Über die Liebe zur Musik…

KEULE:
Dick sein ist fett!

Vor 3 Jahren gepostet,von Ara

„Wir müssen uns heute unbedingt Keule anschauen – die sind großartig!“, sagte man mir beim Eier mit Speck Festival 2012. Ich sah mir den Auftritt ohne jegliche Erwartungen an und verließ das Festival als Keule-Fan. In dem großen schönen Musikkosmos verlor ich die zwei im vergangenen Jahr leider komplett aus den Augen.  Am Donnerstag traten sie für Brandenburg beim BuViSoCo (Lieblingstape berichtete) auf, gestern erschien dann ihr zweites Album mit dem Titel „Dick Sein Ist Fett“!

Wer Keule schon einmal live gesehen hat, weiß, dass sie dafür bekannt sind, die Lachmuskeln ordentlich in Form zu bringen. Eben diese Fähigkeit bringen die beiden glücklicherweise auch auf ihren Platten unter – „Dick Sein Ist Anders“ schließt sich nahtlos an das Debütalbum „Schnauze“ an und bekommt maßgeblich Unterstützung von den Herren Sido und Marteria, die sich jeweils an einem Song beteiligten. Daumen hoch, dass sie eine doch noch relativ unbekannte so maßgeblich unterstützen!

Nicht zuletzt beim BuViSoCo zeigten Keule aber auch, dass sich hinter ihren lustigen Stücken durchaus auch (halbwegs) ernst gemeinte Gesellschaftskritik verbirgt:

Endlich Sport machen, mit dem Rauchen aufhören, Freunde bleiben – ja genau. Doch hinter all diesen Aussagen steckt so viel Wahrheit wie in den meisten Wahlversprechen unserer Politiker.

 

Nicht nur allein Kritik an der Gesellschaft, sondern vielmehr an der Sprache, die eben jene nutzt bzw nahezu schon vergewaltigt, gibt es in demLied „Amazing“. Ich erwische mich ja immer wieder selbst dabei, „Support Act“ anstatt Vorband, Gig anstatt Konzert und Song statt Lied zu schreiben, doch Keule schießen den Vogel gekonnt ab:

„Du phonst mich back, ich bin so down. Bist du too busy? I don’t know, please give me asap mal ein Feedback! Is’ es jetzt over mit uns zwei? Das kann doch never ever sein – dich zu erreichen ist nicht easy!“

 

Zugegeben, „Dick Sein Ist Fett“ ist eine Scheibe, bei der ich konsequent grinsen muss. So viele Wortspiele, so viele Überspitzungen und so viel Ironie.  Bisschen hier, bisschen da – hurra, hurra Amerika! Spätestens der Track „Heike 3“ treibt mir die Tränen in die Augen. Viele Musiker haben sich schon daran versucht, möglichst viele Wortspiele mit Bandnamen in einen Songtext einzubauen. Keule treiben es mit ihrem sechs Minuten langen Song, der musikalisch ein wenig an Nagels „Was Kostet Die Welt“  erinnert, absolut an die Spitze:

„Einmal kam das Pack aus der Sondaschule rüber – die ist ja nur einen Atzensprung entfernt – und ballerten wild um sich. Ich schrie: Ihr Revolverhelden, schießt doch mit euren Silbereisen! Ihr denkt wohl, ihr wäret voll die Bosse!“ oder „Ich hab gerade Beatsteaks pur gegessen. Ich bin BAP satt!“

 

Fazit: Wer neben all der tiefgründigen Musik auch mal ein bisschen Abwechslung und Spaß sucht, sollte sich a) dringend mit Keule beschäftigen und sich b) gleich beide Alben auf einmal kaufen! Keule für gegen Herbstdepressionen!

Arabell Walter.

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Ganz egal, ob die Welt jetzt untergeht - ich will mein Tape nur noch zu Ende hören...