Über die Liebe zur Musik…

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Noir
als Synonym für ruhig?

Vor 3 Jahren gepostet,von Ara

Die Broilers. Bereits vor sieben Jahre versuchte mir ein Kumpel, die damalige Oi/Punk Band aus Düsseldorf schmackhaft zu machen. Es klappte nicht. Obwohl ich damals bereits Bands wie Loikaemie und die Troopers zu meiner CD-Sammlung zählten. Der Funke sprang nicht über. 2011 empfahl mir ein Mitglied meiner Lieblingsband das damals aktuelle Album „Santa Muerte“. Die CD wurde bestellt, einmal angehört, für okay befunden und in’s Regal gestellt, wo sie verstaubte. Der Funke sprang erst über, als ich mir – warum auch immer – die Santa Muerte Live Tapes auf Vinyl zulegte und die Band im Zuge der damaligen Toten Hosen Tour nun mehr als 15x live ansah.

 

Ein Grund, sich näher mit der Band auseinander zu setzen und auch den alten Stücken eine weitere Chance zu geben: Es klappt nur halbherzig. Natürlich lässt mich „Blaue Auster“ jedes Mal auf’s Neue grinsen. Ja, „Düsseldorf“ gröhle ich mit dem größten Vergnügen mit und bei „Lofi“ würde auch ich gerne das Tanzbein schwingen. ABER gleichzeitig löst bspw. die Studio-Version von „Zurück Zum Beton“ bei mir das blanke Entsetzen und die große Frage nach dem „Warum?“ aus. Ohne Frage – ich feier die Broilers live, bin gefesselt, wie sie das Publikum immer wieder auf’s Neue mitreißen und kann bestätigen, dass es sich bei den Düsseldorfern auch um fünf liebenswürdige Persönlichkeiten handelt. Aber Broilers auf Platte? Nein, danke. Da kann ich verzichten.

 

Broilers - Noir CoverWir schreiben den 06. Februar 2014. Morgen wird mit „Noir“ das nun mehr sechste Studioalbum der Band erscheinen. Während sich meine Vorfreude auf die Platte in Grenzen hält, könnte die kommende Tour meiner Meinung nach gleich nächste Woche starten. Bereits letzte Woche hatte ich mir sagen lassen, dass das neue Album eher ruhiger werden würde – eine Meinung die bereits die Vorabsingle „Ist Da Jemand“ erahnen lassen hatte. Aber befanden sich die Broilers nicht seit Beginn ihrer „Karriere“ im ständigen Wandel? Oi, Punk, Ska, Rockabilly, – jetzt wird es eben ein weniger melodischer und ruhiger. Im Interview mit In Your Face beschrieb Sänger Sammy bereits seine Angst, damit alteingesessene Fans zu verlieren: „Das Risiko bei diesen Alben – und eben auch bei ‚Noir‘ – ist aber, dass Fans aussteigen bevor der Grower-Effekt eingesetzt hat.“

 

Gut, die eingängigen Gitarren sind geblieben („Zurück In Schwarz“) und auch die Ska Einflüsse scheinen in Liedern wie „Wo Es Hingeht“ und „Irgendwo Dazwischen“ immer wieder durch. Aber ebenso gibt es da bspw. „Die Letzten (An Der Bar)“, das mich musikalisch sofort an die aktuellen Entgleisungen von Jupiter Jones erinnern. (Und solch einen Vergleich zu ziehen, tut mir fast schon weh – aber es ist wahr!) Immerhin finde ich an zwei von sechszehn(!) Stücken auf Anhieb Gefallen:

Niemand kann mir diktieren, Wohin es für mich geht. Niemand über den Wolken. Und niemand, der hier unten lebt. Ich wollte nie wie all die anderen sein. Ich weiß besser, was ich will“ (Nur Nach Vorne Gehen)

und

„Jede Zeit braucht ihre Sau, die vor dem Kirchturm hängt. Man wird ja wohl noch sagen dürfen, was man wirklich denkt! [..] Du möchtest rebellisch und anders sein. Ganz schön verrückt im Burschenschaftsheim. Er zündet deine Fahnen an, er verdirbt das Land. Zwischen uns liegen Welten und deine Angst!“ (Der Rest Und Ich)

Was bleibt am Schluss zu sagen? Ich bin nicht enttäuscht – meine Erwartungen gegenüber dem Album hatte ich niedrig gehalten und ich bin mir verdammt sicher, dass das ein oder andere Lied live erst so richtig zünden wird. Die Broilers bleiben für mich eben eine Live- und keine Studioband.  Erwartet keine zweite „LoFi“, keine zweite „Vanitas“, keine zweite „Santa Muerte“ – erwartet mit „Noir“ einfach den nächsten Schritt in der musikalischen Entwicklung der Broilers. Oder erwartet nichts und lasst euch überraschen, aber gebt der Platte und vor allem deren Songs auch live eine Chance – ihr werdet es garantiert nicht bereuen!

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Ganz egal, ob die Welt jetzt untergeht - ich will mein Tape nur noch zu Ende hören...

  1. Christopher6. Februar 2014, 21:09

    Schöner Text. Ich bin inzwischen einigermaßen verwirrt und ziemlich froh, dass das Ding endlich morgen erscheint. Bei der Santa Muerte musste ich mich erst einige Male schütteln, fand das Ding alles in allem aber dann letztlich grandios. Bei Vanitas und z.B. Lofi gab es sofort übermäßig viele Songs die ich auch auf CD schon großartig fand. Von daher habe ich so ein wenig die Befürchtung, morgen zunächst doch eher enttäuscht zu sein („…Jupiter Jones…“ … uargh!).
    Live sind die Broilers aber natürlich über jeden Zweifel erhaben 😀

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  2. jonny rodden7. Februar 2014, 02:07

    nicht wirklich schlecht das Album aber in Gänze auch nicht wirklich berauschend. Sind so einige vor allen musikalisch durchschnittliche Songs dabei die man besser an die Hosen verkauft hätte..
    Nach Santa Muerte ist Noir eher enttäuschend, da teils zu sehr auf Mainstream(pop)rock getrimmt.

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  1. […] Will man es aber etwas gehässiger angehen, ist man wirklich kaum noch von Revolverheld entfernt. An anderer Stelle las ich von Jupiter Jones (kann ich unterstreichen) oder sogar von „Ich+Ich ohne […]