Über die Liebe zur Musik…

Spätabends
auf dem Dachboden: tigeryouth

Vor 4 Jahren gepostet,von Ara

Singersongwriter haben von allen Musikern wohl den schwierigsten Job. Sie haben weder eine laute E-Gitarre noch ein donnerndes Schlagzeug, das für einen konstanten Geräuschpegel im Hintergrund sorgt. Nein, sie haben nur ihre Akustikgitarre, ihre eigene Stimme und gegebenenfalls noch eine Mundharmonika. Und genau so stehen sie auf der Bühne oder in Bars und tragen ihre Lieder vor, die zumeist noch von intimen Dingen, wie Gefühlen und Sehnsüchten handeln. Also verdammt noch mal, wenn ihr schon zu so einem Konzert geht, lasst die ständigen Gespräche sein. Ein Satz zum Nebenbann oder der Nebenfrau ist okay, aber das anstehende Wochenende kann man auch anderswo bequatschen!

 

tigeryouth in Würzburg - Foto: Yase IkibasGenug geärgert. Ein Dachboden, mehrere zerklüftete Sofas, ein paar gefüllte Bierkästen mit Selbstbedienung, Zigarettenqualm – das Würzburger Dencklerkino gehört auf alle Fälle zu den interessanteren Schauplätzen. Kurz vor zehn räuspert Tilman aka. Tigeryouth: „Ich fang dann einfach mal an, ja?“ Es wird ruhig im Raum, als er die ersten Akkorde in seine Gitarre schrammt.

 

Da steht er und singt ein weiteres Mal von der Rastlosigkeit, dem Glück, von verlorenen Freundschaften, Erinnerungen an die guten Momente, der Liebe, dem Leben zwischen all den Spießern und dem ewigen Fernweh, das scheinbar nie los lässt. Viele Musiker mögen von all dem singen, aber Tigeryouth lebt dieses Leben. Mit drei Kumpels im Gepäck fährt er zur Zeit von Stadt zu Stadt, spielt ein Konzert nach dem anderen, übernachtet bei Leuten, die über die letzten Jahren irgendwie zu Freunden wurden oder bei manchen, die er gar nicht wirklich kennt. Aber wenn er all das tut, dann mit ganzem Herzen.

 

Mal ganz ruhig und sanft, dann wieder rotzig und laut. Tilman kann beides und berührt die Zuhörer so auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Hin und wieder steigt sein Kumpel Sören ein – die beiden Stimmen ergänzen sich perfekt. Das Ergebnis ist Herzklopfen und Grinsen. Eine Stunde voller Lieder –den alten wie „Standpauke vom Wirt“ und den neuen wie „Rio“. Er gibt alles, immerhin haben sich gut fünfzig Leute in den doch eher kleinen Raum gequetscht. Drei Saiten reißen – die letzte beim letzten Lied „Robota“. Kein Grund abzubrechen; Sören steigt ein und die beiden beenden den Song einfach ohne Gitarre. Großartige Improvisation!

 

Kurz nach 23:00 Uhr bin ich einfach nur glücklich und vor allem froh, dass ich Tilman Ende dieses Monats noch einmal zusammen mit Tim Vantol und Ghost Of A Chance in Wiesbaden sehen werde! Wenn ihr jetzt neugierig seid, dann checkt unbedingt Tigeryouths Bandcamp-Seite, auf der er all seine Musik kostenlos(!) zur Verfügung stellt und seinen aktuellen Tourplan!

 Arabell Walter.
Fotos: Yase Ikibas.

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Ganz egal, ob die Welt jetzt untergeht - ich will mein Tape nur noch zu Ende hören...