Über die Liebe zur Musik…

An der
Grenze jeglichen Geschmackes: Trailerpark!

Vor 5 Jahren gepostet,von admin

Gleich vorneweg: Hätte ich an diesem Abend nicht ohnehin in der Markthalle arbeiten müssen, ich wäre nie auf den Gedanken gekommen, mir Trailerpark anzuhören, geschweige denn einmal live anzusehen. Für diejenigen unter euch, denen der Bandname völlig fremd sein sollte: Es handelt sich um vier Rapper, deren Texte an K.I.Z. und Aussehen an die nächstbeste 0815-Boyband erinnern.

„Trailerpark ist das Sprachrohr für eine Jugend geprägt von Komasaufen, Youporn-Clips und exzessivem Nihilismus. Musik für Hartz4-Empfänger, Kinder mit Kindern und Minderbemittelte mit RTL-Realityshow-Erfahrung.“  – so lautet zumindest die Beschreibung der Gruppe auf Facebook. Fatalerweise befand sich eben jenes Publikum am vergangenen Freitag tatsächlich in der Hamburger Markthalle. Jugendliche, die bereits vor Konzertbeginn so betrunken waren,  das sie sich heute mit Sicherheit nicht mehr an sämtliche Einzelheiten erinnern können oder Menschen, die sich in der Warteschlange vor der Halle gegenseitig anpinkelten und sich daran erfreuten, waren nur zwei Beispiele, die ich nennen möchte.

Nachdem es leider Ewigkeiten gedauert hatte, bis alle Menschen ins Innere der Halle gefunden hatten, begann das Konzert mit einer geschätzten Verzögerung von einer Stunde. Trailerpark betraten die Bühne und der Saal raste komplett aus. Singen, Hüpfen, Schreien auf der einen – eine Flut an geworfenen Becher auf der anderen Seite. Konnten sich wohl nicht so recht entscheiden, ob sie das auf der Bühne nun grandios oder grottig finden sollten. Die Frage, warum im Graben dann auch noch Gemüse lag, schob ich auch beiseite  und versuchte weiter Fotos zu machen ohne Schläge aus der ersten Reihe abzubekommen.

 

Die Soziale Unterschicht vollzieht die Paarung unter sich. / Hier im Wagenburg Distrikt. / Willkommen im Trailerpark.“, ist noch eine der allerharmlosesten Zeilen der Gruppe, die an dem Abend lauthals mitgesungen wird. Fordert die Band zum kollektiven „Wir sind asozial“-Rufen auf, gehorchen die Kids sofort. Währenddessen legen die vier auf der Bühne ziemlich ironisch sämtliche Musiker- und Boyband-Klitsches  an den Tag. Von halbherzig einstudierten Choreografien bis hin zu hässlich geschnittenen Outfits in grässlichen Farben ist alles dabei.

Für mich ist spätestens jetzt klar: Die Vier können das, was sie da auf der Bühne abziehen, nicht wirklich ernst meinen , doch wie es das Schicksal so will (und bei K.I.Z. ist es da nicht anders) verstehen es nicht alle, die genau diese Musik hören. Ich möchte nicht pauschalisieren, aber ich hatte an diesem Abend die Befürchtung, dass rund 80% die Texte durchaus ernst nahmen. Wahrscheinlich hätte ich mir vorab auf den gleichen Pegel wie das restliche Publikum trinken müssen, um mich annähernd wohl fühlen  und die schlechte Livedarbietung ignorieren zu können. Der Mehrheit der anwesenden Kids wird der Abend denkbar Spaß gemacht haben – ob sie sich heute noch daran erinnern können, ist eine andere Sache…

Arabell Walter.
Fotos: Yase Ikibas.

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