Über die Liebe zur Musik…

Findus @Uebel&Gefährlich,
Hamburg am 20. Mai 2016

Vor 10 Monaten gepostet,von Ling

Als Findus am 1. März via Facebook bekannt gaben, dass sie sich auflösen werden, ist für viele eine kleine Konzertwelt zusammen gebrochen. Das ist leicht nachvollziehbar, denn immerhin hat sich die norddeutsche Punkband elf Jahre lang durch sämtliche Clubs und Herzen der Republik gespielt. Das mit dem Abschied verbundene Konzert war ruckzuck ausverkauft und wurde dann vom Hamburger Knust ins Übel & Gefährlich hochverlegt, wie man so sagt.
 
Schon eine Woche vor dem Konzert schienen die Social Media affinen Findusse überall zu sein: Täglich kam eine regelrechte Bilderflut, wodurch man den Jungs anmerkte, dass nicht nur der Abschied der Band mit schnellem Schritte nahte, sondern dass sie auch einer Ära Lebewohl sagen würden. Wie man es von Findus auch kannte lautete das Motto des Abends natürlich: „Jetzt drehen wir durch.“

Findus05 spielen

Die Post-Punker Zoi!s aus Schleswig haben den Abend eröffnet. Nachdem sie kürzlich erneut als Vorband von Turbostaat geladen waren, haben sie mit diesem Abend einen weiteren Treffer ins Schwarze gelandet und schafften es abermals einen ausverkauften Saal zu bespielen.

Findus02 Zois

Recht sicher und standfest betraten schließlich Findus die Bühne. Für einen letzten Abend war das rund 80 minütige Set vielleicht etwas kurz, aber dafür wurden scheinbar alle Lieblingslieder von Band und Fans gespielt. Dass Text nichts ohne seinen Kontext ist (John Green) zeigte dieser Abend deutlich. Das Publikum schien jede Textzeile, die auch nur ansatzweise etwas mit den Themen Ende und ungewisser Zukunft zu tun zu haben scheint, auf den Abschied von Findus als Liveband umzumünzen. Passagen wie „Hier, für immer und jetzt!“ oder „Wir bleiben hier, wir bleiben hier.“ wurden übertrieben laut mitgegröhlt.
 
Sänger Lüam hat dabei natürlich darauf geachtet, mit seinen Ansagen immer noch einmal in die Wunden reinzubohren: „Wir spielen ein Lied, das haben wir lange nicht gespielt – und wir werden es auch nicht wieder spielen“, kündigte er erbarmungslos „Geld frisst Stadt“ an. Aber vielleicht war das auch einfach seine Art mit der Situation umzugehen. Sich bewusst von seiner größten Leidenschaft zu verabschieden, ist bestimmt kein einfaches Los. Und sicherlich werden die Jungs schon etwas in der Hinterhand haben, wie sich der weitere Weg für den einen oder anderen gestaltet, aber „er weiß nicht wohin die Reise geht“. So ließ er es sich auch nicht nehmen, Ansagen zu machen ala: „Wir sind NOCH die Gruppe Findus.“ Gegipfelt hat das in einem Stagedive, den Lüam über die Absperrung hinweg hingelegt hat. Ein letztes Mal hat sich Findus vom Publikum tragen lassen.
 

„Gehen wir aufeinander zu […] oder lassen wir uns los, mit einem Herz, das nicht mehr schlägt?“

 
Schön war vor allem Lüams Ansage, um den Ex-Gitarristen Moritz für zwei Lieder auf die Bühne zu holen, der die Band vor drei Jahren verlassen hat. Offensichtlich sind alle noch immer Freunde geblieben, sonst würde Moritz sicher nicht noch einmal mit Findus spielen. Und das gibt auch Hoffnung. Wer weiß, was da noch kommt. Und sind wir ehrlich, das wissen die Jungs sicher auch nicht so genau. Unsere Augen werden sehen.

Findus03 Moritz JA

About Ling

"Ich will das Lied nur noch zu Ende hören."