Über die Liebe zur Musik…

Marathonmann –
Mein Leben gehört dir

Vor 12 Monaten gepostet,von Eileen

tumblr_o4fk5bEWv71rq9bdho1_500Marathonmann haben in den letzten 5 Jahren recht erfolgreich ihre eigene Nische irgendwo im deutschsprachigen Posthardcore gefunden. Nachdem es Ende letzten Jahres eine Akustik­-Tour gab,  sind sie demnächst wieder voll und laut dabei. Mit ‚Mein Leben gehört dir‚ wurde am 25.03 das dritte Album der Münchner veröffentlicht. Hier ein Überblick über die Scheibe.

 

„Und immer diese Angst vor Veränderung“ Überrumpelt? Verwirrt? Verunsichert? Betroffen? So fühlte ich mich nach dem ersten Durchlauf der Platte. „Mein Leben gehört dir“ macht es einem mit seinen 12 Songs recht schwierig sich reinzuhören. Insgesamt geht es eine Spur sanfter zur Sache als man es noch von den Vorgängern kennt. Unverkennbar Marathonmann, und doch anders. Fremd und doch vertraut. Generell ist das Album voller Gegensätze. Inhaltlich wie musikalisch packt es einen an der einen Stelle total und lässt einen manchmal ein par Zeilen später bereits wieder im freien Fall los. Was bedeutet es ein Mensch zu sein? Mit dieser Fragen eröffnen Marathonmann in dem düsteren Intro ‚Stand der Dinge‘ die Platte. Es wird von Schlössern erzählt, von Mauern und deren Zerfall. „Sie fingen an zu zerbröckeln“, „und wir ließen es zu“ „wir gaben auf“. Zerfall und Verlust ­ aber auch das Weitermachen, das Neuanfangen ­ die zentralen Themen der Platte.

Nach dem gelungenen Einstieg geht es weiter mit ‚Das Leben der anderen‘, einem Song der energisch und kraftvoll von Anfang an überzeugt. „Du liegst in Eiseskälte, deine Kehle brennt wie Feuer“, „nur der Schmerz zeigt dass du lebst“, wie gewohnt intensiv und emotional ­ eher zuviel als zu wenig ­ reißt mich der Song mit. Auch der Refrain, schnell kraftvoll, typisch Marathonmann. „Wird die Welt sich weiterdrehen wenn du deine Augen schließt“, nicht aufgeben, weitermachen, dem Verfall die Strin bieten. Die zweite Hälfte des Songs kommt bei mir nicht so gut an. Erinnert mich jedes mal stark an Radio Havanna, eine Assoziation die ich an mehreren Stellen habe. Auch bei ‚Blick in die Zukunft‘ fehlt die Energie in den Strophen. Dabei geht es zunächst nicht in die Zukunft, sondern mit den „Lieder[n] alter Tage“ ganz nostalgisch in die Vergangenheit: „Und wenn die Platte springt von all diesen Kratzern weißt du wer du bist“. Wer kennt das nicht, das Gefühl eine Platte zu hören, Erinnerungen weckt? Der Song steigert sich gewaltig: „Ist der Blick in die Zukunft der Blick in die Vergangenheit?“, fragt Michi. Einmal zurückschalten, zurückbesinnen, auf das was zählt, das was wichtig ist, das was einem vielleicht unterwegs verloren gegangen ist. Bei ‚Konstante Schmerzen‘ ist der Name Program. „Die Hitze ist so unerträglich“ “taumelnd setzt du Schritt für Schritt“, in der nächsten Stropfe herrscht dahingegen Kälte. Schmerz und Verzweiflung überall. Dann die Wende: „Alles nur ein Traum“. Für mich ein wenig zu dick aufgetragen, auch musikalisch nicht so spannend, aber definitiv super zum mitgröhlen.

 

‚Stillstand / Weiter‘ ist ein Wachruf zum kämpfen, weiter zu machen: „Wo ist der mensch in dir?“, „Wo ist er hin, dieser kleine Funke Leben, wo hast du ihn denn verloren?“, „Ich werde immer wieder aufstehen, ganz egal wie tief ich fall“. Wie der Vorgänger etwas zu „catchy“. In ‚Du lässt die Farben gehen‘ geht es – einmal wiederwieder um Schmerz: „Wie gelähmt“ allein im nirgendwo, alles wird allmählich schwarz, die Erinnerungen verblassen, die Welt verliert ihre Farben. Stimmlich sticht der Song absolut hervor, kraftvoll und mitreißend. Außerdem ein sehr cooler englischer Part gegen Ende. ‚Stimmen im Meer‘ greift Hoffnugnslosigkeit und Wunden auf, das ruhige Meer, welches umschlägt in Unwetter. Doch auch hier der Kampfeswille: „wir werden niemals schweigen, werden uns wehren Tag für Tag, werden nicht aufhören bis ihr geht“. Eher ein Lückenfüller. Während ‚Wunden und Narben‘ geht es einem dann etwas auf die Nerven, dieses ständige Leiden, der Schmerz, der nicht vergeht, „bis in alle Ewigkeit“. Etwas kitschig: „kann dein Herz es auch ertragen“, immerhin passt der Gesang. „Die Zeit war“ ist sehr dynamisch: lahme Strophen, starker Refrain. Es geht um die Erinnerung an frühere Tage, ein Resume der Vergangenheit „Wir wissen beide wo wir hingehören“. Der positivste Song des Albums. ‚Bei der Himmel bricht ein‘ kommt er wieder auf, der Vergleich mit früheren Alben: durchschnittlich rockig, eingängige Zeilen, nervige wohoho’s, jedoch reißt das Solo viel raus. Der meiner Meinung nach schwächste Song des Albums ist ‚Tage bis zum Sommer‘. Zu belanglos, zu langweilig und wieder auffallend kitschige Wortwahl. Den Abschluss liefert der Titelsong, der eigensinnigste Song der Platte, der texlich vorrangig aus Fragen besteht: „Was ist schon richtig oder falsch was ist schon wahrheit oder lüge, alles was zählt ist jetzt und hier, mein leben gehört dir“, Ein sehr gelungenes Experiment, großartiger Song.

 

Fazit:

Das Album ist thematisch geprägt von Schmerz, Wut und Verzweiflung, zeigt aber einen Weg heraus. Hingabe ist das, was Marathonmann hier verlangen und auch zeigen. Textlich an vielen Stellen etwas zu viel, zu einseitig, zu kitschig. Musikalisch fehlen mir bei der Platte sehr oft die Wurzeln, die Eigenheit. Stark hingegen oft die Dynamik, so lässt sich in fast jedem Song doch etwas tolles finden. Absoluter Pluspunkt sind die Vocals, die im Gesamten doch hervorstechen und dem ganzen Album ein wenig Kick geben. Insgesamt? Solide, gut, durchdacht, aber mit Schwächen. Mal was für zwischendurch, aber keine Platte für längere Hörfreude.

Anspieltipps: ‚Mein Leben gehört dir‘ und ‚Du lässt die Farben gehen‘

 

Florian Schubert.

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"Eigentlich wollte ich ja nicht mehr über Musik reden... "