Über die Liebe zur Musik…

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Turbostaat
– Ein Wintermärchen

Vor 2 Jahren gepostet,von Ling

Aus den Zeilen der ersten fünf Alben haben wir eine Geschichte gebastelt, die einen Konzertabend wiederspiegelt. Zu dieser Geschichte gehört das Bild, das Turbostaat vor einiger Zeit gepostet haben und die geht so:


Chronisten schreiben eifrig an Geschichten mit den Worten:

Erst einmal scheiß auf den Sinn und zum Teufel mit der Logik


„Ein ganz normaler Tag, alles wie immer. Konnt‘ ja keiner ahnen, was passiert.“

Jörkk Mechenbier


Wenn Telefone klingeln, da ist das Zetern halb so lang: „Die Zeitung schreibt er sei in deiner Stadt.“

 

„Die waren früher schon wirklich nicht verkehrt.“

 

In der Schublade ganz unten liegt das meiste Geld. Die beschissene Kohle; der größte Teil ist auch noch gespart. Das Ticket für den Zug ist schon bestellt für ein kleines bisschen Geld. Ach, wie schick und so bequem. Ein guter Plan! „Dann ist Zeit genug zum glücklich sein“, schreibt er seinem Freund.

 

Sie warten weiter auf den großen Tag und das aus Tradition. Man könnte jetzt wohl fragen: „Ist es das auch wert?“ Es ist doch schon die Pflicht, die weiterweiterweiterweiterweiterweiter sagt. Geh doch selber mal hin! Behaupten kann man immer, dass es gar nichts bringt. „Wenn es einem zur Ruhe hilft, dann muss es richtig sein“, denkt er sich.

 

Es ist Montagnacht, die Dunkelheit greift ein und heute Nacht geht er raus in dieser scheiß Dezembernacht. Und draußen kalt. Spürst du diese Kälte? Sie zittert etwas leicht. Es ist Winter, der mich erfrieren lässt. Tja, es wird auch wieder Sommer, nach einem endlos kalten Winter, der alles weiß begrub.

 

Fuck Winter!

 

Als der Abend kam, während andere ins Kino gehen, tragen dich die Schritte hin zu diesem Ort. Siehst du die Fassaden dieser wunderschönen Stadt? Angekommen im kleinen Schloss in Schweden. Es ist ein nettes Haus, ein Bauwerk auf dem Berg und die Karre davor. Dieser Ort ist dem sterben nah. Die Freunde wohnen hier sicher nicht.Und er starrt auf den Eingang gegenüber mit dem blau getünchten Knauf. Das Herz schlägt stetig höher bis zum Hals. Eingang links, geradeaus gelaufen. Immerfort.

 

„Guten Tag, ich bin Heiner Rust.“

 

„Willkommen. Mensch, komm se rein. Bloß keine Scheu.“

 

Er hat sich umgedreht: An der Tür ein alter Freund. Er hat sie alle gesehen. Sie sind doch alle hier!

 

Mantel aus, Hütchen ab. Schampus gibt’s. Für dich aber nicht, du hast dir Sekt gekauft.

 

In vier mal fünf Metern stapelt sich der Schrott mit einem starken Staat. Und die Menge staunt. „Wir haben viel zu lang gewartet. Kommt, reißt sie endlich ein!“

 

Der Wein war nun alle. Ein bisschen Schwund ist immer mit dabei. Er schmeißt sie weg und fühlt sich viel zu blau. „Was? Kein Nachschlag?“

 

Guter Blick auf die Manege. Plötzlich steigt Qualm aus dem Boden. Von Nebel ganz verdeckt. Stockt ihnen auch der Atem? Der plötzliche Krach heißt sie willkommen. Wo so viele Menschen glücklich strahlen, wenn du endlich kommst. Altes System: Alle im Chor. Wir singen und feiern sie auch ab.

 

Kurz blitzt über allem ein Viertel irres Leuchten auf. Er blickte nicht mehr auf. So blieb man stehen und war perplex. Ohne hinzusehen im hellsten Sonnenlicht. Wieder steigt Qualm aus dem Boden. Hörst du, es dröhnt? Fast ein Rauschen, das alle irritiert. Wir können sie nicht mehr verstehen, wenn der Strom ausfällt. Scheint ihm nicht normal. Jetzt kommt er aus dem Tritt. Man zeigt hinauf. Es fehlt was! Ein Fehler in der Konstruktion. Ein Drittel Konfusion und die Erkenntnis ist gemein. Wie konnte das passieren? Alarm! Alarm!

 

Alter Mann liebt Frieden, junge Frau liebt Tanz. Wir nicken nur. Ein Taumeln bricht nach vorn und alle machten mit, null Kontrolle und heftig stolpern, drehen richtig durch. Ein Fünkchen zu schnell? Ist das jetzt zu wild?

 

Und die Menschen staunen, machen Fotos.

 

Unter Getöse kriecht ein Mann in die Mitte und er wartet zu lang. Er schaut sie an und schreckt zusammen. Man hatte zuerst gewettet, dass du niemals hier erscheinst. Doch jetzt bist du da. Und dann packt dich die Angst – vielleicht tut es doch weh? Ein vorsichtiges Lächeln. Wirst du bleiben? Wie soll das geh’n? Jetzt denk doch nicht nach. Nur Mut! Er hebt seine Arme. Jetzt wär ein Zeichen gut – Anlauf, Alter, Anlauf.

 

Wird bodenlos, genießt den freien Fall. Wieder so ein Staunen und es hält dich fest. Ein Mensch liegt hier oben und du fliegst weiter Richtung unbekannt. Doch es tut gar nicht weh. Voran! Voran!

 

Ein Ende naht und die Kämpfe verstummen. Die Jungen merken das sofort. Die Beine sind zur Hälfte abgefault. Wie erträgt er solche Schmerzen? „Reiner, warum tut das so weh?“ Nur kurz muss er verschnaufen. Die Luft ist hier zu dünn, obwohl man atmen kann.

 

Jedes Starren wirkt verdächtig und das Warten eigentlich auch. Die Spannung ist für jedermann zu spüren. Ob sie warten? Auf jeden Fall muss irgendwas passieren!

 

Sie kommen wieder und lächeln dabei freundlich. Die letzten Strophen rechnet man noch an und man applaudiert. „Komm se wieder!“

 

Vorbei. Dann genommen was gefunden. Am Ende schaust du dich nochmal um. Hier wirst du immer sein. Nebenan Klamotten und du wählst ganz einfach aus, was in deine Tasche passt. Und sie nahmen sich alle in den Arm, denn so jung kommen wir nicht mehr zusammen. Und das Dumme war, dann ist wirklich Schluss. Das ist Scheiße! Hört sich traurig an, ist es auch. Da kann man wohl nichts tun. Ging ziemlich schnell und du gehst ganz einfach raus. Wir haben genug gehört oder gesehen. Und wenn du raus kommst – Mantel an, Hütchen auf. Ich werde jetzt mal schnell nach Hause gehen mit dreckigen Schuhen und zerrissenem Rock. Schmeiß es weg!

 

Du sitzt am Hafenrand und fühlst dich gut dabei. Der Puls schlägt ruhig und schwächt sich weiter ab. Wir ziehen weiter.

 

Die Trauermärsche enden an den Gleisen. Hörst du die Züge wieder rollen? Vielleicht bald. Im Schachtbahnhof war noch gut Betrieb und du sitzt hier fast allein.

 

Man lacht als er den Zug betrat. „Wohin willst du gehen? Wohin? Warum gehst du weg? Wo ist dein Zuhaus?“

 

„35 Stunden wachen, alles ramponiert. Ich geh jetzt erstmal los, dann weiß ich wo ich bin.“

 

Die Sonne bricht auf einmal wieder durch, streichelt liebevoll ihr Haar.

 

Am Ende hängst du noch einmal nach den Gedanken an die Zeit. Die Erkenntnis von heute: Am besten träumt es sich mit Augen auf. Momente bleiben eingepackt, ein Wunderwerk vollbracht. Zwei Zeugen der Szene können später noch beschwören, dass über allem hier ein Zauber lag.

 

Alle Nachbarn fremd und keiner zu Haus und dann 13 Stunden Schlaf. Langsam hebt und senkt sich der Brustkorb und sie schnarcht selig und zufrieden mit dem Tag. Ein donnerlautes Wecksignal hielt nur Sekunden wach.

 

Am Ende einer Reise kommst du in deine Welt und lehnst dich ruhig zurück. Du hast ja noch ‘ne Zweite, in die du gehen kannst, wenn es hier nicht weitergeht.

 

Am Ende war es leise. Das Jahr vergeht. Der Januar kommt.

 

Das ist kein Ende!

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Die neue Platte erscheint am 29. Januar 2016. Und in diesem Rahmen ist das hier Erzählte auch bald wieder möglich, denn Turbostaat haben jetzt noch eine Releasetour angekündigt:

  • 30. Januar: Hamburg – Hafenklang
  • 31. Januar: Berlin – Tommy Weisbecker Haus
  • 03. Februar: Köln – Blue Shell
  • 04. Februar: Hannover – Cafe Glocksee
  • 05. Februar: Dresden – Groove Station
  • 06. Februar: Saalfeld – Klubhaus

Man sieht sich dort.

Maxim & Ling

About Ling

"Ich will das Lied nur noch zu Ende hören."