Über die Liebe zur Musik…

George Watsky
@Bi Nuu, Berlin am 14. Oktober 2016

Vor 10 Monaten gepostet,von Ling

Die Kunst, Worte zu einem rhythmischen, schnellen Sprechgesang zu formen und das auch noch mit Poetry Slam zu verbinden – so kann man das Handwerk des Spoken Word Artists George Watsky beschreiben, dessen lyrische Ergüsse eine Offenbarung sind.

Der Musiker aus San Francisco bereist seit einigen Jahren die Bühnen dieser Welt. Große Bekanntheit erlangte er dank seines Talents, wahnsinnig schnell zu rappen. Im Video zu „Pale Kid Raps Fast“ (das originale Video ist inwischen auf ‚unlisted‘ gesetzt und in Deutschland dank GEMA gar nicht aufrufbar) krault er eine Katze, um zu zeigen, dass er an der originalen Geschwindigkeit nichts verändert hat. Und das hat gezogen – wunderlicherweise aber nicht auf Ebene der Plattenlabels, sodass er zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Alben selbst produziert und veröffentlicht hat. Inzwischen sieht das anders aus – das kürzlich erschienene Album x Infinity des Newschool Rappers hat u.a. Russell Simmons als Executive Producer unter seine Fittiche genommen.

This shit is fucking unbelievable. I swear you couldn’t write this stuff!

Viel hat sich geändert in den Jahren. Aber Watsky ist noch immer bescheiden und dankbar für seine Fans. Er schreibt Texte über den Umgang mit Suizid, white privilege, Drogen und Meditation. Er stellt sich gegen die Diskriminierung von Frauen und ruft dazu auf, die eigenen Träume zu verfolgen.

Nun kam Watsky zum wiederholten Male nach Berlin und kehrte im inzwischen vertrauten Bi Nuu ein. Eröffnet hat die Show der Hip Hop Künstler Jez Dior aus L.A.
Zunächst erhielt Chukwudi Hodge, der Schlagzeuger der Watsky Live Band Creme Fraiche, die Bühne für sich, um dem Publikum einzuheizen. Schließlich kam der Rest der Band heraus.

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Das Set bestand aus einer guten Mischung aus alten Hits wie „Seizure Boy“, „Wounded Healer“ und „Sloppy Seconds“, hat natürlich aber auch das neue Album mit Titeln wie „Pink Lemonade“ und „Talking To Myself“ präsentiert. Der Club war nur zur Hälfte gefüllt und trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb kochte die Stimmung. Man hat das Gefühl bekommen, dass jeder, der da ist, einhundert Prozent Bock auf diese phantastische Show hat. Von dieser Emotion hat sich der Künstler selbst auch mehrfach mitreißen lassen und ist immer wieder Stage gedived. Aber wer Watsky kennt, weiß, dass das auch sein Steckenpferd ist.

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Besonders schön: Sängerin Camila Recchio unterstützte Watsky mit ihrer Stimme und erhielt in der Mitte des Konzertes die Chance, eines ihrer eigenen Stücke zu performen. Dass Watsky Künstlern mit Freude eine Plattform bietet, ihre eigenen Sachen zu teilen, spricht für ihn. Bemerkenswert ist auch, dass obwohl Watsky ein weißer Mann ist, seine komplette Liveband aus People of Color besteht.

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Den großen Abschluss sollte „Tiny Glowing Screens Pt. 1, und 2 und 3″ bilden. Part 3 endet mit dem Albumtitel x Infinity in einem großen Konglomerat an Emotionen. Und Watsky steht mit erhobenen Händen auf der Bühne.
Natürlich rief die Menge nach einer Zugabe und mit „Woah Woah Woah“ wurde dem Wunsch gefolgt.

george-watsky_x-infinity-tour_seitlich

Die Musik des Clubs ging an und viel wuselten schon Richtung Garderobe bzw. Ausgang. Aber scheinbar hatten die meisten nach dem zugegeben kurzen Set noch keinen Bock zu gehen und so entstand ein mehrere Minuten anhaltender „Watsky!“-Ruf – dem schließlich nachgegeben wurde. „Energy“ bildete den phantastischen Abschluss eines pulsierenden, energiegeladenen Konzerts.

Bonus Fact: Es war nicht grundlos die einzige Show der Tour neben Amsterdam, bei der es zwei Zugaben regnete.

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About Ling

"Ich will das Lied nur noch zu Ende hören."