Über die Liebe zur Musik…

Once again I’m
feeling time sick – Sizarr in Berlin

Vor 2 Jahren gepostet,von Eileen

Wenn es um Konzerte geht, bin ich eine Anhängerin von kleinen, schwitzigen Clubs, in denen man eng, aber natürlich nicht zu eng, beisammen steht und die Stimmung von sowohl Band als auch Publikum in sich aufsaugen kann.

 

Dann gibt es aber Bands wie Sizarr, die ich einfach unbedingt erleben möchte, ganz gleich, wo sie spielen und als ich dann sah, dass sie in der Berliner Volksbühne spielen würden, war ich hin und weg. Ich erwartete ein Konzert in schicken, roten Theatersesseln und imposanter Atmosphäre.

 

Nachdem ich tatsächlich tagelang voller Vorfreude war, ging es ,mit einer Handvoll Freunde an meiner Seite, am vergangenen Montagabend in die Volksbühne. Leider erwarteten uns schwarze Klappstühle, die ziemlich doll mitwippten, wenn man sich bewegte, aber darüber kann man hinwegsehen. Also setzten wir uns, gespannt auf die uns allen unbekannte Vorband, in die dritte Reihe.

 

Als White Wine die Bühne betraten, war der Saal sehr gut gefüllt. Die Band spielte so viele Instrumente, teilweise in einem einzigen Lied, dass ich bei zehn aufhörte zu zählen, was mir persönlich stellenweise dann doch zu viel war. Mit einer Mischung aus Experimenteller -und Rockmusik waren sie definitiv eine passende Vorband für Sizarr. Spätestens, als Sänger Joe Haege von der Bühne stieg und im Publikum herumlief, wurde mir klar, wieso die Band ihr Genre auf ihrer Facebookseite als „All Over The Goddamn Place“ bezeichnet.

 

Mit jubelndem Applaus ging die Band von der Bühne. Es folgte eine kurze Umbaupause und mir fiel sofort auf, dass das Schlagzeug des Trommlers Marc Übel von Sizarr links außen stand und nicht etwa hinter dem Sänger. Besonders für diese große Bühne war diese Aufteilung sehr gelungen, weil die Band durch die eher horizontale Verteilung den Raum mehr einzunehmen schien.

 

Als sie schließlich die Bühne betraten, vernahm man von allen Seiten Ausrufe der Freude und ich rutschte auch ganz aufgeregt auf meinem Stuhl herum. Den Einstieg in das Konzert bildete „I may have lied to you“, was alle zum Mitwippen anregte, vor allem natürlich die Stühle. „Hallo Berlin, wir sind Sizarr aus Landau und wir freuen uns heute hier zu sein“, begrüßte uns Sänger Fabian Altstötter.

 

Schon beim zweiten Lied begann meine Freude über das Konzert im Sitzen zu verfliegen, weil ich wenigstens bei den schnelleren Liedern das dringende Bedürfnis hatte, aufzustehen und zu tanzen. Nach und nach sammelten sich die Leute der hinteren Plätze am Rand, denen es wohl ähnlich ging, und verfielen ihrem Bewegungsdrang.

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Ich weiß nicht, wie es in den Reihen hinter uns war, aber zumindest die Menschen, die um uns herum saßen, schienen mehr damit beschäftigt zu sein Videos per Snapchat zu verschicken, als mitzusingen. Natürlich machte auch ich ein, zwei obligatorische Photos, aber das ist eine Kultur, die ich nie verstehen werde. Mir wurde einmal mehr bewusst, wie sehr ich mich von der Stimmung des Publikums anstecken lassen kann und war plötzlich auch eher etwas gesetzter. Doch als Fabian für „Untitled“ hinter dem Keyboard saß, bekam ich Gänsehaut und war einfach nur gefesselt von der Atmosphäre, die nicht zuletzt dadurch geschaffen wurde, dass er dieses tieftraurige Lied völlig alleine auf der Bühne sitzend mit einem einzigen, auf ihn gerichteten Strahler sang. Das war ein Moment, den ich nur so beschreiben kann, dass die Musik unglaublich viel mit mir gemacht hat, ohne genau bestimmen zu können, was genau das war.

 

Nachdem die beiden anderen Bandmitglieder Marc Übel und Philipp Hülsenbeck zurück auf die Bühne kamen, fiel mir dann auch auf, dass das Schlagzeug einfach zu laut war. Natürlich kann man jetzt fragen, wie das genau gehen soll, aber es war einfach so laut, dass es die Instrumente übertöne und auch wenn ich finde, dass Sizarr stark von Melodien lebt, war mir der Gesang einfach nicht präsent genug, sobald das Schlagzeug laut mitspielte.

 

Nach einer Stunde verabschiedete sich die Band, kehrte aber voller Freude für eine Zugabe noch einmal zurück. „Danke, dass wir hier sein durften“, sagte Fabian. „Wir haben uns wirklich sehr gefreut und sehen uns dann gleich am Merchstand.“ Von rechts und links drängten dickte Nebelwolken auf die Bühne, alles war in blaues Licht gehüllt und das letzte Konzert des Jahres für Sizarr endete natürlich mit dem wohl populärsten Lied „Timesick“.

 

Auf die Traube am Merch hatte ich keine Lust, zumal ich Gespräche Autogrammen vorziehe. Vielleicht nicht so glücklich wie erwartet, aber dennoch sehr zufrieden trat ich den Heimweg an.

 

Ling.

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"Eigentlich wollte ich ja nicht mehr über Musik reden... "