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Von Hamburg nach
Berlin mit Freiburg und Love A

Vor 2 Jahren gepostet,von Ling

Das neue Konzertjahr begann für mich mit einem Doppelkonzert der besonderen Art – zwei geliebte Bands an zwei aufeinanderfolgenden Abenden in zwei verschiedenen Städten.
 
So fand ich mich am 22. Januar mit einer Handvoll Freunden im Übel & Gefährlich in Hamburg ein, um mir Freiburg und Love A zum x-ten Male anzuschauen. Auf den Abend war ich besonders gespannt, da in meiner Vorstellung die Hamburger Szene viel mehr noch mit Punk und Postpunk anfangen kann als die Berliner es möchten.
 
FreiburgDer Club war wie erwartet schon sehr voll, als kurz nach 20 Uhr die ersten Töne von Freiburg aus den Boxen krachten. Abgesehen davon, dass ich dem, wie sie es auf ihrer Facebook Seite nennen, Emopunk von Freiburg sowieso total verfallen bin, bin ich großer Fan des Bühnenbildes. Die Mikrofone von Bassist und Sänger Jonas und Gitarrist und Sänger Tom stehen aneinander gelehnt, denn in einigen Liedern stehen die beiden einander gegenüber und werfen sich die Textzeilen in Liedern wie „Wie du so lebst“ gegenseitig an den Kopf. Allein dabei zuzusehen macht unglaublich viel Spaß.
 
Wie gehabt verlässt die Band nach viel zu kurzer Zeit mit einem Cover vom Tocotronic Klassiker „Freiburg“ die Bühne und verabschiedet sich. Es hat ihnen gefallen.
 
Nach einer kurzen Umbauphase betreten schließlich Love A die Bühne, die Band, auf die scheinbar die meisten sehnlich gewartet haben. Sänger Jörkk ist gut gelaunt und so wird schnell in ein Set gestartet, das alte und neue Stücke beinhaltet, tanzbar ist und zum lauten Mitsingen einlädt. Die Stimmung ist ausgelassen und alles jubelt, als die Band die zwei Titel ihrer neuen 7“ das erste Mal live präsentieren. Man kann die Stücke schon seit einiger Zeit online hören, aber nur auf den beiden Konzerten an diesem Wochenende war es möglich, ein Exemplar davon zu erstehen.
 
Auch, als Jörkk schon seine Weste auswringen kann, dass es nur so tropft, hört er nicht auf zu tanzen und so ist es nicht verwunderlich, dass die Band mehrfach zurückgerufen wird, um noch weitere Titel zu spielen. Und man kann es Love A quasi ansehen, dass sie davon überwältigt sind, diesen Club zu füllen und so gefeiert zu werden.
 
Unsere Bustour war eine reine Farce (Getriebeschaden und Umsteigen mitten im Nirgendwo, nachdem der Bus sowieso schon zu spät startete), doch wir kamen schließlich irgendwann in Berlin und selbstverständlich pünktlich am Kreuzberger Lido an.
 
Meine Hoffnung, dass Freiburg heute vielleicht länger als eine halbe Stunde spielen würden, hat sich schon mit einem Timetable am Einlass in Wohlgefallen aufgelöst. Aber das hat meiner Freude keinen Abbruch getan. Ich hatte sogar den Eindruck, dass Berlin die Band noch besser findet, als es in Hamburg der Fall war. Freiburg haben im vergangenen Jahr ihr drittes Album „Brief & Siegel“ rausgebracht und sind, so mein Eindruck, gerade stark im Kommen. Wer sie noch nicht für sich entdeckt hat und Freund von deutschsprachiger Punkmusik ist, sollte dies schnell nachholen.
 
Der ständige Vergleich mit Turbostaat wird Freiburg nicht gerecht. Durch ihren starken und klaren Doppelgesang stechen sie heraus. Man findet bei Freiburg ähnlich kryptische Texte, aber die Band hat eine ganz eigene Melodie; eine Mischung aus Indie und Punk und hin und wieder Geschrei, die sich definitiv abhebt und nicht bloße Wiederholung ist.
 
Scheinbar grundlos fand ich Freiburg am zweiten Abend sogar stärker als am Vorabend. Vielleicht lag es daran, dass ihre Musik mich berührt, vielleicht aber auch daran, dass vergangene Auftritte in Berlin für Freiburg nicht immer nur mit Glück besäht waren und ich mich wahnsinnig freute, dass es zu keinem Stromausfall oder sonstigen, unnützen Eskapaden kam. „Chapeau, mein Freund!“
 
love a_20160123Davon blieben Love A allerdings diesmal nicht verschont. Voller Tatendrang stürmten sie die Bühne und ließen das Publikum kaum zum Atmen kommen. Ein Lieblingssong jagte den nächsten und alle sprangen wild im Saal. Doch immer wieder setzte das Mikro von Sänger Jörkk aus, was ihn sichtlich irritierte. Wo er am ersten Abend noch über die gesamte Bühne tanzte, wurden er und seine Gesten am zweiten Abend großteilig an den Mikrofonständer gefesselt. Das war zwar schade, weil Jörkk einfach wahnsinnig unterhaltsam ist, aber abgesehen davon, dass es natürlich ärgerlich war, schien sich keiner weiter daran zu stören. Stattdessen sang das Publikum einfach doppelt so laut mit.
 
Dass Love A in einem ausverkauften Lido spielen würden, hatten sie vermutlich auch nicht so erwartet. Die Belohnung stellte ein langes Set dar, das sogar das Pascow Cover von „Too doof to fuck“ enthielt und von Zugaben gekrönt wurde.
 
Nach dem Konzert sammelten wir uns alle etwas, um wieder Luft zu bekommen, bevor wir noch einige Stunden auf der anschließenden Party weitertanzten und dann betrunken vor Glück nach Hause torkelten. So darf das Jahr gern weitergehen.

About Ling

"Ich will das Lied nur noch zu Ende hören."