Über die Liebe zur Musik…

Ein Typ, eine Gitarre
und ganz viel Liebe: Tigeryouth.

Vor 3 Jahren gepostet,von Eileen

Tilmann Benning ist gebürtiger Ibbenbürener, aber fühlt sich nirgendwo mehr zuhause, als in der Momentaufnahme – so lange sie nicht Alltag heißt.

 

Als ich ihn am 14. Mai zu einem kleinen Fragen-Memory traf, ist das „Home“, wo gerade unser „Heart“ ist, eine zerschlissene Bank im Berliner Lovelite, wo wir uns zwischen Pizza, Schnaps und Kippen befanden und plauderten.

Wir vernichten einen ersten Pfeffi und auf die Frage hin, ob sich Tilmann aka. Tigeryouth vorstellen könne jemals so richtig sesshaft zu werden, antwortete er ausdrücklich, dass er überhaupt keinen Gedanken daran verschwendet früher oder später etwas anderes zu machen, als das was ihn jetzt und hier durch die Gegend treibt. So glaubt er daran auch noch im Alter von 75 Jahren, und dann selbstverständlich im Sitzen, Musik zu machen.

 

Wenn Tilmann mit umschlungener Gitarre vor einem steht und seine Texte mit geschlossenen Augen, voller Gefühl und Leidenschaft entgegen brüllt, dann will man selbst alles, nur nicht, dass dieser Mensch einem seriösen Beruf zum Opfer fällt.
Dass die Musik ihm einfach alles bedeutet und jedes Molekül um die beste Sache herum zur Nebensächlichkeit wird, nimmt man ihm an dieser Stelle von Kopf bis Fuß ab.

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Tilmann hat alleine im letzten Jahr über 150 Konzerte gespielt. Dabei konnte er noch nicht mal ein richtiges Album vorweisen. Seit Mai ist es draußen. Aber warum hat das eigentlich so lange gedauert!? „Leere Gläser“ wurde ganze fünf Mal aufgenommen. Dabei ist er gar nicht der Typ für Aufnahmen, denn die kosten schließlich Zeit.

Vor bereits einigen Jahren schickte Tilmann an Renke, dem Labelbetreiber von Zeitstrafe, ein Demo, dabei wurde dieses wahrscheinlich noch nicht mal gehört. Doch vor nicht allzu langer Zeit war er es, der selbst gefragt wurde, ob er nicht Bock hätte auf seinem Lieblingslabel ein Album zu veröffentlichen. Wenn das also mit den Albumaufnahmen alles nicht so lange gedauert hätte, wäre Tigeryouths Debüt wahrscheinlich nie auf Zeitstrafe erschienen. Demnach ist das Ganze gut so wie es ist und Renke ist der geilste Typ der Welt. Also alles wie immer.

 

Auf den Bildschirmen unserer surrealen Welten wurden wir als Konzertbesucher des Öfteren dazu angeregt den Künstler doch bitte mit Tabak zu versorgen. Als ich Tilmann die erste Zigarette reichte, beschwor er direkt, dass er nie mit dem Rauchen aufhören dürfe, denn sonst könne er die Hälfte seiner Lieder nicht mehr spielen. Stimmbandpflege betreiben also die Anderen.

 

Dabei ist er derzeit einen Monat lang auf Tour und muss sich Abend für Abend zwingen nicht zu tief ins Glas zu gucken, um uns seine Erzählungen weiter verständlich zu machen. Das mit der Konsum-Einschränkung funktioniert so semi-gut. Doch dem entgegen wirken kleine helfende Zuschauertipps wie Whisky mit heißem Wasser, um das Reibeisen in Schacht zu halten. Darauf trinken wir einen Pfeffi, doch der nächste wird Leif Marcussen gereicht.

 

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Leif ist mit Tilmann zusammen unterwegs, tritt im Vorprogramm auf und ich habe ihn zuvor noch nie singen gehört. Als es jedoch so weit war, blies es mich weg. Im Gegensatz zu Tigeryouth singt Leif Marcussen auf Englisch, mit weniger Gebrüll aber trotzdem energisch, mal leise, mal laut. Tilmann stimmt mit ein. Wunderschön! Wenn Tigeryouths Musik ein Mensch wäre, dann würde er Leif Marcussen heißen. Hier haben sich zwei gefunden.

 

Es sind einige Leute gekommen um ihre Herzen für Tilmanns Mix aus Ehrlichkeit und Emotionen zu öffnen. Berlin macht es einem als Künstler dieses Mal leicht: Man hätte die Stecknadel hören können, wie sie auf den Boden trifft, so ruhig waren alle Anwesenden während der leisen Passagen. Im Kontrast wird bei den leidenschaftlichen Stellen kräftig mitgesunden. Ich verschütte fast mein Bier, weil ich vor Rührung ganz schwach werde.

 

Bis die Posttourdepression wieder einschlägt dauert es noch eine Weile, denn Tigeryouth ist mit seinem Akustik-Punk-Programm noch ein paar Tage unterwegs. Guckt doch vorbei und spendiert ihm ‘ne Kippe:

 

22. Mai 2014 – Aachen, Musikbunker w/ The Truth
23. Mai 2014 – Koblenz, Le Box w/ The Truth
24. Mai 2014 – Trier, Wohnzimmer/Mosel w/ The Truth
25. Mai 2014 – Ravensburg, Mr. Pink
27. Mai 2014 – Innsbruck, Bäckerei
28. Mai 2014 – Graz, Sub
29. Mai 2014 – Wien, Spice
30. Mai 2014 – Pilsen, Francis
31. Mai 2014 – Halle, Haltmich.Fest
01. Juni 2014 – Erfurt, Orange Jungle
02. Juni 2014 – Potsdam, Kuze
03. Juni 2014 – Paderborn, Alles ist gut
04. Juni 2014 – Münster, Baracke w/ Käfer K, Leif Marcussen
05. Juni 2014 – Hannover, Herzblut w/ Leif Marcussen
06. Juni 2014 – Emden, No. Fünf
07. Juni 2014 – Ellerforf, Wilwarin-Festival

Fotos: Brave & Special

About Eileen

"Eigentlich wollte ich ja nicht mehr über Musik reden... "