Über die Liebe zur Musik…

Frank Turner in Berlin @
Huxleys Neue Welt + Instore Gig @ Core Tex am 17.01.2016

Written by Eileen, 1 Jahr ago, 1 Comment

Dass die Tickets für seine kleine Solo Tour im September bereits nach wenigen Sekunden vergriffen waren sollte inzwischen absolut niemanden mehr wundern, schließlich ist der in Winchester, England geborene Frank Turner längst kein Unbekannter mehr. Desto größer war die Freude als er für Anfang des Jahres eine umfangreiche Tour durch Europa ankündigte. Am vergangenen Sonntag war es so weit und Frank spielte, nun schon zum zweiten Mal als Headliner im immer wieder tollen Huxleys. Die Vorfreude stieg als er ein par Tage vorher eine kleine Solo Show im Core Tex bekannt gab. So ging es für mich an diesem Tag zu gleich zwei, sehr unterschiedlichen Frank Turner Konzerten und überzeugte mich abermals davon, dass Mr. Turner mehr ist als nur ein „Singer/Songwriter“.

Teil 1: Coretex ­ Show Nr. 1816

Als ich kurz nach 5 im Coretex eintraf war der Laden bereits zur Hälfte gefüllt, umso größer die Erleichterung es noch rein geschafft zu haben. Etwas später war auch schon alles voll, trotz des kalten Wetters fanden sich auch noch eine Menge Menschen draußen vor dem Eingang ein, dafür wurde auch von drinnen übertragen. Kurz nach 6 betrat Frank gut gelaunt mit seiner Gitarre die kleine Bühne. „Wer von euch ist nachher auf unserem Konzert?“, fragte er und drei Viertel der Hände schossen nach oben. „Gut, ich werde jetzt nur die Songs spielen die wir heute Abend nicht spielen werden.“

 

Im Laufe des kleinen Sets spielte er 6 Lieder, von jedem Studioalbum eins. Den Anfang machte ‚Love Forty Down‘ von seiner letzten Platte ‚Positive Songs For Negative People‘, zugegeben einer der weniger seiner Songs mit denen ich nicht wirklich viel anzufangen weiß. Mit ‚Time Machine‘, einem Bonustrack vom Vorgänger ‚Tape Deck Heart‘ gab es eine echte Rarität auf die Ohren. Das traurige ‚Redemption‘ fesselte alle im Raum und auch diejenigen draußen. Der nächste Song handelte von einer Bar in London: ‚I knew Prufrock Before He Got Famous‘. Nach nur wenigen Sekunden hatte ich überhaupt nicht mehr das Gefühl im kleinen Core Tex auf einer Solo Show zu sein sondern mit tausenden von Leuten euphorisch jede Zeile lautstark mitzugröhlen wie in einer Arena: „life is about love last minutes and lost evenings“ ­ und es war noch nicht einmal Abend. Frank erzählte uns, dass er jeden aus der Bar im Song erwähnte, seinen Freund Dan jedoch vergaß, so schrieb er als Entschuldigung ‚Dan’s Song‘. Fehlte nur noch ein Song seines ersten Albums ‚Sleep ist vor the Weak‘: „The Real Damage“ lieferte den atmosphärischen Abschluss dieses kurzen Auftritts. Die restliche Zeit im Coretex nahm sich Frank für seine Fans ­ es gab Autogramme und Fotos ­ aber nicht ohne uns vorher darauf hinzuweisen umbedingt pünktlich zu Will Varley im Huxleys zu sein. Also Zeit die 2 U-­Bahnstationen zum Hermannplatz zu fahren und sich an die lange Schlange zu stellen.

Teil 2: Huxleys ­ Show Nr. 1817

Kurz nach 19 Uhr war Einlass, genug Zeit für ein par Bier, schließlich stand uns ein langer Abend bevor. Auf dieser Tour begleiteten Frank die ebenfalls bei Xtra Mile Recordings ansässigen ‚Skinny Lister‘ und ‚Will Varley‘ – beide aus London. Pünktlich um 20 Uhr trat Will auf die Bühne und unterhielt uns eine halbe Stunde lang hervoragend mit seiner Stimme und Gitarre. Sehr sympathisch und mit cleveren Texten beeindruckte Will, der selbst schon seit über 15 Jahren als Musiker unterwegs ist und weckte Assoziationen zu Künstlern wie Frank’s Wegbegleiter ‚Beans on Toast‘.
Danach ging es sehr schnell: Noch nichtmal von der Bar zurück begannen Skinny Lister, die letztes Jahr erst mit Chuck Ragan und Tim Vantol unterwegs in Europa waren mit ‚Raise a Wreck‘ und spielten zum großteil Songs ihres 2015 erschienenen Albums ‚Down On Deptford Broadway‘. Eine unglaublich gut gelaunte Band, die Freude am Auftritt hatte und es dauerte nicht lange bis der Funke auch auf alle anderen übersprang. Ich hatte genau soviel Spaß wie auf meinem letzten Flogging Molly Konzert – und das will schon was heißen. Gesang, Arkkodeon, Kontrabass und jede Menge Spielspaß. Eine Kombi die mit Sicherheit jeden Abend verzaubert – für mich war es die erste Skinny Lister Show, aber definitiv nicht die letzte. Wäre es nicht ein Frank Turner Konzert gewesen hätte ich mir ernsthaft Sorgen gemacht, ob man das noch toppen kann.

 

Nach der Pause waren alle heiß auf Frank. Im ersten Moment war es merkwürdig in dieser großen Halle zu stehen, war doch das Konzert in der Escobar so klein und familiär. Doch nur kurz darauf verflüchtigte sich auch schon jeder Zweifel. Los ging es mit der zweiten Single von PS4NP, ‚The next Storm‘. „ „I don’t want spend the whole of my life indoors“ ­ so war trotz dessen das es Sonntag Abend war das Huxleys randvoll und bereits lange ausverkauft. „Laying low, waiting on the next storm “ singt der sympathische Brite, der sich vor keiner Herausforderung versteckt und mit seinem Tatendrang alle im Raum sofort ansteckt. „Hallo Berlin, ich bin Frank Turner und meine Deutsch ist perfekt.“ Wer schonmal auf einer Frank Turner Show war weiß was ihn erwartet: Frank ist ein Entertainer und gibt jede Show 100%. Frank ist nur einer von vielen, mit dem Unterschied, dass in dem Moment ihm die Bühne gehört. Das letzte Huxleys Konzert noch mit einem kaputten Rücken kann er dieses Mal wieder selbst Gitarre spielen. Es gibt ein par freudige Überraschungen aber vor allem Konstanz und Qualität. Was für eine Energie, man glaubt gar nicht dass dieser Mensch schon 1800 Shows gespielt hat. Es folgen einige Klassiker: ‚The Road‘, ‚Losing Days‘, inzwischen beherrscht er den deutschen Text von ‚Eulogy‘ auch ohne abzulesen. Dann ‚If Ever I Stray‘ und der Titelsong der Sleeping Souls: ‚I Am Disappeared‘.

 

Neben dem neuen Album kommen an diesem Abend besonders Fans von ‚England Keep My Bones‘ und ‚Love Ire and Song‘ auf ihre Kosten, aber leer ausgehen tut auf seiner Show sowieso keiner. Neben dem dem punkigen ‚Try This At Home‘ hat es mit ‚Sons of Liberty‘ auch mal ein weiterer Song von Poetry of the Deed auf die Bühne geschafft. Neben bewährtem wie ‚Polaroid Picture‘ und ‚Peggy Sang the Blues‘ gibt es mit Josephine und ‚The Opening Act of Spring‘ etwas vom neuen Album. Natürlich lässt es sich Frank nicht nehmen die Souls auch mal von der Bühne zu schicken und spielt ganz klassisch ein par Songs solo. Das Beste daran: Frank spielt Songwünsche, es gibt eine zwarte Version von ‚imperfect tense‘ und ‚Mr. Richards‘. Frank gibt zu, bei letzterem die Lyrics nochmal nachgeschlagen zu haben, solange ist es her. Anschließend the ‚Ballad Of Me And My Friends‘ und an der Euphorie erkennt man wie sehr wir diesen Song lieben. Frank muss sich ganz schön ins Zeug legen um nicht von seinen Fans übertönt zu werden: „And we’re definitely going to hell but we’ll have all the best stories to tell“ ­ Ach Herrlich. Nach den Letzten Tönen der fliegende Übergang in ‚Reasons Not To Be An Idiot‘. Zu ‚Glory Hallelujah‘ und ‚Long Live The Queen‘ gesellen sich „Mittens“ ­ der wohl catchigste Song des neuen Albums und ‚Out Of Breath‘, das den perfekten Gegenpart liefert.

 

Die Stimmung ist super. Statt Verschnaufpause kommt Photosynthesis. Wie immer mit Hinsetzen und ein par Worten. Wir sind es die das alles möglich machen, die Fans, nicht der Künstler. Frank sagt danke. Er fordert uns auf Spaß zu haben, eine Einheit zu sein, Unterschiede und alles andere an der Clubtür liegen zu lassen. Jeder soll für den Rest des Songs mit jemandem Tanzen den er nicht kennt. „Now I’ll play and you sing, The perfect way for the evening to begin“. Nicht mehr ganz der Beginn des Abends, aber noch lange nicht das Ende. Statt einer Zugabe gibt es erstmal ‚Plain Sailing Weather‘, ‚Get Better‘ und ‚Recovery‘ (diesmal ganz ohne Hampelmann!). Dann verlassen alle die Bühne. Noch einmal Frank Solo: Zuerst ‚The Way I Tend To Be‘, anschließend mein persönliches Highlight: Er spielt ‚Love, Ire & Song‘. Alle singen mit. „And if only for a little while, we could insist on the impossible“, zumindest für die Dauer des Abends. Aber leise darf natürlich keine Frank Turner Show ausklingen, jetzt ging es erst recht rund und noch einmal die Chance das Tanzbein zu schwingen: ‚I Still Believe‘ und ‚Four Simple Words‘. „I want to dance“, 4 Worte die er bestimmt keinen von den Anwesenden noch beizubringen braucht. Frank spricht uns aus der Seele, „This is my culture man, this is my home.“ Und so hat der Rock’n Roll uns allen doch zumindest den Sonntag Abend gerettet.

 

Fazit:

Ein unglaublich langer Abend, 3 tolle Künstler, jede Menge Singen, Tanzen, Spaß haben. Jede Menge Rock‘ n Roll und Emotion. Viele glückliche Gesichter. Die nächste Tour kann kommen. Beim Verlassen des Huxleys Max von Skinny Lister noch die aktuelle Platte abgekauft, große Empfehlung!

 

Florian Schubert

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"Eigentlich wollte ich ja nicht mehr über Musik reden... "