Über die Liebe zur Musik…

Zwischen british humour und
politischem Ernst: Will Varley

Vor 1 Jahr gepostet,von Ara

Will Varley 15.1.2016 (Max Kiel)Singer-Songwriter gibt es heutzutage wie Sand am Meer. Kein anderes Genre weist ein größeres Konkurrenz-Potenzial auf. Denn zugegeben: Mit einer Gitarre in der Hand zu singen ist kein allzu großes Hexenwerk. Dabei aber noch aus der Masse heraus zu stechen schon. Und zugegeben, auch mir fällt es mittlerweile schwer, mich für neue Künstler aus dieser Sparte zu öffnen. Denn nur zu oft klingt alles gleich. Doch vergangen November hat es jemand geschafft.

 

Will Varley hat den „harten“ Weg auf sich genommen, spielte in Fußgängerzonen, an Bahnhöfen, in vollen lärmigen Pubs und überall dort, wo man ihm zuhörte – oder eben auch nicht.. Jahre später kann er auf drei Alben und einem Vertrag bei Xtra Mile Recordings (u.a. Frank Turner, Tim Barry, Against Me!) zurück blicken und steht damit hoffentlich erst am Anfang seiner Karriere. Im vergangenen November eröffnete er Abend für Abend auf Frank Turners UK Tour und spielte an so manchem Abend dank des strikten Zeitplans vor wenigen hundert Leuten. Doch diejenigen, die ihn hörten, waren begeistert von seiner Authentizität.

 

Seine Themen sind vielfältig: Mal singt Will über das Klauen mithilfe von Selfcheckout-Maschinen im Supermarkt (The Self Checkout Shuffle), über seine Katze, die zum Internet-Star wird (Talking Cat Blues) oder über Spam-Mails und deren Folgen (I Got This Email). Oftmals kommt hierbei britischer Humor zum Einsatz, doch Varley kann auch ernst, ohne dabei langweilig zu klingen.
In der Ballade „The Man Who Fell To Earth“ erinnert er daran, dass es in der Vergangenheit immer wieder Menschen gab, die sich im Reifenkasten von Flugzeugen versteckten, um sich selbst nach England zu schmuggeln und beim Landeanflug durch das Ausfahren der Reifen, aus ihren Verstecken auf die Erde fielen.
In „Weddings And Wars“ erzählt er wiederum innerhalb von knapp vier Minuten die traurige Geschichte unserer Menschheit vom Urknall bis in die Gegenwart:

„Instead of hunting now we go to Tescos, / Instead of talking now we wear headphones, / Instead of mountains we’re heading for mars, / Instead of god we have credit cards. /And we’re still here two thousand and somethin‘, / No peace, economy is crashing, / still singin‘ and dancin‘ and looking at the sky, sayin‘ / ‚Why are we here? what happens when we die?‘

 

 

Mein aktueller Favorit heißt allerdings “We don’t believe you!” – ein Lied, dass aktueller nicht sein könnte. Die Aussage ist klar und fast schon ein wenig depressiv: Unsere Welt geht gerade den Bach runter und unsere Regierungen versuchen all dies zu vertuschen und uns gegeneinander aufzuhetzen. Allesamt Probleme, die der kleine Bürger alleine nicht lösen kann. Und dennoch wird dem Zuhörer im Refrain ganz trotzig ein „We don’t believe you anymore!“ entgegen geschmettert.

 

Well I don’t know what I’m scared of, but I know that I am scared

All the headlines feel like nightmares when I’m lying in my bed

If the virus doesn’t kill us someone might chop off our heads

But no-one chops down Yew trees on Parliament Square

 

And they’ll lie all day in Westminster, and they’ll lie all day in court

And they’ll lie about it later on the evening news reports

Til there’s a hundred thousand bodies lying on the desert floor

And they’ll point their guns at Russia and they’ll start another war

 

 

Tut euch den Gefallen, klickt euch einmal durch Wills Youtube-Videos, die im World Wide Web bereits großen Anklang gefunden habt. Und solltet ihr die kommenden Frank Turner Shows in Wiesbaden, Hamburg und Köln besuchen, seit eine Stunde nach Einlass da und lasst euch von Wills Charme verzaubern….

 

 

Fotos: Adina Scharfenberg

 

 

About Ara

Ganz egal, ob die Welt jetzt untergeht - ich will mein Tape nur noch zu Ende hören...