Über die Liebe zur Musik…

Matze Rossi
wird 40 & feiert mit Tagtraum!

Vor 2 Monaten gepostet,von Yase

Mein lieber Freund und Kupferstecher Matze Rossi wurde am gestrigen Freitag stolze 40 Jahre alt und lud zum Geburtstagskonzert in den Schweinfurter Stattbahnhof ein, in dem er mit seiner neuen Band, mit den Bad Drugs und last but not least mit seiner ehemaligen Punkkapelle Tagtraum auftreten wollte. Letztere hatten sich auf eben jener Bühne vor nun mehr elf Jahren aufgelöst; meine Vorfreude war – als ich Mittags in Berlin in den Zug stieg – also entsprechend groß.

Doch Tagtraum blieb nicht der einzige Grund. Denn der Schweinfurter Stattbahnhof (den man tatsächlich mit doppel-T schreibt) ist für mich schon immer ein ganz besonderer Ort gewesen. Nicht nur, dass ich hier vor zehn Jahren das erste Konzert meines Lebens erlebte, – nein, auch Matzes dortige Konzerte an den Weihnachtsfeiertagen wurden über die letzten Jahren immer mehr zum Ritual. Und ganz generell, Matze wieder zu sehen. Der Typ, wegen dem dieser Blog nun einmal Lieblingstape heißt, der Mensch, der mich vor sieben Jahre das erste Mal in seinem Auto mit auf seinee Konzerte nahm (Was sich meine Mutter damals nur dachte!?) und mich mit seiner Musik und seinen Texten maßgeblich beeinflusste. Vorfreude war hier eigentlich untertrieben.

 

Also drängte man sich am gestrigen Abend von der schnuckeligen Kneipe in den ausverkauften „Statti“. Nachdem Yellowknife, der für den verhinderten Tigeryouth einspringen sollte, krankheitsbedingt und sehr spontan absagen musste, eröffnete Tim Kasher (Cursive, The Good Life) den Abend. Puh. Es gibt so viele Singer-Songwriter, gerade von der Sorte, die früher in lauten Bands gespielt haben,… die einen treffen deinen Geschmack, die anderen lassen dich kalt. Und Tim Kasher zog einfach an mir vorbei.

 

  

 

Eine Stunde später stand dann ein leicht angetüdelter Matze Rossi auf der Bühne. Wie immer mit schwarzen Jeans, weißem Shirt, Schiebermütze und verschmitztem Grinsen. Es ist der erste Auftritt mit seiner neuen Band, die bereits auf seiner letzten Platte „Ich Fange Feuer“ zu hören war. Matze entschuldigt sich kurz für seine Angetrunkenheit, hinter der Bühne hatte es bereits die ersten Geburtstagsschnäpse gegeben – man wird immerhin nur einmal 40! Nun stellt ihr euch sicherlich die Frage, wie die neue Band mit Keyboard, Schlagzeug und teils E-, teils Kontrabass live klingt. Die Antwort ist simpel: Es knallt – und zwar so richtig.

 

Auch wenn ich feststelle, dass ich die letzte Platte womöglich noch kein einziges Mal angehört habe – die ersten Stücke klingen so fremd, dass ich mich wundere, warum die Leute um mich herum sie alle mitsingen können. Ups, ich habe wohl Nachholbedarf, steige aber wieder begeistert ein, als die alten „Klassiker“ wie „Unverwundbar“ oder „Ich lass mir nichts mehr nehmen“ gespielt werden. Das Publikum tanzt, singt lautstark mit, feiert den lauteren, energischen Sound. Aber auch für ruhigere Songs wie „Ich Fange Feuer“ oder „Wunder“ wird sich Zeit genommen. Das muss zwischenzeitig auch einmal sein – während dem kurzen Umbau zum kommenden Bad Drugs Set, lässt Matze kurz verlauten, wie K.O. er schon sei. „Heul leise“, heißt die Antwort aus dem Publikum, die selbst Rossi laut lachen lässt – er hatte es ja nicht anders gewollt.

 

Das Set der Drugs ist kurz gehalten. Mit „My My My“, „I Quit My Job“ und „We Are (Not) Fucked“ folgen drei Kracher hintereinander – dann ist es auch schon wieder vorbei. Kurz und schmerzlos, doch nachdem Matze und Sven in allen drei Bands des Abends spielen, auch irgendwie verständlich. Die Stimmung im Publikum ist nun sichtlich aufgepeitscht. Jeder weiß, was als nächstes folgen wird. Matze greift noch einmal zur Teetasse, seine Hand zittert dabei wie Espenlaub. Die Kombination aus Alkohol, Anstrengung und Aufregung. Mir geht es ähnlich. In wenigen Minuten wird es ein vollständiges Tagtraum-Set geben. Das erste in dieser Form, seit ihrer Auflösung im Jahre 2006 auf genau dieser Bühne.

 

 

 Und dann ist es soweit, Tagtraum stehen in Form von Matze, Tobi und Sven (als Ersatz für Jörg, der aktuell mit Judith Holofernes auf Tour ist) auf der Bühne des Stattbahnhofs. Die Zeitreise beginnt bei den zuletzt geschriebenen Tagtraumliedern: Ich Bin, Hand Aufs Herz, So Ein Leben, Lieblingstape. Das Publikum befindet sich in absoluter Extase, Freundenschrei, Freudentränen, ungläubige Blicke, glückliche Gesichter, – jeder Song wird den drei Herrschaften auf der Bühne doppelt so laut entgegen geschmettert. Ich frage mich für einen Moment, ob ich träume, so schön ist das. „Balsam“ habe ich zwar oft schon in Matzes Solo-Versionen gehört, aber an diesem Abend mit Tagtraum klingt es gleich zehn Mal so gut. Das Gleiche gilt für das darauf folgende „Herr Rossi“, für das nun Sven den Bass an David abgibt und zu dem auch Barni auf die Bühne kommt. Nach „Um die Welt“ werden die wirkliche alten Kamellen ausgepackt. „Den nächsten Song haben wir 1993 geschrieben, ward ihr da schon geboren?“, kündigt Matze „2 Affen“ an. „Gerade so“, denke ich mir, grinse und eskaliere.

 

Keiner möchte, dass dieses Set je zu Ende geht, je länger die vier Tagträumer spielen, umso älter, rauer und schneller werden die Songs. Bei „Buntstiftsüchtig“ explodiert der Laden wie zu vergangenen Zeiten, die Zeilen „Ich bin fast ein Sarkast, der die ganze Menschheit hasst. Bunstiftsüchtig lieg ich richtig, auf dem Weg der farbig ist.“, scheinen weiterhin vielen Besuchern aus dem Herzen zu sprechen. „Den nächsten doppelt so schenll“, ruft David. „Auf gar keinen Fall!“, kommt es vom kollabierenden Schlagzeuger. Es folgen „Paläste“ und „Backe Auf Beton“. Sauerstoff! Mit den Worten: „Das ist der letzte Tagtraum-Song, den wir heute Abend spielen“, kündigt Matze schließlich „Ich Will Die Welt“ an. Die Stimmbänder schmerzen, die Laune macht einen Hüpfer. „Für heute Abend“ hat er gesagt – vielleicht besteht da noch Hoffnung – ich hätte noch eine Liste mit Songs, die ich gerne mal live hören wollen würde…
 

Matze hatte bereits früh am Abend angekündigt, dass es keine Zugaben geben wird, stattdessen noch einmal einen gemeinsamen Song mit seiner neuen Band, – es ist der Song, den Matze für seinen Freund Wauz geschrieben hat und der mir trotz der heißen Temperaturen Gänsehaut und Tränen beschert. Das Publikum singt die Zeilen „All for one and one for all. We are best friends, we are best friends“ lautstark macht, selbst als Matze und die Band die Bühne schon lange verlassen haben…

 

Da bleibt nicht mehr viel, außer Danke zu sagen. Danke für diese großartige Geburtstagsfeier, für die Chance, Tagtraum doch noch einmal live zu sehen, für die Widmung von „Ich. Idiot Auf meinem Hügel“, generell für all die Musik und die guten Menschen, die man durch sie kennen lernen durfte. Auf die nächsten 40 Jahre Matze!

 

Matze Rossi & Band live:
26.04.2017. – Regensburg, Alte Mälzerei
27.04.2017 – Köln, Blue Shell,
28.04.2017 – Berlin, Bi Nuu
29.04.2017 – Hamburg, Kleiner Donner

 

Text: Arabell Walter
Fotos & Videos: Yase Ikibas