Über die Liebe zur Musik…

Moddi – Unsongs

Vor 10 Monaten gepostet,von Ling

Der norwegische Singer/Songwriter Pål Moddi Knutsen veröffentlicht am 16. September 2016 sein viertes Album. „Unsongs“ ist dem englischen Adjektiv „unsung“ für unbekannt und unbesungen entlehnt. Für das Konzeptalbum hat Moddi Lieder gesammelt, die verschiedene Seiten von Musikzensur zeigen. So finden sich auf dem Album Menschen, die wegen ihrer Musik getötet wurden. Manche Künstler sind noch immer im Gefängnis, weil sie exakt diese Worte geschrieben haben und ebenso gibt es Lieder, die lediglich nicht im Radio gespielt werden durften.
Die Lieder, die als verboten gehandelt werden, sind aber nur die Spitze des Eisberges. Moddi hat zwölf herausgesucht und zu seinen eigenen gemacht. Was die Songs auszeichnet ist ihre Wirkungskraft, da sie Themen behandeln, die Teil der öffentlichen Debatte sein sollten.

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Den Auftakt bildet „June Fourth 1989: From The Shattered Pieces of a Stone it begins”. Das Lied vermittelt zunächst Unruhe und ist damit ein gelungener Start in das Album. Schnell wird man von Moddis sanfter, klarer Stimme erfasst. Das Lied fühlt sich an wie ein Traum, aber sobald man auf die Worte hört, wird man zurück in die Realität gezogen.

Learning to kill is a matter of habit. The more you’ve done it, the better you’re at it […] Learning to kill is a natural thing

Mit „A Matter Of Habit“ schrieb Moddi einen kontroversen Text, erzählt aus der Sicht eines Soldaten. Auf melodischer Ebene vermitelt das Lied ein melancholisch-positives Empfinden, aber sobald man auf die Worte hört, fühlt man Trauer in sich aufsteigen. Die laute Bridge kulminiert in einem Ende, das den Hörer fast schon benommen zurücklässt. Absolute Empfehlung!
„Open Letter“ scheint ein fröhliches Lied zu sein, das trotz seiner kritischen Botschaft zum mitwippen einlädt. Erfährt man dann aber, dass der algerische Aktivist Lounès Matoub von maskierten Männern im Namen der Regierung ermordet wurde, weil er in diesem Lied zum gewaltsamen Aufstand gegen das algerische Regime aufrief, verliert es schnell an Leichtfüßigkeit. Der Kontrast zwischen schweren Worten und der fröhlichen Melodie, in der die Anklage „traitors, traitors, traitors“ daher rollt, ist besonders gelungen.
Moddi zeigt aber auch Seiten der Zensur, denen er selbst nicht unbedingt zustimmt. Bei „Parrot, Goat, Rooster“ handelt es sich um ein Narcocorrido, eine Drogenballade aus Mexiko, die einen Tribut an die Drogenschmuggler darstellt. Die Tiere stehen dabei als Metaphern für Marihuana, Kokain und Heroin.
Angefangen hat das Liedern sammeln übrigens, als Moddi 2014 ein Konzert in Tel Aviv absagte, da er kein Teil des Israel-Palästina-Konflikts sein wollte. Im Anschluss veröffentliche er sein Cover von Birgitte Grimstads Liedes „Eli Geva“, welches ihr bei einem Israel Besuch untersagt wurde zu spielen. Die Grundlage für das Album war geschaffen.
 
Schließlich erzählen die zwölf Lieder von „Unsongs“ Geschichten in einem bestimmten Kontext, die absolut hörenswert sind. Die Kunstform Musik wird durch sie kontrovers und Moddi verleiht diesen Liedern seine wunderbare Stimme. Gepaart mit der Art, wie er sie umgeformt hat, schafft er es, tiefe Emotionen loszutreten. Dies ist eines der Alben, das man als wichtig betiteln und das keiner Kollektion fehlen sollte.
 

Übrigens gibt zum Release des Albums auf www.unsongs.com eine Videodokumentation. Wo es möglich war, wurden die Musiker besucht und gefilmt, um über ihre Musik zu sprechen, warum sie diese Lieder schrieben und was die Konsequenzen waren. So kann man die Menschen kennenlernen und nicht nur Moddis Versionen, sondern auch die Originale hören.
 
http://www.moddi.no
http://www.unsongs.com

About Ling

"Ich will das Lied nur noch zu Ende hören."