Über die Liebe zur Musik…

Low-Budget Produktion meets Intensität
– Die Metalkombo Comatic Sleep in der Vorstellungsrunde

Vor 3 Jahren gepostet,von Eileen

_MG_0367_webAn einem Montag im August traf ich Jan und Roman, die beiden Köpfe von Comatic Sleep, in Charlottenburg – dem Entstehungsort der Band. Keine zwei Wochen vorher, wurde die erste Demo Pale veröffentlicht und via Facebook, Soundcloud und Spotify zur Verfügung gestellt.

Meine Aufmerksamkeit wurde durch eine gemeinsame Freundin geweckt und so stand fest, dass mein erster Lieblingstape Beitrag diesen Jungs gewidmet werden soll und nichts war da passender als ein Interview.

 

Jan und Roman sind zwei Wahlberliner deren Wege sich 2012 an der Hochschule der populären Künste (HdpK) kreuzten und es sie durch diesen Zufall auch in eine gemeinsame Wohnung verschlug. Dadurch wurde den beiden klar, dass sie nicht nur auf menschlicher sondern auch auf musikalischer Ebene miteinander harmonieren.

 

Mit Bier, Decke und Tabak gewappnet lassen wir uns am Spreeufer nähe Mierendorffplatz nieder und sind alle drei gespannt, wie das jeweils erste Interview für uns verläuft. Soviel sei zu sagen, es war halb so schlimm und ich hatte zwei tolle Gesprächspartner, denen ich jedes Wort abgenommen habe. Denn sie spielen wirklich keine Rollen, sondern sind Comatic Sleep aus voller Leidenschaft und mit Herzblut.

 

LT: Kennengelernt habt ihr euch an der Uni. Was genau studiert ihr beiden denn?

 

Roman: Musikproduktion, ja.

Jan: Ich habe mit Klavier als Hauptfach angefangen und dann irgendwann als Nebenfach Gitarre gehabt, was ich davor nur hobbymäßig gemacht hatte. Eigentlich haben wir uns durch diesen ersten Song, welcher eigentlich eine Hausarbeit war, musikalisch kennengelernt. Während wir Home aufgenommen haben, merkten wir, dass das ziemlich gut klappt. Es kam die Zwischenprüfung bei der wir den Track dann gespielt haben und viele Leute meinten ‘Ey Roman, fang doch mal an zu singen.‘ Nach 1 1/2 Minuten Überlegen hat er „Gesang“  zu seinem Hauptfach gemacht – mal kurz.

 

 

 

LT: Und wie lang hat es dann gedauert bis klar war, dass ihr Comatic Sleep gründet bzw. ihr überhaupt angefangen habt zusammen Musik zu machen?

 

 

 

Jan: Also Home war überhaupt nicht die Musikrichtung die wir beide hören oder machen wollen. Und irgendwann, an einem Abend, saßen wir mit zwei Gitarren da und haben gejammt wie die Wilden. So hat sich das dann schleichend ergeben, dass wir gerne Musik zusammen machen und eben auch die Richtung die wir beide bevorzugen, eben ein bisschen härter.

Das Ganze ging dann einfach über in ‚Wir setzen uns zusammen, schreiben Songs und produzieren das gleichzeitig.‘

 

 

Roman: Da lief ganz viel über ausprobieren. Wir haben anfangs viele Nonsens-Songs geschrieben, einfach um ein bisschen Musik zusammen zu machen, um sich kennenzulernen.

 

Wie funktioniert der Andere überhaupt? Wie funktionieren wir zusammen? Und so hat sich das im Laufe der Zeit eben entwickelt, dass wir dann auch angefangen haben Songs für die Demo zu schreiben.

 

 

LT: Also habt ihr irgendwann gezielt darauf hingearbeitet die Band auszubauen und was zu starten?

 

 

Jan: Das ist der Traum,  auf der Bühne zu stehen! Und irgendwie war das der Startschuss, darauf hinzuarbeiten.

 

 

LT: Habt ihr vorher auch schon in Bands gespielt?

 

Jan: Ja, wir haben beide schon ein paar Bands durch.

 

 

LT: Und immer in Richtung Metal oder habt ihr auch mal was anderes ausprobiert?

 

Roman: Bei mir wars immer grundsätzlich Metal. Oft nur Gitarrenbegleitung.

 

Ich muss dazu sagen, das ist meine erste Band in der ich nur singe. Was eigentlich auch ein ziemlich spannender Faktor ist und das ist echt Neuland für mich. Da hab ich Bock drauf (energischer Tonfall).

Jan: Ich komme eigentlich vom Klavier. Auf der anderen Seite habe ich irgendwann mit Gitarre angefangen. Eigentlich auch immer nur in Bands, bei denen es irgendwie härter zuging. Also der Ausgleich zum Klavier, war dann eher immer etwas lauter.

 

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LT: Eure Demo ‘Pale’ habt ihr komplett allein aufgenommen und produziert. Das mag ja noch funktionieren zu Zweit aber bei Auftritten wird das schon schwieriger. Wie fand denn die Auswahl der Musiker statt, die jetzt noch hinter euch stehen und mit denen ihr auch Gigs spielen werdet?

 

Roman: Also zwei Leute, der Gitarrist Kai und Leo unser Drummer, mit denen spiele ich auch in Münster in einer Band. Das heißt die kenne ich auch schon länger und mache schon länger mit ihnen Mucke – schon seit Jahren eigentlich. Und ich weiß was die an ihren Instrumenten können und das sie’s können. Das war für mich ‘ne klare Kiste dass wir die Beiden auf jeden Fall dabei haben, weil sie genau das verkörpern und bringen was Comatic Sleep an Sound und Leidenschaft braucht.

Die Leute ticken einfach genauso wie wir. Es passt menschlich und es sind super gute Jungs.

Und Max ist aus meinem Studiengang – unser Basser.

 

Jan: Und momentan ist es so, wir wollen so schnell wie möglich auf die Bühne. Wir haben da auch gar nicht lang gefackelt. Lange suchen kam da gar nicht in Frage.

Jetzt geben wir Gas und proben. Und es funktioniert.

 

LT: Aber nun sind Münster und Berlin ja nicht um die Ecke. Wie funktioniert das auf der Entfernung?

 

Jan: Das ist scheiße. (Gelächter)

 

Roman: Das ist natürlich kein Katzensprung, klar. Aber wir haben da ‘ne ganz gute Lösung gefunden. Wenn wir etwas Neues komponiert haben fahren wir eine Preproduction, wo die Jungs dann die Stems rübergeschickt bekommen – also die einzelnen Audiospuren für ihr Instrument und die ganzen Songs. Das können sie dann zu Hause anhören und proben. Und dann treffen wir uns in Berlin oder eben auch in Münster, da schmeißen wir dann alles zusammen und proben das Zeug.

Und das funktioniert echt erstaunlich gut.

 

LT: Wie lang dauert denn eigentlich so ein Entstehungsprozess eines Demos? Kann man das irgendwie eingrenzen?

 

Jan: Meistens sitzen wir irgendwo zusammen und uns fällt irgendein Gitarrenriff oder eine Gesangsmelodie ein. Dann nehmen wir die Ideen auf und müssen es „meistens“ natürlich nochmal ordentlich recorden (lacht). Um ein Demo aufzunehmen hat man heutzutage ohne Budget relativ gute Möglichkeiten. Deshalb ist es super, dass wir das zu Hause machen können aber es ist natürlich nicht das Nonplusultra. Wir wissen wo unsere soundtechnischen Schwächen liegen. Für ein Demo sind wir allerdings zufrieden mit dem jetzigen Klang, auch wenn man eigentlich nie aufhören kann zu schrauben.

 

Der Prozess hat schon eine Weile gedauert aber einfach auch, weil wir uns keinen Stress gemacht haben. Dadurch, dass wir zusammen wohnen, können wir uns die Nächte um die Ohren schlagen. Da passiert es schon mal, dass wir an einem Tag den Song schreiben und ihn am nächsten fertig produzieren.

 

 

Roman: Das ist bei uns auf jeden Fall ziemlich extrem. Wenn wir uns ran setzen, die Idee gut finden und auch merken das es voran geht, dann werkeln wir auch so lange daran bis es für uns perfekt ist.

 

 

LT: Nun stehen momentan ja noch keine Gigs an aber wenn wir uns mal vorstellen, ihr könntet euch aussuchen mit wem ihr spielt, was wäre da dann euer Wunschdenken?

 

Roman: (lacht erstmal dreckig)

Jan: DJ Bobo (Gelächter)

Roman: DJ Bobo steht auf jeden Fall ganz oben auf der Liste.

 

LT: Das würde musikalisch auch einfach perfekt passen! Das ergänzt sich ja einfach.

 

Roman: Absolut.

Die Liste ist lang! Wir haben viele Bands auf die wir stehen, mit denen wir uns natürlich auch super gerne mal die Bühne teilen würden. Vieles ist natürlich schwieriger zu erreichen als anderes.

Aber, was gibt‘s da für Bands? Bisschen Name-Dropping.

So unsere größten Einflüsse: Katatonia, Ghost Brigade, Opeth.

(schaut zu Jan) Hilf mir!

 

 

Jan: Ich weiß gar nicht so genau ob ich das so sagen kann. Ich glaube einfach, dass wir relativ breit aufgestellt sind was das angeht. Resi – unsere Promoterin und Bookerin – meinte, dass sie schon viele Ideen hat wo sie uns reinstecken möchte. Wir sind einfach gespannt und erstmal für alles offen. Und natürlich wäre es Wahnsinn irgendwann einmal mit Bands, die Roman nannte, die Bühne zu teilen.

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LT: Seid ihr dann jetzt auch auf Label Suche?

 

 

Roman: Also erst mal spielen und die Bühne kennenlernen, auch mit den Jungs. Die Sache mit den Labels ist natürlich schön wenn man sowas hat, aber steht jetzt nicht oben auf der Liste.

 

Jan: Wir haben gemerkt, dass wir auch erst einmal viel selber machen können. Und es eben wichtig ist, gute Leute an Bord zu haben.

Wenn die Promotion stimmt und dass was wir machen Hand und Fuß hat, dann ist die Rolle des Labels jetzt erst mal noch außen vor. Jetzt müssen wir schauen wo‘s lang geht und wie das ankommt was wir machen/ wie wir Live ankommen. Einfach erst einmal viel spielen.

 

LT: Die Frage aller Fragen: Was wollt ihr mit euer Musik transportieren und nach Außen tragen?

 

Roman: Also mein musikalischer Background bewegt sich sehr in der Metal-Schiene. Ich hör sehr viel Musik die so funktioniert wie Comatic Sleep und das inspiriert mich natürlich total, textlich sowie musikalisch.

 

LT: Könnt ihr Eure Platte mit eigenen Worten beschreiben und wenn ja, wie würdet ihr das jemanden Nahe bringen?

 

Roman: (mit Nachdruck) düster – melancholisch – und tief.

Jan: (überlegt, lange.)

Roman: Auf jeden Fall echt! Es geht nicht um irgendeine Effekthascherei alla ‘Oh, das klingt jetzt total düster.’ sondern es sind wirklich echte Gefühle und echte Lyrics die da reinspielen. Es ist nicht einfach irgendeine Show die da passiert. Da findet eine Verarbeitung statt.

 

Jan: Mir fällt es schwer das jetzt in ein paar Worten oder Sätzen zu sagen. Was ich immer ziemlich krass finde ist, dass wenn wir schreiben – gerade wenn wir Texte schreiben – nimmt uns diese Stimmung immer komplett ein und ich stecke plötzlich in der beschriebenen Person oder der Situation.

Viele Dinge oder Gefühle hat man schon selber erlebt und daher ist es oft sehr intensiv, sich da ran zusetzen und alles zu kombinieren – eine Stimmung mit der Musik zu erzeugen und eigene Erfahrungen oder Gemütszustände mit den Texten zu teilen.

 

LT: Und nun die Lieblingstape Frage. Was gehört auf euer Sommer-Roadtrip-Lieblingstape?

 

Jan: Momentan weiß ich was. Auf jeden Fall Wolves Like Us, Katatonia – am besten die Akustikplatte. DJ Bobo.

Roman: (sehr ernst) Nein. Nicht!

Jan: Auf’n Sommertrip hast du gesagt? (Stille)

Roman: Boah, schwierige Frage. Das ist echt super viel Mucke. Wenn ich in die Heimat fahre ist das schon immer so, dass ich 12 CD’s mitnehme weil ich mich nicht entscheiden kann. Ich nehm einfach alles mit. Dieses Tape würde demnach ziemlich lang werden.

 

LT: Ich hätte es halt nur mal interessant gefunden, ob es da auch Genres außerhalb des Metal‘s gibt.

 

Jan: Wir hören zum Beispiel – ich weiß nicht, ob das cool ist wenn das in einem Interview erscheint – Georg Benson, perverser Typ, wirklich! (Gelächter)

80′s geht immer klar.

Roman: Phil Collins, Genesis demnach auch.

Jan: Ich hör auch gern mal guten Oldschool Hip Hop.

Roman: Cypress Hill.

Issues, nicht zu viel aber auf jeden Fall ein bisschen Issues.

 

LT: Vielen Dank, das wars!

 

 

 

Wenn ihr Bock auf die Jungs und deren Demo Pale habt, dann folgt, liked und hört sie auf den einschlägigen Plattformen.

 

Das Interview führte Lydia Otte.

Fotos von Mone Photographie

 

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"Eigentlich wollte ich ja nicht mehr über Musik reden... "