Über die Liebe zur Musik…

Trixie
Whitley Stuttgart

Vor 3 Jahren gepostet,von Yase

19.20 Uhr in Stuttgart. Es ist kalt, nieselt und eigentlich sollte das ‚Closed‘ Schild an der Tür, das klischeehaft leicht schräg in der Scheibe hängt, bereits umgedreht sein. Einige weitere Minuten vergehen, ehe die ca. zehn Gestalten vor dem Club hinein gelassen werden.

 

Zu diesem Zeitpunkt machte es nicht den Anschein, dass der Raum sich überhaupt füllen würde, doch zumindest in diesem Punkt, sollten die ersten Gäste unrecht behalten. Nach und nach fanden sich mehr Gäste im ZwölfZehn ein. Noch bevor die Support-Band Echo Beatty die Bühne betraten, fiel auf, dass auf Bewegungsfreiheit wohl nicht viel Wert gelegt werden konnte. Zwischen Cases und diversen Instrumenten fanden Annelies Van Dinter (Gesang/Gitarre/Piano) und Jochem Baelus (Gitarre, „Homemade instruments“, Percussion) nicht viel Raum für sich; zur musikalischen Entfalltung reichte es jedoch aus. Während sich die auffällige Stimme der Sängerin gegenüber der sphärischen Klänge behauptete, herrschte interessiertes Schweigen im Publikum. Lediglich die störenden Bargeräusche fielen negativ auf, leider machten sich diese recht häufig bemerkbar. Während diverse Alltagsgegenstände dank Loopstation eine Geräuschkulisse für Musikstücke boten, füllte sich der Raum zunehmend. Obwohl man der Sängerin ansehen konnte, dass die Störgeräusche von Seiten der Bar nicht positiv aufgenommen wurden, absolvierte die Band ihren Auftritt souverän.

 

Während die letzten Töne von Echo Beatty verhallten, wurde bereits begonnen Eqipment eilig von A nach B zu tragen -immer mit einem Auge auf die Uhr am Handgelenk, denn etwas wurde schnell klar: Diesem Abend fehlte Zeit. Wenn man sich doch einen Augenblick nahm um sich umzusehen, fühlte man sich aus der Realität gerissen, denn das Umfeld erinnerte leicht an eine Filmkulisse. Fast wie eine schäbige Bar, irgendwo fernab der Zivilisation, die man während einem nicht endenen Roadtrip betritt. Es ist Halloween. Zumindest sollen das eine oder zwei Papiergirlanden erahnen lassen, die lieblos an der Wand baumelnd für soetwas wie „Atmosphäre“ sorgen sollen. Gute Voraussetzungen also für die Halloween-Party, die im Anschluss stattfinden sollte… Davon abgesehen hält ein verruchter Rotlicht-Charm einzug. Rot scheint das einzige stilistische Mittel, das man in diesem Raum finden kann, denn farblich zeigt sich das ZwölfZehn sehr Monochrom. Lediglich ein Scheinwerfer sticht heraus, der gegen die komplette Einfarbigkeit rebelliert, sich in einem dunklen Orangeton zeigt und seinen Namen eigentlich nicht verdient.

 

Nach dem Umbau betritt Trixie Whitley die Bühne. Ganz getreu dem Motto Halloween zeigt sich die Band benetzt von Spinnenweben und einer anfänglich sehr steifen Gangart. Auch die Frontfrau sticht optisch hervor, denn Frau trägt an diesem Abend Bart.
Gewohnt energetisch eröffnete sie das Konzert und entlockte dem Ein oder Anderen Konzertneuling einen unglaubwürdigen Blick. Das Stimmvolumen, das aus dieser zierlichen Gestalt herausbricht übertrifft jegliche Erwartungen.

 

Mit Songs wie Irene, Pieces, Morelia oder Fourth Corner demonstriert sie selbstbewusst die Bandbreite ihres Albums. Auch wenn der ein oder andere Song in veränderter Form vorgetragen wird, tut das der Begeisterung von Seiten des Publikums keinen Abbruch. Ergänzt durch Hintergrundinformationen zu einigen Songs wie „Morelia“ überbrückt sie teils aufkommende Pausen zwischen den Songs. Aufgrund Sound bedingter Schwierigkeiten ließ es sich die junge Frau nicht nehmen, ihren Platz auf der Bühne kurzerhand aufzugeben, um sich mit Mikrophon und Gitarre ins Publikum zu begeben, wo sie zwei weitere Songs wiedergab. „It´s Halloween in Germany! Stuttgart, I feel a little goofy!“ verkündet sie lächelnd, während ihr Blick durch die Menge schweift. Das Stuttgarter Publikum dankte ihr mit aufmerksamen Schweigen, auch wenn sich hier und da eine leichte Unruhe in der Menge bemerkbar machte. Während Teile des Publikums gedanklich abschwiffen oder  sich in der Musik verloren, sah man bei Teilen der Anwesenden sogar die ein oder andere Träne in den Augen aufblitzen. Denn Trixie Whitley überzeugt nicht nur mit ihrem Stimmvolumen, sondern vorallem mit der Leidenschaft, mit der sie ihre Songs zum Besten gibt. Besonders deutlich wird das auch in einigen Ansagen.

 

Während dem Konzert lässt die Band kein Gefühl von Stress zu, doch von Seiten der Musiker erfuhr man im Nachhinein, dass der enge Zeitplan sich leider auf die Länge der Setlist ausgewirkt hatte. Zeit für Merchandise Verkäufe blieb nicht, damit die nachfolgende Veranstaltung pünktlich beginnen konnte. Kurzerhand wurden CDs und LPs also außerhalb des Clubs verkauft. Das Zeitmanagement an diesem Abend schien von Seiten der Clubbetreiber und Veranstalter nicht ganz durchdacht zu sein…

 

Kurzum: Trixie Whitley, überzeugt nicht nur mit ihrer außergewöhnlichen Stimme, sondern auch mit ihrer authentischen Art. Für zukünftige Touren können wir einen Besuch auf einem der Konzerte nur wärmstens empfehlen!

 

Fotos: Yasemin Ikibas

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