Über die Liebe zur Musik…

Drei Männer
mit Gitarre im Spiegelsaal.

Vor 4 Jahren gepostet,von Ara

Ein kleines persönliches Konzerthighlight kündigte sich für den 31. Oktober 2013 im Wiesbadener Walhalla Studio an. Neben Tim Vantol hatte man auch die Herren tigeryouth und Ghost Of  A Chance angekündigt. Allesamt drei Singersongwriter, die ich nicht nur persönlich kannte, sondern deren Musik ich auch im wahrsten Sinne des Wortes feiere. Und dann alle drei an einem Abend sehen? Perfekter Plan! Also pünktlich Feierabend machen, 150km über die Autobahn düsen, im Stau stehen, sich verfahren und gerade noch rechtzeitig im Spiegelsaal ankommen.

Foto: Arabell Walter

Ghost Of A Chance (Facebook)(Bandcamp)

Los ging es mit Tobi aka Ghost Of A Chance, der den Abend mit einem seiner ruhigen Gitarrenmusik eröffnete. Doch nicht etwa die langweilige einschläfernde Art von ruhig, sondern die packende Art und Weise, die den Zuhörer fesselt und nicht loslässt. Meine Favoriten „Things Worth Asking“ und „Fearful Symmetry“ befanden sich glücklicherweise im Set. Wer sich an der Stelle übrigens immer noch fragt, wer zur Hölle denn dieser Ghost Of A Chance sei, sollte die kommenden Tage unbedingt diese Seite hier verfolgen – eine längst überfällige Vorstellung ist bereits in Planung!

Foto: Arabell Walter

Tigeryouth (Facebook)(Bandcamp)

„Wo war das Konzert, das ich vor kurzem auf dem Dach gespielt habe?“ – „Würzburg!“ – „Ist das hier in der Nähe?“ – „Naja, 150km liegen schon dazwischen…“ – „Du bist schon verrückt…“ lautete das Gespräch zwischen tigeryouth und mir, ehe er wenige Minuten später die Bühne für seinen Auftritt betrat. Mit Tilman auf der Bühne wurde die Musik auf der Bühne ein klein wenig lauter und rotziger. Zwischen „Disko“, „Rio“ und „Streichholz“ fiel mir einmal mehr auf, wie respektvoll das Wiesbadener Publikum war. Es war in der Tat ein Publikum, das man jedem Singersongwriter nur wünschen kann.  Für das letzte Lied stellte sich Tilman vor die Bühne und sang seine Zugabe ohne verstärkten Gesang- und es klang wahnsinnig gut.

 

Eine letzte Pause, bevor der Hauptact die Bühne betrat. Mittlerweile hatten sich mehr Leute für’s Stehen als für’s Sitzen entschieden. Halt Stop, ich sollte an dieser Stelle noch anmerken, wie großartig der Raum ist, in dem das Konzert stattfand. Links und rechts vor der Bühne befinden sich Stühle und Tische, in der Mitte ist Platz, sich unter dem großen alten Kronleuchter einen Stehplatz zu suchen. Auf der linken Seit befinden sich die meterhohen Spiegel, die dem Spiegelsaal seinen pompösen Namen verleihen – rund um die Bühne, sind sie abgehängt. Die Decke befindet sich in ca. zehn Metern Höhe – ein großartiges Venue.

Foto: Arabell Walter

Tim Vantol (Facebook) (Bandcamp)

Und dann steht Tim auf der Bühne – der Typ, der mir die große Tür zu der englischsprachigen Singersongwriter-Musik geöffnet hat und dessen Debütplatte eine der ersten Rezensionen auf diesem Blog bekommen hatte. Und nun stand er zum ersten Mal auf einer Wiesbadener Bühne und man hatte das Gefühl, die Musikfans dieser Stadt hätten all die Jahre auf diesen Auftritt gewartet hätten. Tim hätte sich wahrscheinlich bessere Umstände für diesen Abend gewünscht. Nicht nur, dass er wenige Tage zuvor sein Kapodaster verloren hatte, nein es gab auch gerissene Saiten und zwei sich ständig verstimmende Gitarren.

 

Herrn Vantol war das sichtlich unangenehm und er entschuldigte sich auch mehrere Male dafür. Doch der allgemeinen Stimmung tat das keinen Abbruch. Sowohl seine alten als auch seine neueren Songs wurden freudig mit angestimmt und zumindest in den vorderen Reihen wurde es sich auch fleißig bewegt. „Voll geil!“, kommentierte der Niederländer mehrmals das laute Publikum und grinste. Er verzichtete, mehrmals von der Bühne zu gehen, um danach für die Zugaben wieder zurück zu kehren. Stattdessen einigte er sich lachend mit dem Publikum auf fünf weitere Songs, u.a. „If We Go Down, We Go Together“ komplett ohne Gitarre – die Menge sang lauthals mit. Als krönendes Highlight gibt es noch zwei Duetts von Tim und Tilman inmitten der Menge unter dem Kornleuchter. Eines davon ist Bob Dylans „Rock Me Mama (Like A Wagon Wheel)“.

Der Spiegelsaal tobt, die Jungs strahlen über beide Gesichter und auch ich grinse. Denn es ist unglaublich schön, über die Jahre die musikalische Entwicklung von Musikern mitzuerleben und festzustellen, dass man mit seiner eigenen persönlichen Begeisterung nicht mehr allein dasteht. Danke!

 

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About Ara

Ganz egal, ob die Welt jetzt untergeht - ich will mein Tape nur noch zu Ende hören...