Über die Liebe zur Musik…

‚Schöne, geistreiche und liebevoll vorbereitete Fragen‘ für Montreal

Written by admin, 5 Jahren ago, 0 Comments

Foto: Eileen NeubertWie schon berichtet, trafen wir am 23.02. nicht nur die Sondaschule, sondern plauderten auch noch kurzer Hand mit Hirsch von Montreal.

Über das Dissen, epische Musikerlebnisse und den Anfängen der Konzertkombo, geht es hier im Weiteren:

LT: Erzähl doch mal: Wie läuft die Tour, sind noch alle topfit?

Hirsch: Die Tour läuft super! Wir sind alle krank, ohne Witz! Wir waren sehr doof am ersten Abend. Wir haben uns sehr gefreut, dass wir uns wiedersehen, weil wir alle sehr gut befreundet sind. Und haben nach dem Hamburg-Konzert auf der Fahrt nach Köln bis morgens um acht im Bus gefeiert und Modern Talking Lieder gesungen. Das ist a) schon mal sehr dumm, weil Modern Talking Lieder sollte man nie singen. Zweitens: Sind sie sehr hoch und dadurch sind unsere Stimmen, sowohl Costas als auch meine, komplett in‘ Arsch gegangen. Schon am ersten Abend! Und diese Verletzung schleppen wir jetzt durch die ganze Tour durch. Wir singen so beschissen, wie wir noch nie gesungen haben. ABER: Wir haben sehr viel Spaß dabei (lacht).

LT: Wann habt ihr denn Sondaschule zum ersten Mal kennengelernt?

Hirsch: Sondaschule haben wir im Winter 2005 kennengelernt, auf der Nikolaus raus – Tour. Das war so eine Punk-Tour durch JuZe, A.C.K., Popperklopper, Sondaschule, Fahnenflucht und Montreal. Da haben wir am zweiten Abend, in Berlin war das auch: Tommy Weisbecker Haus, haben Costa, also Tim und ich, uns kennen- und lieben gelernt. Und ab da haben wir immer sehr engen Kontakt gehalten. Sind zusammen auch schon nach London geflogen um NOFX zu sehen, oder nach Amsterdam gefahren und so und haben immer zugesehen, dass wir so viel wie möglich zusammen spielen. Sprich: wenn der Festivalsommer gebucht wird, schließen wir uns immer kurz: ‚Wo seid ihr, wo sind wir? Kann man das zusammen machen, dies, das…‘ Und für die Tour kam deren Agentur vor einem Jahr zu uns und hat gefragt: ‚Pass auf, wir planen da was zur neuen Platte – hättet ihr Bock?‘ Jetzt sind wir sehr froh, dass wir das alle zusammen hinbekommen haben, 16 Tage am Stück zu fahren.

LT: Wie organisiert man das denn, wenn ihr so viele Leute seid?

Hirsch: Wir sind mit 18 Leuten auf einem Nightliner: Das Pack, Montreal und die Sondaschule und die ganzen Helfer halt auch. Und das ist eine sehr spaßige Reisetruppe.

LT: Wenn ihr einen Tag mit Sondaschule tauschen könntet, was würdet ihr dann machen?

Hirsch: Wenn ich einen Tag mit der Sondaschule tauschen würde, würde ich wahrscheinlich die Trompeter rasuschmeißen, weil sie mir im Weg stehen. Nee, ich würde… oh das ist ’ne schwierige Frage! Was würde ich denn an deren Stelle machen? Ich glaube ich würde es einfach genießen mal so ein fettes Orchester um mich rum zu haben. Weil wir sind ja ’ne Gitarre-Bass-Schlagzeug-Band, das ist natürlich schon eine ganz andere Dicke vom Sound her, als die Sondaschule, die mit zwei Gitarren und Gebläse und alles, Keyboard jetzt auch neuerdings. Das ist klanglich schon ein ganz anderes Erlebnis, definitiv.

LT: Gibt es wen mit dem ihr unbedingt mal ein Feature aufnehmen wollt?

Hirsch: Na wir haben jetzt gerade ein Feature gemacht, mit Pensen von den Monsters of Liedermaching und Das Pack. Das war so ein erstes Ding. Generell… ich glaube mit der Münchener Freiheit könnten wir uns vorstellen. Mit der Sondaschule werden wir sicherlich früher oder später auch was machen. Das würde sich ja sehr anbieten. Ansonsten drängt sich da nichts so richtig auf, in absehbarer Zeit. Für Konzerte machen wir das ja immer ganz gerne noch mit dem Slime Sänger zum Beispiel. Oder Panzer von Itchy Poopzkid singt „Erzähl mir mehr“ mit ab und zu. Solche Geschichten. Jetzt im Studio selber haben wir das eher weniger gemacht. Doch! Eule von Mofa hat auf der letzten Platte Chöre mitgesungen, stimmt.

LT: Wärt ihr gerne berühmter, oder seid ihr mit dem Status eurer Band zufrieden?

Hirsch: Unser Facebook-Status ist glaube ich ledig. Wir würden gerne in einer Beziehung sein. Oder: Es ist kompliziert! (lacht). Nee, wir sind mit dem Status schon zufrieden, doch. Das ist sehr, sehr angenehmes Musizieren und Reisen auf diesem Level.

Foto: Eileen NeubertLT: Welche Kapelle würdest du denn gerne mal aus dem weltweiten Bandpool rausschmeißen?

Hirsch: Oh, du willst ’n Diss hören! Schön hier! Schöne Vorlage! Nö, da geb ich mich jetzt mal als Pazifist. Letztendlich soll ja jeder machen was er will. Ich muss es ja nicht hören, ich muss ja nicht hingehen. Nur die Bands, die ich am anstrengendsten finde, sind die die sich besonders wichtig nehmen und besonders hohe Moralvorstellungen nach außen predigen, oder halt anderen Leuten erzählen, dass sie wüssten wo es langgeht. Und sie hätten irgendeine Wahrheit oder ’ne Message. Wenn man das ohne Augenzwinkern macht, kommt das immer sehr oberlehrerhaft daher und das gibt es im Punkbereich das ein und das andere Mal. Und diese Bands finde ich persönlich dann immer am anstrengendsten und überflüssigsten. Da habe ich dann irgendwelche gutgemachten popbands im Zweifel lieber, weil die sagen dann wenigstens ehrlich: ‚Pass auf, ich mach es einfach nur weil ich Musik machen will und damit Geld verdienen will.‘ Dann geht es immer noch darum wie gut und schlecht man das macht, aber zumindest ist die Ansage ehrlich, als ’ne Punkband zu haben, sich die Haare hochzustellen und zu sagen: ‚Ich mache das für die Szene!‘ und am Ende des Tages wie so ein Raffzahn abends die Merchzahlen einzugeiern. Das finde ich dann persönlich nicht so schön.

LT: Was ist denn dein liebstes Bandshirt?

Hirsch: Mein eigenes? Hui. Das sind aber gute Fragen hier vorab schonmal. Mal andere, als: Warum heißt ihr Montreal? Spielt ihr lieber Festivals oder Clubs? Ähm, mein lieblings Bandshirt … ich trage eigentlich gar nicht mehr so viele Bandshirts, außer von jetzt hier … ich hab ein Pack Shirt gerade bekommen, weil ich mein Shirt verloren hatte, das andere. Ich habe ein Police-Shirt „Outlandos D’amour“ – mit dem Plattencover drauf. Das hab ich sehr gerne. Ist dann aber auch ein bisschen klein geworden, wie alle Bandshirts. Oder ich bin ein bisschen groß geworden, sagen wir so. Ein altes Clash-Shirt hab ich auch sehr gerne. Das trage ich dann aber auch eher zu Hause, weil das ist so bauchfrei fast. Sonst (überlegt) … Ich habe gar nicht mehr so viele. Die liegen alle in einer Kiste zugeklebt fürs Archiv, quasi. Es ist ja bei Bands wie mit Fußballmanschaften: Man tauscht ja oft die Shirts dann aus, ohne dass man es jetzt auch so richtig vielleicht will im Zweifel. und dann hat man halt diese ganzen Revolverheld-Shirts zu Hause. Und die brennen nicht mal gut um mit ihnen dann ein Lagerfeuer machen zu können. Also, was soll man machen. Aber vielleicht ist es ja später mal was auf Ebay wert.

LT: Wenn du ein Festival veranstalten solltest. Welche Bands wären dann im Line-Up?

Hirsch: Oh! Ähm… NOFX, Pascow, Rancid – klar! Wir, logischerweise. Eigennutz so ein bisschen. Wir kriegen natürlich die beste Gage, spielen auch ’ne relativ gute Position… Sondaschule, Das Pack sowieso, die Broilers, (überlegt) Nada Surf! Mal was anderes, auf einer anderen Bühne. Für’s Gefühl! Was für die Mädchen. Nee, Nada Surf ist sehr geil! Die würde ich auch holen. (Guckt auf einen Pulli) Und Wizo? Hmm, nee. Wenn ich eine Zeitreise machen könnte, dann Wizo in den Neunzigern. So. Jetzt nicht mehr. Oh, ist das jetzt ein Diss? Nein. Joah stimmt, kommt ’ne neue Platte bald, ne? Wenn Missieur mal wieder was eingefallen ist, ja.

LT: Was war denn das beste Konzert was du je gesehen hast?

Hirsch: Selber im Publikum?

LT: Ja.

Hirsch: Sicherlich eins bis zehn NOFX Konzerte. Ich war mit Max und Jonas, die beiden anderen aus der Band – klar, vor zwei Jahren in Kanada, in Toronto, und da haben wir NOFX zwei Abende gesehen. An einem Abend haben sie unter anderem „The Decline“ gespielt. Das ist ein Lied, das geht 21 Minuten. Das spielen die sehr, sehr selten, weil es einfach sehr lang ist. Und da haben sie es gespielt und ich habe vorher glaube ich 30 NOFX Konzerte schon gesehen, und es ist als NOFX-Fan so quasi der Ritterschlag, oder das höchste Ziel was du haben kannst: ein Mal „The Decline“ sehen. Das war sehr schön. Aber auch Nada Surf jetzt. Da waren Jonas und ich hier im C-Club in Berlin. Das war auch sehr geil – super Konzert.

LT: Wenn ihr irgendwann mal ein Cover Album rausbringen solltet, was kommerziell erfolgreich sein sollte, welche Lieder würdet ihr dort drauf packen?

Foto: Eileen NeubertHirsch: Nur Lieder von Callejon und Heino (wir lachen).

LT: Wie ist das denn als Musiker: Ist man da eher genervt von Interviews, oder gehört das dazu…

Hirsch: … Wenn sie so wie jetzt, mit schönen, geistreichen und liebevoll vorbereiteten Fragen sind, dann macht das durchaus auch Spaß und ist interessant. Es gibt natürlich aber auch so Leute, da merkste sofort, dass die gar nicht wissen was die Band überhaupt ist, wie viel Leute in der Band sind, die einfach nur so die Standartfragen rausholen. Das kann man sich dann auch irgendwie so ein bisschen klemmen, aber macht man ja trotzdem – das weiß man ja vorher nicht.

LT: Gab’s da auch schon peinliche Situationen?

Hirsch: Nee, richtig peinlich nicht. Aber denen ist das meistens dann auch egal. Die werden dahin geschickt von ihren Vorgesetzten, oder was, ich weiß nicht, meinen halt die müssen es machen. Letztendlich haben beide Seiten ja auch nicht so richtig viel davon, weil es halt einfach ein sehr langweiliges Interview wird. Es geht ja darum, dass ein Interview oder eine Geschichte gut ist. Auch nur dann hat es ja für den Leser oder den Konsumenten einen Mehrwert. Weil 20 Magazine mit den selben Fragen und denselben Antworten: bringt ja auch keinem was, ne?

LT: Die letzte Frage lautet natürlich wie immer: Was würdest du auf dein Lieblingstape packen?

Hirsch: Wir machen jedes Jahr diese X-Mas-Tape Aktion. Da gibt es auf Facebook so eine Seite und da machen wir das, im November geht das los, mittlerweile sind da 500 Leute untereinander. Die machen sich Tapes und schicken sich die dann zu.

LT: Aber machen die auch richtige Tapes?

Hirsch: Am Anfang, also vor fünf, sechs Jahren, da gab es noch Kassetten, so gerade am Aussterben. Jetzt CD’s. Mittlerweile schicken auch viele USB-Sticks, oder Dropbox-Links. Und dadurch mache ich jedes Jahr, weil wir da auch mitmachen, ein Tape. Und das Tape… was ist da dieses Jahr drauf gewesen? Nada Surfs, NOFX – eigentlich die selben Bands, die auch auf dem Festival spielen würden, logischerweise. Sondaschule, Mofa war da mit drauf. Ich würde auch drauf machen (Pause) Police, von der ersten Platte „Truth hits everybody“. Und bestimmt auch Bob Marley.

LT: Vielen Dank, das war’s.

Das Interview führte Eileen Neubert.

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