Über die Liebe zur Musik…

Adolar –
Die Kälte der neuen Biederkeit

Vor 4 Jahren gepostet,von Eileen

DKDNB„Biederkeit. Keinem weh tun. Braves, artiges Miteinander! Menschen, die sich hinter hohen Mauern aus Harmonie verschanzen. Für das Wohl des Ganzen und die Aufrechterhaltung des Status Quo Ungereimtheiten weglächeln und Kollateralschäden achselzuckend hinnehmen.“

 

Das was Adolar auf ihren letzten Langspielplatten schon thematisiert haben, konnte jetzt endlich unter einem guten Titel zusammengefasst werden. Aber vielmehr entwickeln sich Adolar trotzdem von Album zu Album weiter, ohne das Typische zu verlieren.

 

Kann es sein, dass Rauchen neuerdings wieder ‚in‘ ist? Den Anfang macht jedenfalls das gleichnamige Stück, was den Hörer direkt in eine düstere, nostalgische Stimmung versetzt und gleichzeitig eine Hommage an die Zeitstrafe Labelmates ist:

Ich werde rauchen. Und dass mir hier ein Freund fehlt, vergessen. Der mit mir Captain Planet hört, während wir Pizza essen.

Na gut, ihr Suchtis dürft euch ruhig einen Glimmstängel gönnen, doch bitte nicht das nächste Lied verpassen, denn „Raketen“ gehört zu den Besten, geht einem nicht mehr aus dem Ohr und überzeugt mit Zeilen wie:

Ich tränke Zeit in Unvergänglichkeit.

 

Mit dem Namensgeber der Platte geht es weiter und man bekommt zum ersten Mal mit, dass Kälte, zum einen von den Worten, zum anderen von der Stimmung, ein großer Bestandteil des Albums ist. Adolars dritte Langspielplatte innerhalb von drei Jahren klingt klarer und polierter als seine Vorgänger und überrascht mit mehr Pop-Elementen, während es dem Emo-Punk langsam den Rücken zukehrt.

 

Gedichte werden nicht nur thematisiert, sondern die Songs hören sich selbst wie jene an. Texte über die Spießigkeit, den Alltag und natürlich die Liebe ziehen sich wie Kaugummi von Track zu Track. Was mir dabei fehlt sind die Kernaussagen. Interpretationsfreiraum hin oder her, schließlich waren Gedichte in der Schule schon nicht so meins, aber bei dem ein oder anderen Song namens „Blumen“ oder „Diesig“ hinterlässt der Storyteller lediglich ein Fragezeichen in meinem Hirn.

 

Dafür holt die musikalische Umsetzung wieder einiges heraus und Experimente mit Chören, Streichern oder Syntesizern werden erfolgreich abgewickelt.

Nächstes mal bitte wieder etwas mehr Power, weniger Wave Sounds zum Einschlafen („Kanüle“) und keinen Hiddentrack auf den man zig Minuten warten muss und ich bin vollstens zufriededen.

 

Hörenswert ist „Die Kälte der neuen Biederkeit“ allemal und es ist den Jungs nur zu wünschen, dass sie durch den kommenden Auftritt beim Bundesvision Songcontest ein paar potenzielle neue Hörer erreichen.

Meine Stimme hat Sachsen-Anhalt.

 

Eileen Neubert.

About Eileen

"Eigentlich wollte ich ja nicht mehr über Musik reden... "