Über die Liebe zur Musik…

Nachdenklichkeit
statt Feierlaune: Marteria

Vor 3 Jahren gepostet,von Ara

Es passiert dieser Tage überall. Egal, ob man eine aktuelle Musikzeitschrift aufschlägt, durch eine x-beliebige Tageszeitung mit Kulturseite blättert oder einfach nur durch Berlin spaziert. Von allen Seiten verkünden Reklame, Interviews und Anzeigen das Gleiche: Marteria ist zurück und hat seit dem 31. Januar 2014 sein drittes Album „Zum Glück In Die Zukunft II“ draußen!


 

Ganz klassisch beginnt auch ZGIDZII mit einem Intro, ehe der Ohrwurm aus dem Vorjahr – „Kids (2 Finger an den Kopf)“ das Album eröffnet. Dort wo „Kids“ anfängt, schließt sich „OMG!“ an: Hat der junge Marteria etwa ernsthaft genug vom ständigen Partyleben und befindet sich nun in seiner Sinn-Findungs-Phase? Wohl kaum; dass kann man sich – insofern man mal mit Marten gefeiert hat – beim besten Willen nicht vorstellen. Dennoch scheint von der „Lila Wolken“-Atmosphäre auf der aktuellen Platte nicht mehr viel übrig zu sein. Im Gegenteil – die Party ist zu Ende und es wird Zeit, sich über die Konsequenzen der letzten Jahre bewusst zu werden:

„Ich sitz hier mit meinen besten Freunden, ich kenn‘ nicht mal ihre Namen. Vergolden die Zeit, Tequila hält uns warm. Tausend Gläser getrunken, tausend Wörter bereuen. Man ich will raus aus meinem Körper, man ich brauch n‘ neuen. Will nicht das der Tag beginnt, will nicht das er endet.“ (Die Nacht Ist Mit Mir)

Textlich gesehen erinnert mich die Paarung aus „Lila Wolken“ und „Die Nacht Ist Mit Mir“ ein wenig an die Kombination „Du Lebst Nur Einmal (Vorher)“ und „Schlampe (Nachher)“, der Toten Hosen. Ein Vergleich der hinkt? Wohl kaum – wo doch Campino bei „Die Nacht Ist Mit Mir“ auch einmal ins Mikro schreien darf. Zugegeben – es war der Song, der mir im Vorfeld die stärksten Bauchschmerzen bereitete: Campino in einem Rapsong? Das kann das nur in einer Blamage enden. Tut es nicht – es hätte dem Song aber auch nicht geschadet, wäre der gute Herr Frege dort nicht aufgetaucht.

Und Kritik am neuen Album? Gibt es auch – aber sie hält sich in Grenzen. In meinen Ohren klingt „Eintagsliebe“ beispielsweise ziemlich nervig, „Gleich Kommt Louis“ ist in gewisser Weise das Quoten-Auf Die Tränendrüse Drück-Lied des Albums und bei „Mein Rostock“ bekomm ich Gänsehaut im negativsten Sinne. Wenn ich eine deutsche Stadt nennen müsste, die nicht durch Langeweile, sondern unsympathisches Auftreten besticht, dann wäre das die Hansestadt. Doch auch im hinteren Teil der Platte gibt es Perlen wie „Auszeit“ oder auch die Optimisten-Hymne „Welt der Wunder“:

„Man, wir leben auf einem blauen Planeten, der sich um einen Feuerball dreht mit ’nem Mond, der die Meere bewegt und du glaubst nicht an Wunder.“ (Welt Der Wunder)

 

Am Ende steht das Fazit. Würden wir Punkte vergeben, würde ZGIDZII wohl 6,5/10 von mir erhalten. Es ist solide, überzeugt aber nicht vollkommen. Es hat seine Perlen und Ohrwürmer – beherbergt aber auch Songs, bei denen sich mir die Nackenhaare stellen.
Wer Marteria auf seiner kommenden Tour live erleben möchte, sollte sich übrigens ranhalten: Die Tickets gehen weg wie warme Semmeln:

Marteria Tour

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Ganz egal, ob die Welt jetzt untergeht - ich will mein Tape nur noch zu Ende hören...

  1. Bruno6. Februar 2014, 16:04

    Hi, hast vollkommen recht mit der Rezi. Ich persönlich hab mir auch mehr erwartet, vor allem im Vergleich mit dem Marsi-Album „Grüne Samt“ fällt das Leistungsniveau schon sehr ab. Aber naja – live bin ich in Wien definitiv dabei.

    LG,
    Bruno

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  2. Salwa8. Februar 2014, 14:45

    Ich muss sagen ich kann deine Kritik vollkommen nachvollziehen, aber ich bin gar nicht deiner Meinung. Klar „Rostock“ hat mich jetzt auch nicht sonderlich überzeugt, aber die drei Feiersongs „Omg, Bengalische Tieger, Kids“ sind meiner Meinung nach definitv gut gelungen, genauso wie mein Lieblinssong „Gleich kommt Louis“. Ich finde diesen eben NICHT gezwungen sondern eher lässig ehrlich und damit sehr berührend und süß. Marten Lacincy selbst sagt, er hat den Text im Kreissaal geschrieben, also stecken da wahre Emotionen drin und keine die für ein rundes Album erzwungen wurden. Hier mehr zu dem Song und meiner Meinung: http://blogmusik.tumblr.com/post/75608081062/marteria-zgidz-ii-jetzt-ueberall-im-hype

    Also meiner Meinung nach ein sogar seeehr gelungenes Album 😉 Aber kann ja jeder sehen wie er will…

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