Über die Liebe zur Musik…

Adam Angst –
Vier Meinungen über die Wutpredigt zum Freitag

Written by Ara, 2 Jahren ago, 2 Comments

Zack – das ist es! Das wohl beste Album, das in diesem Jahr veröffentlicht wird. Gut, das mag am Anfang des Jahres recht vermessen klingen. Ebenso die pathetische Aussage „Egal, was dieser Felix Schönfuss anpackt – es knallt auf die 12!“, aber mir bleibt nichts anderes übrig, als das selbstbetitelte Debütalbum von Adam Angst pausenlos zu beweihräuchern. Das war einfach Liebe auf den ersten Ton. (Aww, that was so sweet, I think I threw up in my mouth a little bit.)

 

Elf Songs, elf kleine Annekdoten des Alltags, die dem ein oder anderen ganz bekannt vorkommen dürften. Das ach so perfekte Abendessen bei Freunden, die man sowieso nicht leiden kann und das beschissene Meeting in der Firma, auf das man definitiv keinen Bock hat (Was der Teufel sagt). Die Tatsache, dass am Ende vom Geld noch viel zu viel vom verkackten Monat übrig ist (Am Ende geht es immer nur um Geld) und dass man irgend wann einfach Mal genug von dem ganzen Scheiß um sich rum hat und einfach nur weg will (Flieh von hier). Einfach alles auskotzen – Adam Angst bieten euch die richtige Plattform. Schlechte Laune? Einmal Adam Angst auf den Plattenspieler, schon sieht die Welt nur noch halb so schlimm aus.
Und wer nun einen billigen Abklatsch von Escapado oder Frau Potz erwartet, kann getrost nach Hause gehen. Klar, es wird viel geschrien, die Musik schrammelt stellenweise ähnlich laut von Song zu Song – aber Adam Angst ist viel mehr als das. Das groovt, klingt zwischendurch mal wie Bela B. (Was der Teufel sagt), und wird mit „Altar“ am Ende des Werks – zumindest zwischenzeitlich – wunderbar kitschig poppig. Zwei Daumen hoch, Anspieltipp: Professoren / Wunderbar / Was Der Teufel Sagt. Und jetzt Fresse halten & Platte kaufen!

– Ara.

 

Zugegeben, Adam Angst (das Album, nicht die Band 😉 ) war bei mir keine Liebe auf den ersten Blick. Ich habe das Album bekommen, 1-2 Tage gehört und dann weggelegt. „Nicht meine Tasse Tee“  dachte ich mir. Als ich dann eine Woche später plötzlich einen Ohrwurm von „Ja, ja, ich weiß“ hatte, wollte ich es mir aber doch erneut anhören. Und auf ein Mal hat es doch gefunkt.

 

Die Platte ist nicht einfach nur zum zuhören, es ist ein Album zum mitdenken. Während ich mich am Anfang nur leicht habe berieseln lassen, habe ich beim zweiten Mal genauer hingehört. Jeder einzelne Song schreit nur so vor Inhalt. Keine leeren Zeilen, keine Lückenfüller und stattdessen 100% Kritik was in unserer Gesellschaft kaputt ist. Beinahe jedes brisante Thema der letzten 12 Monate wird abgefertigt. Das Album lebt gerade nur von seiner Aktualität. Anfangs dachte ich, es würde dazu führen, dass das Album dadurch in einem Jahr „veraltet“ wäre. Wer kümmert sich noch in einem Jahr um Markus Lanz? Allerdings sind die meisten Probleme wie Alltags-Rassismus, Realitätsverlust mancher Bürger oder abgrundtief nervige Kollegen doch eher zeitlos und werden (leider!) nicht so bald verschwinden. Ich habe wirklich bei jedem einzelnen Song direkt ein Bild einer Situation vor Augen, zu der das Lied mir aus der Seele spricht.

 

Adam Angst ist musikalisch eine der fettesten Produktionen die ich seit langem gehört habe. Die kompletten Arrangements, jeder Trommelschlag, jedes Gitarren-Riff, jeder Stimmen-Effekt ist genaustens platziert um die Texte musikalisch zu verstärken. Ich hoffe sehr dass die Band live mit der Stärke der Produktion mithalten kann.
Liebling ist mit weitem Abstand „Splitter von Granaten“. Ich könnte jede einzelne Zeile zitieren. „Ja, ja ich weiß“ hat als erste Single einen sehr guten Eindruck vom kompletten Album gegeben und ist jetzt auch noch einer meiner Favoriten. Und ich würde liebend gern öfter das tun „Was der Teufel sagt“ aber wenn ich ehrlich bin, geht es mir dann doch eher genau wie dem Lyrischen Ich des Songs.
Fazit: Wer die politische Ideologie von Adam Angst teilt, könnte mit dem Album sehr viel Spaß und Wut haben. Wer es nicht tut soll sich verpissen.

– Joscha.

 

Adam Angst ist wütend, Adam Angst ist schlecht gelaunt. Adam Angst ist pessimistisch und scheinheilig noch dazu. Ein unsymphatischer Typ, mit dem man eigentlich nichts zutun haben möchte. Aber letztendlich ist er auch nur eine fiktive Gestalt, vollgepackt mit allem worüber Felix Schönfuss sich aufregt und was ihn beschäftigt. Ein Auskotzen mit viel Hass, Wut und vor allem Wortgewandtheit!

 

Textlich trifft er damit genau den Nerv der Zeit. Die Themen sind aktueller denn je oder lösen dieses altbekannte „ja scheiße, das denk ich auch immer!“-Gefühl aus. So bekommt in einem tobenden Rundumschalg jeder sein Fett weg, seien es die derzeit besorgten Bürger & ihre rassistischen Stammtischparolen, Politiker, die verhassten Kollegen oder exzessive Partymenschen. Ich höre Adam Angst zu, nicke zustimmend mit dem Kopf, schreie „ja verdammt!“ und rege mich auf. Und Aufregen tut manchmal richtig gut! Aber mit Wut über Probleme wettern tun derzeit sogar die Musiker im Radio. Musikalisch hat Adam Angst das Rad damit nicht neu erfunden und reiht sich für mich in den gegenwärtigen Kreis „Punkrock mit deutschen Texten“ ein. Und nicht ohne Grund wurde da des öfteren auch der die Ärzte-Vergleich in den Raum geworfen. Zum Glück gibt es aber ebenfalls viel Geschrei und Geschrammel,  neben den manchmal etwas kitschigen Einspielern. Der ausklingende Chor mit Pfeifen und Marschieren in Splitter von Granaten passt hingegen so gut zur Stimmung des Songs, dass ich jedes Mal für einen kurzen Moment eine Gänsehaut bekomme.

– Annika.

 

Wenn Adam Angst tatsächlich der neue Jesus Christus ist, würde ich in diesem Leben doch noch mit dem Glauben anfangen.

 

Als eben dieser stellt sich die neue Band um Felix Schönfuss satirisch vor und baut mit dem Intro schon ordentlich Spannung auf, die sich zum Teil in den nächsten Sekunden wieder entlädt wenn die schrille Stimmfarbe erklingt. Rotzig wird sich frei von der Leber weg über Gesellschaft, Beziehungen, Politik und Alltag ausgekotzt. Das kann der Typ ja auch einfach am besten, wie man schon an ehemaligen Bandprojekten erkennen konnte. Musikalisch zeigt sich das neue Unterfangen sehr vielseitig und experimentell. Mal wird der Hörer von einem Tango überrascht, plötzlich kommen für einen Bruchteil die Gedanken an Schlagermusik hoch. Auch sing Felix im Gegensatz zum beißenden Krakeelen an häufigen stellen ungewohnt klar.

 

Zwischen der erschreckenden Identifizierung mit „Wunderbar“ und der Gänsehaut bei „Splitter von Granaten“, muss ich mir dennoch selbst eingestehen, dass mich die 39 Minuten nicht zu 100% mitreißen und ich noch einen Hauch mehr erwartet habe, womit sich Adam Angst von der Menge des deutschen Punks abheben. Nichtsdestotrotz ist das ein großes Album einer authentischen neuen Kombo mit selten so wichtigem und zeitgetreuem Inhalt.

– Eileen.

 

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ADAM ANGST live

10.03.2015 – Köln, Underground
11.03.2015 – Hamburg, Molotow
12.03.2015 – Berlin, Cassiopeia
13.03.2105 – Dresden, Beatpol (nur Abendkasse)
14.03.2015 – Nürnberg, Club Stereo
15.03.2015 – Frankfurt, Elfer Club
17.03.2015 – Stuttgart, Keller Klub
19.03.2015 – Hannover, Chez Heinz
20.03.2015 – Oberhausen, Druckluft
21.03.2015 – Osnabrück, Glanz & Gloria

About Ara

Ganz egal, ob die Welt jetzt untergeht - ich will mein Tape nur noch zu Ende hören...

  1. Julian4. Juni 2015, 10:10

    Gehört im Radio, und es war Proffesoren und ich dachte so hui.

    Weil dadurch neugirde geschürt wurde , ab zum Platten laden und geholt.Eingelegt und erstmal laut gehört.Fazit Adam angst ist durchaus eine fikive wütende Person, die aber auch viel zu sagen hat. und alles was dort auf dem Tisch kommt ist naja , es ist war und es darf wehtun. Musik die einen mal eben zeigt das nicht alles so wunderbar und toll ist wie es den schein hat. Und vorallem es macht spass die Scheibe zu hören, und ich bin sehr auf Live gespannt aufm Festival.

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  2. Paul3. September 2015, 18:07

    Grad zufällig diesen Blog entdeckt und wollte nur zustimmen. Adam Angst findet m. E. die fast perfekte Mischung aus Hass und Liebe. Allein das Video zu „Professoren“ … und „Splitter von Granaten“, keine Rede Song des Jahres bis jetzt. „Ja, ja ich weiß“ etc. pp.
    Ich versteh nur dem Ärzte-Vergleich nicht ganz. Aber egal. Ich mag beide.

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