Über die Liebe zur Musik…

Abriss, alter,
Abriss! Turbostaat in Berlin

Vor 4 Jahren gepostet,von Eileen

IMG_5410Berlin: Stadt der Angst.

Kaum angefangen, da ist sie auch schon vorbei, die Turbowoche. Einen Konzertmarathon will ich es nicht nennen, da sind wir ja schon anderes gewohnt, aber die 4-Tage-Party war unfassbar großartig.

4 Läden. 4x Turbostaat. 4x ausverkauft.

 

Nachdem ich schon über das kleine spezielle Solikonzert im Schokoladen berichtete, ging es am nächsten Tag ins Bi Nuu. Freiburg eröffneten den Abend. Geil. Auf die freute ich mich besonders! Sie sich selbst sicher auch. Und umso größer war die Enttäuschung, als nach einiger Zeit der Sound nicht mehr mitspielen wollte. Der Strom flüchtete teilweise komplett aus den Gerätschaften. Die Gesichter der Bandmitglieder wurden düsterer, dabei war dem Publikum doch bewusst, dass die Musik von Freiburg nur für Bereicherung sorgte. Mir gefiel der Auftritt, bis auf die betrübten Gemüter die am Ende von der Bühne gingen, trotzdem.

 

Turbostaat sind an der Reihe und es dauert nicht lange bis die Anlage auch ihnen einen Strich durch die Rechnung machte. Die Bande nahm es aber mit Gelassenheit, pausierte kurz und stimmte dann wieder an der Stelle ein, wo sie unterbrochen wurden. Das war glücklicherweise der letzte technische Patzer des Abends. Die Reihenfolge der Lieder entsprach dem Vorabend im Schokoladen, bis auf zwei Ausnahmen namens „Am Ende einer Reise“ und „Und unendlich viel Geld“ – ein Bonustrack der Stadt der Angst Platte, den ich wirklich lange Zeit nicht gehört habe. Meine Freude war groß. Groß war übrigens auch das Publikum. Dabei stand ich schon ziemlich weit vorne und hatte trotzdem erhebliche Einschränkungen im Sichtfeld. Aber das nur nebenbei. Viel wichtiger war doch die Tatsache, dass die Stimmung um einiges besser war als am Tag davor. Wahrscheinlich macht da doch die Menge der Leute den Unterschied.

 

Eben jene blieb am nächsten Abend zumindest von der Anzahl her gleich. Täglich wiederkehrende Gesichter wurden trotzdem ausgemacht, als wir im Lido ankamen. Der ehemalige Kindosaal füllte sich langsam. Vielleicht wusste die Mehrzahl der Leute auf was sie sich einließen, falls sie den Support mitansahen.

Ascetic kommen eigentlich aus Melbourne und ansonsten konnte auch keiner Verstehen warum ausgerechnet die plötzlich auf der Bühne stehen mussten. Hat doch bestimmt Roland angeschleppt. Was uns dort jedenfalls aufgetischt wurde, war eine Mixtur aus der ausgestorbenen Spezies ‚Emo‘ äußerlicherseits, und Depeche Mode in elektronisch IMG_5392auf musikalischer Ebene. Ich war leider nicht die einzige, deren Nerven in diesen Minuten bis aufs äußerste strapaziert wurden. Und wie das immer so ist: Minuten vergingen wie Stunden und ich atmete einmal kräftig durch, als die Bühne wieder freigegeben wurde.

 

Turbostaat eröffneten mit dem „Island Manöver“ und meiner Meinung kann ein Einstieg nicht perfekter sein. Ab der ersten Sekunde geht das Publikum mit. Die Bühne wird teilweise von Feierwütigen geentert und eben so schnell wieder durch einen Sprung auf die Menge verlassen. Mein Highlight des Abends war definitiv der meinerseits noch nie live gehörte Song und Stadt der Angst Albumopener „Eine Stadt gibt auf“. Da der Track gleichzeitig mein Lieblingslied des neuen Albums ist, befand ich mich auf einem Höhenflug der Freude. Das hätte Frieda keineswegs toppen können.

„Das sieht ja aus als hättet ihr den Spaß eures Lebens“, entgegnete eine Stimme aus dem Backstage der Band vor der ersten Zugabe. Und schöner könnte ich es nicht beschreiben. Roland stimmte „Insel“ ein zweites Mal an, was immer ein Indiz für ein besonders gutes Konzert ist und die tobenden Menschen schienen nicht müder zu werden, obwohl schon nass bis auf die Knochen. Nach „Schalenka Hase“ endete der Abend in der zweiten Zugabe mit dem „Fünfwürstchengriff“, „Psychoreal“ und wie fast immer „Fresendelf“. Es war schon sehr spät und kurz bevor der letzte Ton gespielt wurde, tapste ich glückstrunken und mit der Frage im Kopf ‚Wie soll das morgen nochmal besser werden?‘ hinaus in Richtung Arbeit.

 

Letzter Konzerttag: Ich war jetzt schon traurig, weil es fast vorbei war. Pünktlich zum Einlass an Ort und Stelle gewesen, enterten wir das So36 und beschlagnahmten die besten Plätze im vorderen Bereich auf der seitlichen Stufe im 700 Mann Venue. Wie die Geier lauerten die später erschienenen Zuschauer nun darauf, dass einer von uns aufstehen würde. Nix da.

Ich hatte sosososo Bock, dass mich die Stunde Warten fast in den Wahnsinn trieb. Einen besseren Support hätte man sich für diesen Abend kaum herauspicken können: Findus waren an der Reihe. Mit der Voarbsingle des gleichnamingen Albums „Vis A Vis“ startete die Fete. Die Besucher im vorderen Bereich waren sichtlich angetan und fieberten mit. Der Kern war textsicher oder lauschte gespannt und mit einem Lächeln auf den Lippen den neuen unveröffentlichten Songs. „Freut ihr euch auf Turbostaat?“ – verhaltenes Klatschen – „Nee?! Na ja, macht nichts, wir sind ja noch da“. Findus blieben noch eine schöne und ganze Weile, bis sie während dem Hit „Feuer in Paris“ die eine Trompete von Feine Sahne Fischfilet mit auf die Bühne baten, unter frenetischem Appaus noch eine kleine Zugabe spielten und dann hinter den Kulissen verschwanden.

 

kleinsoWie beschriebe ich denn das weitere Ereignis am besten? Ich schätze is wird mir nicht annähernd gelingen.

Turbostaat betraten während dem instrumentalen Intro die Bühne. Es war die Ruhe vor dem Sturm, bevor bei „Phobos Grunt“ alle Mann aus den Wolken fielen. Von wegen bescheiden und zurückhaltend – die Meute rastete komplett aus! Schon bald versorgten die Musiker das Publikum mit Tetrapacks für eine dringend notwendige Flüssigkeitszufuhr. Die Stagediver stapelten sich teilweise und nicht selten fielen kondensierte Schweißtropfen von der Decke direkt auf meinen Kopf. Band und Publikum zauberten sich gegenseitig ein Lachen ins Gesicht, das immer breiter wurde. Das Sahnehäubchen für 90% der Anwesenden war sicherlich Frieda und die Bomben auf der einen Seite und Arnim Teutoburg-Weiß auf der anderen, der plötzlich auf die Bühne hüpfte und den kompletten Song im Duett mit Jan sang. Ist bei der Beatsteaks Nummer nicht immer Bernde für den Text zuständig? Doch darum kümmerte sich in diesem Moment keiner, weil alle komplett am Durchdrehen waren. Selbst Tobert zerriss seinen kompletten Pullover innerhalb der Zugaben. Nach knapp zwei Stunden war auch die letzte Puste weg und wir wurden in einem muffigen Raum hinterlassen und haben so eben eines der intensivsten Turbostaat Konzerte gesehen.

Ein Glück, dass die Band wohl ganz bald wieder kommt, das haben sie jedenfalls fest versprochen.

 

Schöne Bilder gibt es übrigens hier zu sehen.

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"Eigentlich wollte ich ja nicht mehr über Musik reden... "