Über die Liebe zur Musik…

„Früher hätte ich gerne die Welt verändert und
heute habe ich mich damit arrangiert, dass sie scheiße ist manchmal“. – Captain Planet – Memory

Written by Eileen, 1 Jahr ago, 0 Comments
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  • „Früher hätte ich gerne die Welt verändert und heute habe ich mich damit arrangiert, dass sie scheiße ist manchmal“. – Captain Planet – Memory

Wir treffen Captain Planet am 14. Mai in Bielefeld, wo sie sich spontan unter das Lineup der „Coffebreath and Heartache“ Asbschiedssause mischten. Wieder mal hatten wir eine pfiffige Interviewidee und setzten uns mit der gesamten Band bei Kuchen und Bier an einen Tisch und spielten Memory. Nur zur Verständnis: Die Memory Karten bastelten wir selber und veredelten diese mit besonders süßen/witzigen/seltsamen Bandfotos aus unserem Privatarchiv. So freuten sich die Kapelle bei jeden Versuch ein Kartenpaar aufzudecken. Unter einem Bild stand gleichzeitig die Frage, die derjenige, der ein Pärchen fand, direkt beantworten musste. Und so nahm das Spiel seinen Lauf…

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Benni: Müssen wir jetzt Sching-Schang-Schong spielen darum wer anfängt?

 

Sebastian und Benni gestikulieren wild mit jeweils einer Hand, Sebastian gewinnt und fängt an die Kärtchen umzudrehen.

Benni hat als erster ein gleiches Paar und liest die Frage vor.

 

LT: Ein Ende wurde ziemlich gut vom Fuilleton und der Musik-Presse aufgenommen. Nimmt man sowas als Band überhaupt wahr und interessiert einen das?

 

Benni: Ja, weil man will natürlich, dass man sich ganz doll auf die Schulter klopfen kann für das was man macht. Dafür ist es gut, wenn man Rückmeldungen kriegt. Tatsächlich ist das ja bei mir so ein bisschen so, dass ich oft ganz doll Angst hab, denn man schrammelt so im Proberaum rum und dann gibt man das irgendjemanden. Das ist wie nackt auf die Straße gehen und dann kriegt man komische Blicke ab. Aber im Endeffekt interessiert mich das, ja. Und wir sind so ein bisschen beseelt damit, dass wir relativ gut immer wegkommen. Ich weiß auch nicht woran das liegt. Mir würden genügend Sachen einfallen, womit man uns so richtig in die Scheiße hauen kann. Geil ich hab gewonnen, oder?

Basti: Dann sind wir ja fertig quasi (Gelächter).

 

LT: Wer von euch greift als erstes zur Flasche?

 

Benni: Meinst du morgens oder abends? Ich finde wir trinken eigentlich gar nicht so viel. Na gut Beier. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Spannender wäre wahrscheinlich wer trinkt das letzte Bier.

 

LT: Was würdest du machen, wenn du morgens als Lena Meyer-Landrut aufwachst?

 

Basti: Dann würde ich ja nicht mehr so aussehen wie auf diesem Foto, das wäre natürlich gut und dann würde ich mir wahrscheinlich erstmal eine andere Band suchen.

 

 

LT: „Dieses Haus wird eine Hütte, doch wir passen alle rein“ – Spielt ihr lieber wie heute die kleinen AJZs oder würdet ihr auch gerne mal so Turbostaat-mäßig durch die Decke gehen und auf einmal in der Markthalle vor 1500 Leuten spielen?

 

Arne: Hätte ich schon Bock drauf. Vor vielen Leuten spielen ist ja auch schön. Aber sowas wie heute ist glaube ich das wo wir herkommen und immer wieder hin zurückkommen, weil es irgendwie am geilsten ist tatsächlich. Obwohl ich auch nicht abgeneigt wäre mal vor vielen Leuten zu spielen, ist ja auch schon passiert. Nicht so Turbostaat-mäßig in der Markthalle, aber wir hatten auch schon ausverkaufte Shows und das war immer was Besonderes.

Renke: Die Antwort ist richtig.

Benni: Tatsächlich ist das bei uns ja total cool, dass wir das alles machen können, also dass es die Möglichkeit überhaupt gibt diese Mischung zu haben aus kleinen und größeren Läden und dass das alles funktioniert. Ist ja schon eine total dankbare Sache.

 

LT: Welche Musik bringt dich zum Weinen?

 

Arne: Sag’s nicht (Gelächter)

Benni: Ich wette es hat was mit Phil Collins zu tun.

Sebastian: Da muss ich ja lächeln. Weiß ich nicht, vielleicht gibts was geileres… Ah ja, der Soundrack von dem Film „Stadt der Engel“. Eigentlich kein Film, aber das zählt auch.

 

LT: „Du hast Augen wohin ich gehe, hörst alles was ich denke, wenn der Boden zwischen unseren Häusern flüstert weißt du wo ich bin.“ – Was ist dein liebster Platz in Hamburg?

 

Arne: Ich glaube der Elbstrand, das ist mein Lieblingsplatz

Benni: Da wo der Camping-Platz ist da hinten?

Arne: Da an der Elbe. Da ist so ein Baum und spendet Schatten. Das ist mein Lieblingsplatz.

Benni: Heißt das nicht Falkensteiner Ufer oder so?

Basti: Das ganze Ding, was so oberhalb der Elbe lang geht. Ab Fischmarkt, Altonaer Balkon. Da gibt’s total viele schöne Orte, die sich alle sehr ähnlich sind zwar.

Benni: Ich finde ja tatsächlich auch das Heiligengeistfeld, wenn es ungefähr sieben oder so ist und die letzte Sonne so untergeht. Dieser riesige Platz, der total scheiße aussieht in dieser Stadt, die total bebaut ist und das finde ich halt gut, da gehe ich dann gerne rüber.

Basti: Dann aber ohne Dom?

Benni: Ohne Dom, ohne Dom! Kein Sommerdom.

 

LT: Welches ist dein liebstes Zeitstrafe-Album?

 

Sebastian: Natürlich die umsonst zum Downloaden (Gelächter). Dadurch habe ich viele Musik kennengelernt, die ich vorher nicht kennengelernt habe.

Benni: Du meinst die „My First Candy Cigarette“?

Sebastian: Genau. Die würde ich jetzt so nehmen.

Benni: Das ist eine gute Wahl, weil sonst ist das echt eine schwere Frage, weil Zeitstrafe…

Arne (unterbricht): Eine sehr geile Platte die vielleicht viele gar nicht kennen, ist die Attack in Black, die habe ich heute im Radio gehört. Da habe Renke direkt eine SMS geschrieben.

Basti: Wo hast du die im Radio gehört?

Arne: Bei Deutschland-Radio, da war heute Thema Vogelkunde. War mehr so eine Talkshow mit dem Thema Vogelkunde, weil Morgen ist der Tag der Vögel und der deutsche Vogelkundler-Verein ruft alle Deutschen auf in einer gewissen Stunde die Vögel im Garten auszumachen und zu zählen und das Ergebnis zu schicken. Und da haben die Morning Bird gespielt.

Benni: Aber natürlich sind alle Releases von Zeitstrafe weltklasse.

 

LT: „Und noch jetzt fast genau zehn Jahre später ist uns nicht völlig klar wer der Täter war“ – Wasser kommt Wasser geht wird nächstes Jahr schon 10 Jahr alt. Habt ihr das Gefühl, dass die Lieder immer noch ein Teil eures Lebens sind, oder seht ihr es wie andere Künstler, die mit alten Songs irgendwann abschließen?

 

Marco: Nö. Warum abschließen? Das ist ja sowieso so ne offene Sache, die Texte sind ja zur Interpretation freigegeben. Ich schließe damit nicht ab.

Benni: Es gibt dann so Bands, die machen dann ein neues Album und spielen kein einziges altes Lied mehr. Ich habe zum Beispiel La Dispute gesehen irgendwann und hab gedacht ‚Die müssen sowas wie wenigstens so drei Songs von den alten Sachen‘, aber die haben einen einzigen gespielt und den als erstes und das war’s dann.  Ich finde das fühlt sich als Publikum auch blöd an.

Arne: Wir sind mal zu einer Randy-Show gegangen. Kennt ihr Randy? So eine skandinavische Melodycore-Band, die haben so drei wahnsinnig geile Melodycore-Alben und danach so ein Rock-Album. Sind wir zu diesem Konzert gegangen und die haben keinen einzigen alten Song gespielt. Das war so verkackt.

Basti: War das denn so gemeint?

LT: Ja und ob man die Texte noch so nachfühlen kann?

Basti: Ob man die nicht mehr nachfühlen kann? Das glaube ich nicht. Ich kann mich immer noch gut in die Situation rein versetzen, dass man auch vor 10 Jahren irgendwie schon Lieder mitgesungen hat… Man verbindet damit ja auch so Ereignisse.

Benni: Vielleicht verändert sich auch das Gefühl dazu. Ich glaube schon dass es Songs gibt, die sind vielleicht mal irgendwie anders doll gewesen und im Nachhinein verändert sich das, was man da hört.

 

 

LT: „Wenn du’s schon nicht schaffst was zu ändern, sei doch glücklich mit dem was du hast“ – Was hättest du früher gerne geändert, womit du dich heute arrangiert hast?

 

Benni: Da muss ich kurz nachdenken.

Basti: Vielleicht den Musikgeschmack deiner Band-Kollegen? (alle lachen)

Benni: Oder die Spiel-Fertigkeit… Ich glaube ja son bisschen, dass man, ich glaube das habe ich schon mal gesagt, wenn man älter wird, dann schränken sich ja die Optionen ein, die man hat, so bestimmte Sachen.

LT: Du kannst kein Skateboard-Profi mehr werden.

Benni: Genau. Tatsächlich gibt es da vieles. Ich glaube früher hätte ich gerne die Welt verändert und heute habe ich mich damit arrangiert, dass sie scheiße ist manchmal. Das reicht.

Ich glaub ich gewinne.

 

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LT: „Du hast noch diese Hand voll Stunden bevor du gehst. Da gibt es noch diese eine Sache bevor du gehst“ – Welche Sache wäre das bei euch?

 

Sebastian: Ich glaube es gibt weniger eine riesengroße Sache, wo man jetzt sagt ‚Wenn ich sterbe, bevor ich das gemacht habe, bin ich echt sauer‘. Es gibt halt viele kleine Geschichten. Gerade würde ich zum Beispiel furchtbar gerne ein Handy-Game schreiben, bin ich gerade bei, das ist mein momentanes Ziel. Das ist das nächste was ich machen möchte, bevor ich sterbe, damit fertig werden.

Arne: Das ist ja ein realistisches Ziel.

 

 

LT: „Vertrocknet, geknickt, verdurstet, überfahren, vergessen und erfroren. Wir alle sind gescheitert“ – Wo seid ihr als Band am schlimmsten gescheitert?

 

Arne: Das ist ganz klar. Das war Wien im Movimento.

Marco: Warum das war doch geil? Die drei Leute, die da waren fanden’s doch gut.

Benni: Aber haben wir da nicht U-Boot getrunken?

Arne: Wo sind wir denn am Schlimmsten gescheitert? Gute Frage. Heute hat Marco auf halbem Weg bemerkt, dass er seinen Bass vergessen hat. Das ist schon mal schlimm. Das ist schon nah dran an den Schlimmsten am Scheitern, was wir so erlebt haben zum Glück.

Marco: Mir fällt da so eine Tank-Situation ein, in der sich Herr von Twistern irgendwie mit Diesel…

Arne: Da bin ja ich gescheitert.

Benni: Und ich erinnere mich an den Proberaum, der offen gestanden hat über Nacht, bis der Vermieter Bescheid gesagt hat, dass wir den doch mal abschließen sollen.

Arne: Das sind alles Sachen… Als Band gescheitert sind wir ja noch nicht, uns gibt’s ja noch.

Marco: Wir sind noch nicht bei Halli Galli aus dem Schrank gekommen.

Benni: Siehste. Da kann noch was kommen an Scheitern.

 

 

LT: „Ja all die kleinen Dinge sind so groß, wenn man Haufen daraus macht“. – Wirft der Charterfolg richtig Kohle ab?

 

Renke: Das sind aber brandaktuelle Fragen hier.

Basti: Das hoffen wir natürlich alle. Bisher ist wenig passiert. Ich habe glaube ich nicht einen einzigen Cent in meiner Hose.

Marco: Das wird an unserem Knebelvertrag scheitern.

Benni: Früher haben wir so gemacht. Jetzt machen wir nur noch so. (Gesten)

Renke: Das kann man richtig gut im Interview dann nachlesen.

Benni: Man muss sich das auch denken manchmal.

Renke: „Benjamin Sturm macht Geld-Geste.“

Benni: Wie ist das denn, wenn man hört, dass so ne spackige Kapelle wie wir in den Charts ist? Denkt man dann „Oah, was für Idioten“ oder „Och schön, ist ja süß“ oder „Ist auch egal, die machen ja immer noch den gleichen Quatsch.“

LT: Wir waren schon alle sehr überrascht, aber gönnen es euch natürlich auch.

Benni: Ja, aber man hat ja nichts davon. Doch, man hat was davon.

LT: Was denn?

Benni: Man kann seine Mama anrufen. Ich habe meine Mama angerufen und gesagt: „Mama, kennst du noch Ronnys Pop Show oder die Hitparade? Genau da hätten wir dann auch sein können.“ Hat sie sich gefreut, sie war ein bisschen gerührt.

LT: Dafür hat es sich doch schon gelohnt.

Benni: Ich finde auch. Alleine dafür schon.

 

 

LT: Wenn du irgendwas ein Ende setzen müsstest, was wäre das?

 

Sebastian: Ist ja fies, dass da müsstest und nicht könntest steht.

Benni: Du kriegst auch die härtesten Fragen, Baddi.

 

Sebastian: Also ich denke was wichtig wäre zu beenden, wären alle Morning Shows im Radio. Da würde ich für einstehen.

 

 

LT: „Wir brauchen mehr Zeit, viel mehr Zeit“ – Wofür hättest du gerne mehr Zeit?

 

Benni: Ich hätte gerne mehr Zeit zum Musikmachen, weil tatsächlich habe ich das Gefühl, also ich finde wir machen das schon immer ganz gut, aber manchmal habe ich das Gefühl ich könnte dann noch mehr rausholen für mich. Zum Beispiel Lieder schreiben funktioniert dann gut, wenn man sich intensiv damit beschäftigt. Wenn man oft dazu gezwungen ist das nebenher zu machen, dann habe ich manchmal das Gefühl, dass man noch nicht da angekommen ist, wo man eigentlich hin will und dafür hätte ich gerne mehr Zeit.

Basti: Das fände ich auch geil. Dann wäre man auch irgendwann mal gut.

Benni: Man wäre richtig gut. Vielleicht muss man das mal machen.

Arne: Ich glaube, wenn man wirklich mehr Zeit hätte, dann würde man anfangen zu frickeln. Dann kommen da so experimentelle Alben raus. Das ist gefährlich.

Basti: Dann spielt jemand Keyboard auf einmal.

Arne: Wir können mal checken, ob jemand so eine Fußorgel dabei hat.

 

Basti (zieht das nächste Pärchen): Jetzt habe ich Renke hier, wie er chillaxt.

 

LT: Welcher ist dein Lieblingssong der Platte?

 

Basti: Mein Lieblingssong ist schwierig. Ich geh mal kurz durch.

Benni: Wie heißen die denn nochmal?

Basti: Es gibt auch so welche, die haben wir jetzt echt seitdem nicht mehr gespielt. Ein Liebingssong für die Band muss ja auch einer sein, der am meisten Bock macht zu spielen. Und der ist… Von der neuen Platte oder? Ich persönlich bin ja auch eher so ein midtempo Rocker.

Renke: (lacht) Er redet sich um Kopf und Kragen!

Basti: Fenster im Fenster ist glaube ich mein Lieblingssong. Weil der hat das perfekte Tempo, womit ich arbeiten kann. (Gelächter)

 

Benni und Sebastian gewinnen mit jeweils vier Paaren. Herzlichen Glückwunsch und danke für’s Mitmachen.

 

Captain Planet unterwegs:

08.07. Meppen – Jam
09.07. Theley – Volcano Festival
23.07. Cuxhaven – Deichbrand Festival
27.08. Haltern am See – Small Town Heart Festival
03.09. Hamburg – Molotow
16.09. Hannover – Bei Chez Heinz
17.09. Berlin – Bi Nuu
30.09. Oldenburg – Amadeus
01.10. Rostock – Peter-Weiss-Haus
24.10. Münster – Gleis 22
25.10. Wiesbaden – Schlachthof
26.10. Stuttgart – Zwölfzehn
27.10. München – Orangehouse
28.10. Nürnberg – Desi
29.10. Göttingen – T-Keller (kein VVK!)
11.11. Kassel – Schlachthof
12.11. Köln – Gebäude 9
09.12. Braunschweig – B58
10.12. Dortmund – FZW

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