Über die Liebe zur Musik…

Claire, Turbostaat &
Die Antilopen Gang beim 47 Grad Festival

Vor 1 Jahr gepostet,von Eileen

Dieser Freitagabend hing mir, warum auch immer, noch in den Knochen. Müde saß ich am Esszimmertisch auf einem Holzstuhl an diesem Samstagnachmittag, den 05. Dezember 2015. Ich schaute auf die Uhr, es klingelte und wir machten uns auf den Weg.

 

In Ravensburg angekommen führte uns das Navigationssystem auf eine völlig falsche Fährte. Nach etlichen versuchen die Location zu finden, was damit endete, dass wir in einer Eishalle mit einer enormen Schlittschuhbahn landeten, fragten wir Passanten wo denn das 47 Grad Festival sei. Sie antworteten, dass sie das Festival nicht kennen würden, aber hinter dem riesigen Zirkuszelt wäre heute eine Veranstaltung.

 

Wir hatten Glück, Claire spielten erst seit zehn Minuten. Als wir den OberschwabenKlub, in dem das Indoorfestival stattfand, betraten war erstaunlich wenig los, dennoch spürte man den Bass, welchen Claire produzierten, Meter weit. Wahrscheinlich hatten mehrere Personen Schwierigkeiten, den Weg zu finden, anders kann ich es mir nicht erklären warum hier so wenig los war. Der Vorteil daran war, dass die Konzerte sehr viel intimer waren. Ich sah Claire an diesem Samstag zum dritten Mal live. Das erste Mal habe ich sie beim Openin Festival in Mannheim gesehen. Ich kannte die Band bis dato noch nicht, aber was ich hörte und vor allem sah, haute mich um. Man merkte wieder wie viel Bock die Münchner hatten. Zum Großteil wurden Songs aus ihrem Debüt „The Great Escape“ gespielt, aber auch Titel aus ihrer Aktuellen EP kamen nicht zu kurz. Vor allem Josie, der Frontfrau von Claire, merkte man die Spielfreude an. Lässig bediente sie die Samples und streckte die Faust in die Luft, wenn der Refrain zu „The next Ones to Come“ einsetzte. Wir schlossen die Augen, kreuzten die Finger und tanzten als die ersten Töne zu „Games“ den Raum zum strahlen brachten. Nach einer Dreiviertel Stunde verabschiedeten sich Claire und bedankten sich für ihr letztes Konzert 2015.

 

Ich trank einen Red Bull um auf der Heimfahrt wachzubleiben. Nun folgte der Teil das Abends worauf ich mich am meisten gefreut hatte. Endlich war es so weit: Ich konnte meine lieblings Deutschpunkband zum aller ersten Mal live erleben. „Hey Ravensburg, für alle die uns nicht kennen und sich fragen was wir machen: Wir sind Turbostaat aus Flensburg und wir machen Deutschpunk!“ Das Konzert, das eine Stunde ging, war für mich als würde ich träumen. Ich sang jeden Song mit grinsendem Gesicht mit, hier und da flossen kleine Freudentränen. Jede Platte wurde angespielt. Es gab sogar den neuen Song „Abalonia“ zu hören. Turbostaat sind für mich eine der besten Livebands, welche ich je gesehen habe. „Wir haben uns überlegt einen Beef mit der Antilopen Gang, die wir oben im Backstage trafen, anzuzetteln“, leitete Jan eine Ansage ein. „Jedoch sind die viel zu nett und viel zu nett für Hip-Hop“.

„Husum verdammt nochmal“, hörte ich mich schreien. Dann wurde es langsam still und der Staat verabschiedete sich.

 

Für eine Zigarette reichte es noch, bevor die Gang uns beschallte. „Unser Bühnenbild besteht aus einem Haufen Müll“. Ich verstand diese Zeile erst, als ich vor der Bühne stand. Das Bühnenbild der Antilopen Gang bestand wirklich aus einem Haufen Müll. Man muss dazu sagen, dass der „Müll“ das Schlagzeug der Band ist. Bestehend aus Blechtonnen, einem Einkaufswagen und verschiedenen Becken und Metallrohren. Den Spagat zwischen Rap und Punk so zu meistern wie die Antilopen Gang es vor allem live abzieht, schafft keiner.

 

Alle Hits der Platte „Aversion“ wurden gespielt. Auch die Antilopen Gang wollte einen Beef mit Turbostaat anzetteln, doch dann meinten sie, dass Turbostaat viel zu nett seien. Da zu wenig Leute im Publikum waren, gab es keine Wall of Death, sondern eine „Wall of Dan”. Der schönste Mann der Welt neben Dirk von Lowtzow aka Danger Dan stand bei dem Song „Anti alles Aktion“ alleine auf der rechten Seite und das gesamte Publikum auf der Linken. Sobald der Beat losging rannten alle auf Dan zu. Hin und wieder wurden Witze über die Stadt Ravensburg gerissen: “Hey Ravensburg, wir haben überlegt euch ein Puzzle oder eine Burg zu schenken, aber beides scheiß Geschenke, habt ihr schon.“  Das beste Beispiel, warum die Antilopen Gang live so gut funktioniert, ist „der goldene Presslufthammer“. Der Song wurde gespielt, wie man ihn auf Platte kennt, ab dem letzten Drittel mutierte das Stück live zu einer Hardcore-Punkrock-Nummer und alle drehten nochmal komplett durch. Es wurde getanzt, getrunken und gelacht, weil keiner damit rechnete. Müde, erschöpft und heiser machten wir uns auf den Heimweg. Es war ein Uhr Nachts, wir brauchten drei Stunden nach Hause. Zum Glück trank ich diesen Energydrink.

 

Jannik Bauer

About Eileen

"Eigentlich wollte ich ja nicht mehr über Musik reden... "