Über die Liebe zur Musik…

Sauna war gestern:
Skinny Lister im Molotow

Vor 10 Monaten gepostet,von Ara

Gerade einmal vier Monate ist es her, dass die Shanty-Punk Combo Skinny Lister zuletzt in Hamburg gastierte – damals noch zwei Abende hintereinander als Support für Frank Turner im Docks. Im Rahmen ihrer ersten Headline Tour in Deutschland gaben die Briten rund um Frontfrau Lorna Thomas nun am 29. Mai 2016 ihr Stelldichein im Molotow.

 

Trotz gefühlter 50 Grad und innerhalb kürzester Zeit beschlagener Scheiben ließen es sich weder Band noch Publikum nehmen, im ausverkauften Szeneclub eine ausgelassene Punkparty bis an den Rand der Erschöpfung zu starten.

 

Langsames Warmwerden mit North Alone
Eröffnet wurde der Abend durch den Osnabrücker Manuel Sieg, der unter dem Namen North Alone in Begleitung seines Kompagnons an der Fiedel Songs à la Chuck Ragan zum Besten gab. Das dieser eine der großen Inspirationsquellen North Alones zu sein scheint, ließ sich nicht nur an den Texten ablesen, deren großer Spannungsbogen die Freiheit des losgelösten Lebens on the road besingt, sondern nicht zuletzt auch an seinem aktuellen Album „Cure & Disease“, welches bereits durch die Covergestaltung eine nicht übersehbare Hommage an den sympathischen Amerikaner mit der markanten Reibeisenstimme darstellt. Obwohl das Molotov bereits gut gefüllt war und viele Zuschauer gelassen dem Treiben auf der Bühne lauschten, wollte noch nicht so richtig die Stimmung aufkommen, die im Laufe des Abends schlagartig von einem gemütlichen Konzertabend zu einem ausgelassenen Spektakel umschwenken sollte.

Skinny Lister

 

Raise a Wreck! Skinny Lister entern das Deck
Mit diesem eingängigen Opener ihres aktuellen Albums „Down on Deptford Broadway“ machten Skinny Lister bereits in den ersten drei Minuten auf der Bühne klar, wo die Reise hingehen sollte: Destination Eskalation. Dass sich das ohnehin hochmotivierte Publikum dies kaum zweimal sagen ließ, überraschte wohl kaum jemanden. Textsicher und mit voller Inbrunst schmetterte das Publikum den Briten Zeile um Zeile entgegen, denen ihr Spaß auf der Bühne und die Begeisterung in Hamburg zu sein, trotz den immer weiter steigenden Temperaturen im Club sichtlich abzulesen war. Irgendwo zwischen Shanty, Folk und Punk war für jeden etwas dabei, und die intensive Interaktion mit dem Publikum ließ die Stimmung mit jedem weiteren Song nur noch mehr durch die Decke gehen. Neben älteren Stücken wie „Trouble on Oxford Street“, „George’s Glass“ oder auch der romantischen Ballade „What Can I Say“ gaben Skinny Lister mit „Wanted“ und „Mariachi“ (so die Arbeitstitel auf der Setlist) jedoch auch Einblicke in das gerade fertig aufgenommenes Album preis, das im September bei Xtra Mile Records erscheinen soll.

Skinny Lister

 

Nass, nasser, Skinny Lister
Der Kurs war also gesetzt. Schweiß tropfte bereits von der Decke, als sich schließlich die lang erwarteten Highlights eines jeden Skinny Lister Konzerts ankündigten: Zum einen der ins Publikum gegebene berühmt-berüchtigte Rumkrug, dessen Erhalt seitens des immer mehr nach Flüssigkeit lechzenden Publikums dankbar entgegen genommen wurde, zum anderen die tollkühne Crowdsurfing Einlage des Bassisten Michael Camino, der es sich nicht nehmen lassen konnte, sich trotz Beinahe-Kollision mit Deckenbeleuchtung und Diskokugel inklusive Kontrabass einmal quer durch den Club tragen zu lassen. Diese Einlagen ließen die Stimmung im Publikum nur noch höher kochen, indem man sich mittlerweile nassen T-Shirts zum Trotz in den Armen lag und wild miteinander das Deck des Molotovs zum beben brachte. Dass ausgerechnet Hamburg schon immer für das britische Sextett einen ganz besonderen Stellenwert hatte, bewiesen sie schließlich mit der mitreißenden Punknummer „Hamburg Drunk“, die die Stimmung schließlich zum Überkochen brachte und erahnen ließ, wie die Abend wohl nach Ende dieses knapp 90minütigen Saunaganges weitergehen könnte. Zuvor jedoch kletterten Sängerin Lorna und Bassist Michael erneut unerwartet von der Bühne und feierten inmitten des Publikums einfach weiter, umringt von den mittlerweile ausgepowerten aber noch immer tanzwütigen Zuschauern, die diese Aktion erneut euphorisch feierten. Nach der ersten Zugabe war dann auch Schluß – erst einmal.
Denn bevor Skinny Lister endlich von Bord gehen durften, wurden sie mit minutenlangen Gesängen erneut auf die Bühne gerufen um mit zwei letzten Songs einem rundherum perfekten Abend in Hamburg einen würdigen Abschluss zu geben. Vorerst zumindest, da Hamburg sicherlich auch im Rahmen der geplanten Albumtour zu Beginn nächsten Jahres wieder im Terminkalender stehen wird.
Wer die wahrscheinlich heißeste Show der Tour zwar verpasst, aber jetzt trotzdem Lust hat Skinny Lister diesen Sommer noch einmal live zu erleben, dem seien die weiteren Tourtermine ans Herz gelegt.
31.05. München – Kranhalle01
01.06. Berlin – Cassiopeia
02.06. Dresden – Beatpool
03.06. Wien – U4
04.06. Wien – Rock in Vienna

 

 

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Text: Steffi Pitzke
Fotos: Kevin Winniker
Kevins Bericht findet ihr hier….

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Ganz egal, ob die Welt jetzt untergeht - ich will mein Tape nur noch zu Ende hören...