Über die Liebe zur Musik…

Mit
Herrenmagazin im Studio.

Vor 2 Jahren gepostet,von Eileen

Durch mehrere Zufälle fand ich mich vorletzten Sonntag in einem kleinen Tonstudio in Bremen ein. Glückliche Zufälle, wie sich am Ende des Tages zeigen sollten. Aber beginnen wir von vorne:

Herrenmagazin spielen anlässlich der Veröffentlichung ihres kommenden vierten Albums „Sippenhaft“ zwei kleine Konzerte, bei denen sie den neuen Langspieler erstmalig  vorstellen. Der Eintritt zum Ersten  konnte per Facebook-Veranstaltung gewonnen werden, das zweite Gewinnspiel läuft zusammen mit der Vorbestellung von „Sippenhaft“ und findet auf der winzigen MS Hedi, einem Boot auf der Elbe, statt.

 

Da ich entgegen der guten Kritiken nie richtig warm mit „Das Ergebnis wäre Stille“ wurde, wollte ich natürlich niemandem die Plätze wegnehmen und ließ anderen den Vortritt. Drei  Tage später fragte man mich  dann doch als Last-Minute-Begleitung an  und geschenkten Gäulen und so weiter…
Was für ein Glück ich letzten Endes hatte, wurde mir dann schon bei den Studio-Bildern deutlich. Meine liebsten Instrumente sollten zum gewohnten Herrenmagazin-Sound dazustoßen: Ein Piano und ein Cello.

 

Den Weg zum Studio Nord Bremen fanden wir relativ schnell, auch wenn es von außen eher aussah wie ein alter Gasthof. Nach und nach kamen auch die anderen Gewinner dazu und der Einlass begann. Im Inneren  angekommen wurden  wir angewiesen die Handys auszuschalten, da das Konzert gefilmt werden würde.  Frontmann Deniz zeigte einem vorbildlich wie man sich ein Bier gegen Spende nimmt  und dieser familiäre Eindruck zog sich durch den ganzen Abend.

 

Nachdem alle ihr Bier hatten und nochmal kurz geraucht wurde, ging es dann auch schon los und die Zuschauer durften es sich auf dem Studio-Boden bequem machen. Der Abend begann direkt mit „In den dunkelsten Stunden“,  wobei  das  Publikum noch etwas schüchtern schien, was bei drei  Menschen mit Kamera aber auch nur verständlich war, bzw.  bei Konzerten im Norden ja generell  üblich ist.

Es ging weiter mit einer Reihe von Liedern vom neuen Album, beginnend mit den melancholischen „Gärten“ und „Ehrenwort“, über eine traurige Hymne wie „Käferlicht“ inklusive dem  wunderschönen Text über eine (verblichene) Liebe. Es folgte ein richtig schneller Titel  wie „Halbes Herz“, der in der Studio-Version wohl noch etwas balladiger werden wird, zumindest laut Ansage. Da die Band den ganzen Abend jede Menge Spaß hatte, kann dies vielleicht  auch nur ein Scherz gewesen sein.

 

So oder so klangen die neuen Songs sehr facettenreich, wurden dann aber von einem kurzen Block alter Lieder bestehend aus „Geht nicht über Nacht“ und „Gespenster“ unterbrochen, bei dem Deniz die Entstehungsgeschichte des Liedes erklärte (beim Weg zum Konzert und ClickClickDecker-hörend sah Deniz einen Kadaver auf dem Seitenstreifen. So entsteht also ein Herrenmagazin-Song). Bei „Geht nicht über Nacht“ riss dann noch eine Saite und die Gitarren mussten getauscht werden.

 

herrenmagazin

Foto: Maren Mull

Danach setzte sich das Programm aus neuen Liedern fort mit „Zum Teufel“ und dem titelgebendem Track „Sippenhaft“, bei denen weitere neue Elemente eingefügt wurden, so spielte Deniz  bei einem der neue Songs die Trommel, während der zweite Song mit geradezu Sprechgesang-ähnlichem Gesang von Deniz eröffnet wurde. Des Weiteren sind Herrenmagazin nun auch endlich eine „echte“ Band, weil dieser Song in Dropped- D geschrieben ist, wie Deniz uns wissen ließ. Durch die durchweg guten Ansagen hatte man trotz der anzumerkenden Nervosität (Deniz beschwerte sich mehrfach über sein durchgeschwitztes Hemd und wie scheiße das auf den Aufnahmen aussehen würde) nie das Gefühl, dass die Band einfach nur abliefert, sondern selbst unglaublichen Spaß hatten. Das machte sich auch dadurch deutlich, dass sie in Anlehnung an Prince in London nur noch Konzerte in diesem Studio spielen wollen und die Leute müssen wie bei Prince eben auch  anreisen. Wäre jedes Konzert dann so gut wie dieses hier, ich wäre sofort dabei. Bis dahin muss ich und müsst ihr wohl mit der normalen Sippenhaft-Tour vorlieb nehmen.

 

Den Abschluss gab dann mein liebstes Lied von „Das Ergebnis wäre Stille“: „In toten Hügeln“. Die Band  verabschiedete sich „mit einer Katastrophe, die niemals kommt“ zurück in einen Hinterraum des Studios beziehungsweise zum Bier in den Vorraum (Deniz).

 

Dies war aber nicht der Abschluss eines  grandiosen Nachmittags. So kam Deniz zuerst alleine wieder, um nach weiteren Publikums-Wünschen zu fragen. Einer dieser Wünsche war dann „Lilly Lametta“, für welchen allerdings auf die Band gewartet werden musste, weshalb Deniz die Zeit kurzerhand überbrückte und auf seiner reparierten Gitarre noch „Wind, der nichts als Scheiße bringt“ spielte, um anschließend mit Band die letzten zwei  Zugaben „Lilly Lametta“ und „Lnbrg“ zu spielen.

 

Damit war ein wunderschönes Konzert-Erlebnis nun  wirklich beendet und Deniz verabschiedete sich mit angetäuschtem 80er-Jahre-Quizmaster-Abklatschen.

Abschließend kann man nur danke sagen für den wunderbaren Tag und das tolle Erlebnis in so einem großen Studio mal dabei gewesen zu sein. Wenn die Lieder nur halb so gut auf Platte werden wie sie live klangen, dann hat sich das Grand Hotel van Cleef hier das 2.0 des 2003er „Hinter all diesen Fenster“ geangelt. Zwar mit viel Melancholie, dabei aber immer den Blick nach vorne gerichtet.

 

Anmerkung: Dieser Beitrag kann Fehler bei der Lieder-Zuordnung enthalten und Lieder vergessen haben, da kein Handy für Notizen vorhanden war. Da aber jedes neue Lied ein Hit war, ist dies auch nebensächlich. Kauft euch die Platte, macht beim Gewinnspiel mit. Herrenmagazin auf einem Schiff! Es wäre fahrlässig diese Möglichkeit und dieses Album zu verpassen. Für alle anderen: Da das Konzert mitgeschnitten wurde, wird es sicherlich zukünftig in irgendeiner Form ans Tageslicht kommen.

 

Sippenhaft erscheint am 7. August und gibt’s hier zur Vorbestellung.

 

Herrenmagazin auf Tour:

29.10.15 Hannover ,Bei Chez Heinz
30.10.15 Rostock, Peter Weiss Haus
31.10.15 Bremen, Tower
01.11.15 Hamburg, Übel & Gefährlich
03.11.15 Münster, Skater’s Palace
04.11.15 Oberhausen, Druckluft
05.11.15 Berlin, BiNuu
06.11.15 Heidelberg, Halle 02 Club
07.11.15 Köln, Gebäude 9
09.11.15 Leipzig, Täubchenthal
10.11.15 Nürnberg, Club Stereo
11.11.15 A – Wien, B72
12.11.15 München, Milla
13.11.15 Wiesbaden, Schlachthof
14.11.15 Jena, Cafe Wagner

Jan Schipper.

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"Eigentlich wollte ich ja nicht mehr über Musik reden... "