Über die Liebe zur Musik…


estét Budapest!

Vor 3 Jahren gepostet,von Ara

Neun Stunden Zugfahrt. Das klingt in erster Linie nach schmerzenden Körpergliedern und Langeweile. Und dennoch hatte ich mich dafür entschieden, diese Strecke auf mich zu nehmen, um mir am Abend des 06. März 2014 das Konzert von Frank Turner und den Sleeping Souls anzusehen! – Spielt der nicht auch in Deutschland? Siehst du den nicht ohnehin mehr als einmal? Beide Fragen kann ich mit ja beantworten und dennoch ist eine neunstündige Zugfahrt in ein Land, das ich noch nie zuvor betreten habe, irgendwie aufregender als eine eineinhalbstündige Autofahrt nach Darmstadt.

 

Also mal eben um 06:00 Uhr morgens aufgestanden, fast den Zug nach Ungarn verpasst und letztendlich viel zu wenig geschlafen. Die Vorfreude auf die noch unbekannte Stadt und das Konzert am Abend waren einfach zu groß. Knapp zwölf Stunden später fand ich mich in einer Gruppe voller Musikfans aus ganz Europa (Irland, England, Niederlande, Italien, Deutschland, Österreich, Ungarn)  im Restaurant der A38 wieder. Die A38 ist ein Schiff, das nahezu permanent auf einem Fleck der Donau steht und in dem wenig später auch das Konzert stattfand.
Ducking Punches @ Budapest - Foto: Arabell WalterZu unserer Überraschung stießen wenig später auch noch weitere bekannte Gesichter im Form der Sleeping Souls, deren Crew und Frank Turner hinzu, nahmen den Nachbartischen Platz. Ein seltsamer und doch irgendwie amüsanter Zufall!

 

Als rund zwei Stunden später, um 20:00 Uhr, Dan Allen aka Ducking Punches auf der Bühne stand, war der Konzertraum des A38 noch auffällig leer. Schade, ich hätte ihm definitiv mehr Aufmerksamkeit gewünscht und doch haute mich sein Auftritt wie erwartet um. Natürlich ist der Unterschied zwischen seiner Platte (auf der er mit Band zu hören ist) und einer solchen Live-Show deutlich spürbar, doch für mich hätte es an diesem Abend keinen besseren Auftakt geben können.  Ob nun „Cursed Luck“ oder „Big Brown Pills From Lynn“, ich genoss die Songs und „Six Years“ sorgte für den erwarteten Klos im Hals. Starker Auftritt – schade, dass eine halbe Stunde immer so schnell verfliegt.

 

Andrew Jackson Jihad / Frank Turner @Budapest - Foto: Arabell WalterIm fliegenden Wechsel kamen Andrew Jackson Jihad auf die Bühne – oder eben zumindest die beiden Bandmitglieder, die mit auf die Tour gekommen waren. Vorab hatte ich sie mir schon einmal bei Spotify angehört und dort auch für richtig gut und v.a. für sehr lustig befunden – allerdings war den Sound im vorderen Teil eher mittelmäßig, weshalb ich kaum was von den Texten verstand. Aber mir bleiben glücklicherweise noch einige Auftritte, um die Jungs gebührend zu feiern. Das absolute Highlight ihres Auftritts war natürlich die Tatsache, dass sich Frank Turner nach dem halben Set hinter das Schlagzeug setzte und wie ein kleiner Junge auf das kleine Kit eindrosch. Die Hälfte der Songs, die folgten, hatten sie in dieser Kombination noch nie zuvor live gespielt und die Stimmung war dementsprechend sehr ausgelassen und übertrug sich schnell auf das Publikum.

 

Die Umbaupause bis zu den Sleeping Souls zog sich ein wenig – doch kurz vor zehn Uhr kamen die vier samt Frank auf die Bühne. Man, war das ein gutes Gefühl, die Jungs nach einem halben Jahr wieder live zu erleben. Aber noch besser war es, Frank wieder ausgelassen Gitarre spielen zu sehen! Zugegeben, „Photosynthesis“ als Opener ist mehr als nur ungewohnt, doch immerhin sorgte es dafür, dass die Stimmung von Anfang an mehr als nur gut war. Als würde ein Fußballspiel mit drei Treffern für die eigene Mannschaft beginnen!

 

Es war der erste Auftritt von Frank und den Sleeping Souls in Ungarn – doch wenn man sich einmal umsah, hätte es locker der zehnte sein können. Das komplette Schiff sprang, tanzte und sang jeden einzelnen Song mit. Respektvoll, wie Frank nun einmal ist, bedankte er sich artig in Ungarisch – einer den unverständlichsten Sprachen dieser Welt. Die Menge johlte – vor allem bei seiner Ungarischen Version von „Eulogy“ –, wir, die wir aus dem westlichen Europa kamen, verstanden in etwa so viel wie seine Bandkollegen. Für die Unterhaltung war daher bestens Frank Turner & Sleeping Souls @Budapest - Foto: Arabell Waltergesorgt! Die Stimmung brach nur kurz ab, als ein Fan, wie Frank so schön sagte, Spaß hatte und mit seinem Spaß die anderen massiv störte. Nachdem das eine Weile so ging, bat Frank den jungen Herrn mit einem „No it’s not about to calm down – go in the fucking back!“ ein wenig weiter hinten im Raum Stellung zu beziehen. Schade, dass es wohl immer wieder zu solchen Zwischenfällen kommen muss.

 

 

Zum Glück blieb es bei diesem einen Vorfall und letztendlich war ich nur ein bisschen traurig, dass „I Am Disappeared“ wieder in der neuen Version (die  solo beginnt und in einer Bandversion endet) gespielt wurde. Aber abgesehen davon war es ein Konzert, wie es im Bilderbuch steht und die fünf Engländer haben wieder einmal bewiesen, warum sie zu den besten Livebands zählen, die aktuell durch die Welt reisen. Heute geht’s in Prag weiter und ich kann es schon gar nicht mehr erwarten!

About Ara

Ganz egal, ob die Welt jetzt untergeht - ich will mein Tape nur noch zu Ende hören...