine erste Deutschlandtour durchweg so gut ankam. Und nun stellt euch das mal kurz aus der Künstlersicht vor – die erste richtige Deutschlandtour, man selbst hat keinerlei Erwartungen daran, dass überhaupt jemand kommt oder die eigenen Songs kennt und dann sind jeden Abend die Läden voll, es wird gesungen und getanzt. Kein Wunder, dass es Jay schwer fällt, nicht von Deutschland zu schwärmen.

Heute Abend spielt er seinen Tourabschluss im Münchner Kyeso – auch die Show wird wieder voll werden. Ich bin ein klein wenig wehmütig, nicht dort sein zu können. Aber ich kann jetzt schon versprechen, dass Beans On Toast schneller wieder in Deutschland unterwegs sein wird, als der ein oder andere vielleicht vermutet!

 

  *Xtra Mile ist das britische Record Label, auf dem u.a. Frank Turner, Skinny Lister, Will Varley, Against Me! und Beans On Toast vertreten sind.

 

Video aus Hamburg: Kevin Winiker
Videos aus Hannover: Arabell Walter
Beitragsfoto: Daniel Dittus
Lasst meinem Booking Projekt Suitcaselife Booking doch auch ein kurzes LIKE da!

About Ara

Ganz egal, ob die Welt jetzt untergeht - ich will mein Tape nur noch zu Ende hören...