Über die Liebe zur Musik…

APOLOGIES, I
HAVE NONE – „PHARMACIE“

Vor 6 Monaten gepostet,von Eileen

Apologies_I_Have_None_-_Pharmacie_2000pxFrage: Was macht man eigentlich, wenn man an einem Punkt in seinem Leben angelangt ist, an dem die Depression die Oberhand gewinnt, an dem die völlige Stagnation einen Beherrscht und an dem man schlicht und ergreifend einfach nicht mehr kann und vielleicht auch nicht mehr will?

 

Man macht das einzig Richtige, so wie Apologies, I Have None! Die nahmen eine Platte über genau jenes Gefühl auf, welche gerade zu vor gnadenloser Ehrlichkeit strotzt. Musikalisch setzten Apologies, I Have None auf altbewährten Punkrock mit Hardcore Einflüssen, sowie eingestreute epochale Elemente à la Explosions In The Sky. „Pharmacie“ ist eine Art Konzeptalbum, in jedem einzelnen der zehn Songs schlängelt sich dieses eine fiese und doch so wichtige Thema durch.

 

Der Opener „Love & Medication“, welcher vorab als Single fungierte, ist so ziemlich all das, wofür „Pharmacie“ textlich und musikalisch steht. Ein Klavier-Akkord ertönt, er wirkt fröhlich und hell, geradezu als würde das Hören dieser Platte leicht werden. Das wird es bei Weitem nicht! Textzeilen, wie “Over and over and over again I have the same conversation in my head, why the fuck am I like this?“ bestätigen dieses schwere Gefühl. „Wraith“, der zweite Song der Platte, wirkt düster und verdammt wütend.

„Every single morning I fight trough the same fog of painkillers and sleeping pills. What the fuck did I wake up for?“

„The Clarity of Morning“ und „Anything Chemical“ sind solche Songs auf „Pharmacie“,welche sich erst langsam und stetig aufbauen um dann in der letzten Minute aufzugehen, um einem beim Hören ein beklemmendes Gefühl zu geben. „“When I said I didn’t love you what I meant was I hate myself.“ In Goodbye, Peace of Mind“ wird an die Jugend zurück gedacht. Man könnte beinahe meinen die Textzeile: “It’s Kind of fucked up, spend most of our lives getting fucked up.“ sei „lässig oder cool“ gemeint. In diesem ganzen Kontext wirkt sie schlicht traurig. „Crooked Teeth“ sticht heraus, weil es die einzige Ballade auf „Pharmacie“ ist. Dieses Stück ist bei Weitem nicht fehl am Platz. Ruhe, Langsamkeit und Schlaf sind manchmal unweigerlich, besonders in musikalischer Hinsicht: „From the never ending dull weakness that comes from a deep need for sleep.“

 

Bei den Stücken „Everybody wants to talk about mental health“, sowie „It’s never the words you say“ wird endgültig gesagt was Sache ist!

„Now everybody wants to talk about mental health, like everybody thinks by talking they can work their problems out.“

Die stetige Fahrt bergab, in der man beim Hören dieses Albums unweigerlich als Beifahrer fungiert gelangt an ihren Höhepunkt. Die letzten zwei Songs „Killers“ und „A Pharmacy in Paris“ erstrecken sich zusammen auf großartige und epochale 15 Minuten. Bei den langen Instrumentalparts vergisst man fast die Dunkelheit. Doch dann setzt Josh Mckenzie’s Gesang wieder ein: “No parents and no friends or lovers, or doctors seem to ever have an answer. It comes without a warning I go down without a fight.“ Zurückgelassen wird man mit der Frage: “Is it ever enought?“ Darauf habe ich leider keine Antwort.

 

Apologies, I Have None haben es geschafft ein Album über Depressionen zu machen, welches nicht kitschig, jämmerlich, peinlich oder pathetisch ist. „Pharmacie“ ist für mich bis dato die beste Platte des Jahres. Sie ist ehrlich, herzzerreißend, todtraurig, aber vor allem ist sie laut und wütend und das ist verdammt nochmal gut und absolut richtig so!

 

Jannik Bauer

About Eileen

"Eigentlich wollte ich ja nicht mehr über Musik reden... "