Über die Liebe zur Musik…

‚Let’s get Indie‘ – Mit
Dresco, Princes of Provinces und DIN Martin auf der MS Präsident

Vor 2 Jahren gepostet,von Eileen

Samstag, 09.01.2016 – Berlin Alexanderplatz.
Um 17:03 Uhr fährt der RE 1 nach Magdeburg am Gleis zwei ein und bringt mich innerhalb der nächsten 75 Minuten nach Genthin, Sachsen-Anhalt, in meine Herkunftsgegend. Diesmal verschlägt es mich nicht wegen der Familie hierher sondern wegen des Weihnachtsgeschenkes eines lieben Freundes an mich. So sind wir also beide an diesem Wochenende angereist wegen einem ganz besonderen Ereignis: Unter dem Motto ‚Let’s get Indie‘ sollte in Tangermünde an jenem Abend ein Konzert mit den local-heros Dresco, den Leipzigern DIN Martin sowie Princes of Provinces aus Weimar auf der MS Präsident stattfinden – ein Schiff, dass seit 1996 im Tangermünder Hafen steht und auf dem diverse Partys und Konzerte veranstaltet wurden und künftig hoffentlich auch wieder öfter werden.

 

Weshalb das für mich so eine besondere Veranstaltung ist, liegt darin begründet, dass ich mit meiner sogenannten ‚Heimat‘ keine besonders Alternative-Szene verbinde, geschweige denn, ich dieser damals beigewohnt hätte. Deshalb freut es mich eben ganz besonders wenn ich von solchen Veranstaltung Wind bekomme und dann auch die Möglichkeit habe diese zu besuchen.

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Angekommen in Genthin hat mich mein Freund H. am Bahnhof eingesammelt, von wo aus wir mit dem Auto die ca. halbstündige Fahrt nach Tangermünde antraten.
Der Tangermünder Hafen erstreckt sich vom Schloss aus gesehen zu beiden Seiten – links vom Schloss liegt die MS Präsident. Mich hat es sofort begeistert und insgeheim hoffte ich darauf, dass wir später auch über die Elbe schippern würden aber vorab sei gesagt, dass das nicht passierte, es dem ganzen aber überhaupt keinen Abbruch getan hat.

 

Die Stimmung war von Anfang an sehr familiär und ähnelte einer Zusammenkunft wie ich sie als Dorf-Kind von Weihnachten kenne – ehemalige Freunde und Bekannte treffen sich auf der jährlichen Weihnachts-Dorf/Kleinstadt-Party – sprich eine sehr schöne und ausgelassene Atmosphäre. Leider hatte genau diese Stimmung einen Nachteil für die erste Band des Abends – DIN Martin aus Leipzig – denn das Publikum war noch sehr unaufmerksam und viel mit quatschen beschäftigt. Ich ließ mich davon nicht stören und gab mich den verträumten und verspielten Klängen von DIN Martin hin. Musikalisch gesehen, war dies die anspruchsvollste Kapelle des Abends und erinnerte mich an Bands wie And So I Watch You From Afar oder Yesterday Shop – hat mir persönlich also sehr gut gefallen jedoch waren H. und ich uns darüber einig, dass der Gesang leider nicht so viel für die Musik tut und die Band instrumental besser funktionieren würde.
Wie sich während DIN Martin’s Auftritt herausstellt, wurden die Bands aus einem bestimmten Grund eingeladen, denn mindestens ein Bandmitglied stammt ursprünglich aus Tangermünde oder Umgebung – bei DIN Martin ist es Drummer Martin.

 

Die zweite Band des Abends waren Princes of Provinces aus Weimar, die durch die Präsenz von Sänger Bastian und Gitarrist Tobias die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zogen. Ich selbst hatte große Freude die Mimik vom Frontmann zu beobachten – welcher hier übrigens das Tangermünder Licht der Band ist. Während des kompletten Auftritts wechselte ich ständig zwischen „Das klingt doch jetzt total nach Kings of Leon?“ und „Ist das jetzt ein Song von Bloc Party?“. So hat jede Band seine Einflüsse und bei den Weimaranern tut das auch nichts zur Sache, da es einfach unglaublich tanzbar war und die Crowd zum kochen gebracht hat. Wo sich bei DIN Martin das erste Kondenswasser an der Decke bildete, fing es bei Princes of Provinces richtig an zu tropfen.
Für meinen ganz persönlichen Plattenschrank ist Princes of Provinces überhaupt nichts aber an einem so schönen Abend, an dem man Lust hat zu Tanzen und Spaß zu haben, ist es das absolut Richtige und die Band hatte offensichtlich genauso viel Spaß wie wir.

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Das Schlusslicht und die Band wegen der sich die meisten Gäste auf der MS Präsident eingefunden haben, sind Dresco. Mit anfänglich technischen Schwierigkeiten bei Bassist und Sänger David, konnte das sieben Songs umfassende Set starten. Die Fans und treuen Anhänger waren vom ersten Ton an dabei und gröhlten Passagen wie „If The Kids Are United“ aus vollem Halse mit.
Was mir bei Dresco Aufnahmen meistens zu poppig ist, wird beim Live-Auftritt weggespielt und ich bin 100%ig dabei und vollends begeistert. Irgendwo zwischen Mikrokosmos 23, Matula und Käfer K sind die Jungs für mich einzusortieren. Symbolisch für diesen Abend in Tangermünde und deren Besuchern, performen Dresco ihren Song „Regen oder Sonnenschein“, indem Sänger David über die Liebe zu dieser ‚gottverlassenen Stadt‘ singt, die sein zu Hause ist.
Letztlich war es der kürzeste Auftritt des Abends, was ich sehr schade fand und ich wünsche mir künftig mehr Material für ein längere Sets, denn Dresco hat eine wunderbare Dynamik, die Lust auf mehr Macht und Einen nicht ruhig stehen lässt.

 

Ein absolut gelungener Abend und ein wundervolles Weihnachtsgeschenk. Gemeinsame Zeit zu verschenken, ist sowieso das Schönste und ich kann mit Gewissheit sagen, wenn das nächste Konzert auf der MS Präsident stattfindet, werde ich wieder dabei sein.

 

P.s.: Kleiner Tipp von einem großen Menschen wie mir an die künftigen Veranstalter: Vielleicht sollte tatsächlich auf die unglaublich niedrige Deckenhöhe hingewiesen werden, denn jemand über 1,90 m hätte nicht aufrecht stehen können.

 

Text: Lydia
Fotos:  Markus Köpke (-> Facebook)

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"Eigentlich wollte ich ja nicht mehr über Musik reden... "