Über die Liebe zur Musik…

„Halt die Fresse, bitte!“ – Das Weidenallee Auswärtsspiel No #19.

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Tigeryouth im Molotow - Foto: Arabell WalterEs gibt nichts, absolut nichts schlimmeres als ein unaufmerksames Publikum bei einem Singer-Songwriter Konzert. Ja, diese Konzerte sind in der Regel leiser. Das kommt schon daher, dass eben nur eine Person, meist mit Akustikgitarre bewaffnet, auf der Bühne steht und keine fünf mit lauter Anlage. Aber leider passiert es immer und immer wieder – so auch vergangenen Donnerstag im Hamburger Molotow.

Doch von Anfang an: Das Weidenalle Auswärtsspiel ging bereits in die 19. Runde. Weidenallee was? Zwei nette Jungs, die eine schicke Wohnung  in der Hamburger Weidenallee bewohnen, kamen eines Tages auf die Idee, dem Hamburger Molotow eine Konzertreihe zu schenken. Das heißt, im Idealfall wird vorab ein Akustik-Video in der WG-Küche gedreht, dann wird die Band/die Künstler am Tag des Konzertes eben dort bekocht und am Abend folgt der Auftritt in der Molotowbar. Im Anschluss gibt es dann noch Musik vom Plattenteller. Eine runde Sache also.

Zinnschauer im Molotow - Foto: Arabell WalterVorgestern waren es tigeryouth und Zinnschauer (welcher für den erkrankten North Alone eingesprungen war), die das Line-Up für das nun schon 19. Auswärtsspiel stellten. Zugegeben, Zinnschauer ist ein Musiker, auf den man sich ähnlich einlassen muss wie auf Petula. Zunächst erscheint einem alles ziemlich schräg, doch wenn man ihm eine Chance gibt, kann einen seine Musik doch packen. Es ist mehr oder weniger eine Geschichte, die erzählt – flüstert und schreit – während er unglaubliches aus seiner Gitarre raus holt. Einziger Minuspunkt war ein gut angetrunkener Typ, der nicht nur durch übermäßiges Schwätzen auffiel.

Bei tigeryouth wusste ich, auf was ich mich einlassen würde. Dachte ich. Denn Tilman ist einfach immer für Überraschungen zu haben. Und so schnappte er sich seine Gitarre und stellte sich direkt vor die Bar. Das hatte schon einmal den großen Vorteil, dass man sich dort nicht zum reden zurück ziehen konnte. Und dort, umringt von Freunden und Fans, gab er eine wunderbare Auswahl seiner Stücke wieder. Egal, ob alt oder neu. Egal ob „Standpauke vom Wirt“ und „Robota“ oder „Rio“ und „Streichholz“. Ganz ohne Bühne, ohne Verstärker und ohne Mikrofon. Einfach nur Tilman – und so war es nicht nur am ehrlichsten, sondern auch am schönsten. Und wenn doch mal geredet wurde, forderte er die entsprechenden Personen mit einem charmanten „Halt die Fresse, bitte“ auf, ruhig zu sein. Tat ihm später Leid, aber immerhin hat er bitte gesagt! Für den allerletzten Song ging es dann noch einmal auf die Bühne, ehe Sascha und Timo einen bunten Mix an guter Musik auflegten.

Ein Herz fürs Molotow - FestivalDas nächste Auswärtsspiel wird größer als die anderen werden; die Zwanzig ist ein Jubiläum. Deshalb wird am 11. Mai das „Ein Herz fürs Molotow“ Festival stattfinden. Statt zwei Künstlern stehen an diesem Abend ganze acht auf dem Programm. Warum? Weil sie es können und weil nach wie vor darauf hingewiesen werden muss, dass der Esso-Komplex auf der Reeperbahn, zu dem auch das Molotow zählt, nach wie vor abrissgefährdet ist. Von daher: Kommt nach Hamburg, kommt ins Molotow und zeigt, dass euch alternative Läden am Herz liegen!

Reinhören:

http://zinnschauer.bandcamp.com/
http://tigeryouth-punk.bandcamp.com/

Arabell Walter.

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