Über die Liebe zur Musik…

Mando Diao in Stockholm – alles andere als eingefroren!

Written by admin, 5 Jahren ago, 0 Comments

Mando Diao in Stockholm - Foto: Jessi

Mando Diao – vor ca. 7 Jahren DIE Band für mich. Ein Konzert im November 2006 war für mich der Beginn meiner folgenden Konzertkarriere und auch der Beginn einiger wunderbarer und bis heute anhaltender Freundschaften. Außerdem ist diese schwedische Band sicher auch zu einem guten Teil mit daran beteiligt, dass ich vor 2,5 Jahren in deren Heimatland auswanderte.

Wir alle wissen dass spätestens seit „Dance with somebody“ und dem zugehörigen Album „Give me fire“ nicht mehr viel von der vorlauten, rotzigen, jungen Band aus Zeiten von „Sheepdog“ und „Down in the Past“ übrig ist. Auch meine Euphorie ist lange verflogen, trotzdem wird jedes in der Nähe stattfindende Konzert pflichtbewusst besucht – der guten alten Zeiten wegen und auch immer mit dem Gedanken „vielleicht wird es wieder besser“.

Das zuletzt in 2012 erschienene Album war etwas ganz Neues: die Band nahm die Gedichte des schwedischen Poeten Gustaf Fröding (1860 – 1911) und interpretierte diese musikalisch neu. Das veröffentlichte Album hat den Namen „Infruset“, was „Eingefroren“ bedeutet. Bereits auf Platte klang alles sehr neu und anders, so war ich gespannt, das Ganze live zu erleben und kaufte mir somit das (zugegeben überteuerte) Ticket für das Stockholm-Konzert der laufenden Schweden-Tournee.

Zu den schwedischen Songs kam noch eine weitere Neuerung: das Ganze fand in einem Theater und somit komplett im Sitzen statt. So machte ich mich dann am Donnerstag doch zugegeben sehr skeptisch mit zwei Freundinnen auf den Weg.
Vorband des Abends war das Duo „Dödens Dal“ („Tal des Todes“ übersetzt), welche mit Synthesize-E-Gitarren-Musik den Abend begannen. Sehr speziell, aber auch auf ganz eigene Art und Wiese gut. So lehnte ich mich in meinem gut gepolsterten Theater Stuhl zurück, schloss die Augen und ließ mich berieseln.

Nach einer halben Stunden Spielzeit und weiteren 15 Minuten Umbaupause war es dann auch schon Zeit für den Hauptact. Mehrere Streicher und Bläser betraten die Bühne, ein Intro begann und es wurden per Beamer alte Filmaufnahmen aus dem Schweden zur Zeit des Gustaf Fröding gezeigt (oder zumindest sollte wohl dieser Eindruck vermittelt werden). Nach und nach betrat der Rest der Band die Bühne, die Frontmänner Björn Dixgård und Gustaf Norén natürlich empfangen mit gebührendem Applaus.

Die gesamte Show war bis ins letzte Detail inszeniert mit abgestimmter Kleidung, laufenden alten Bildern und Filmaufnahmen im Hintergrund und dem passenden, gedämmten Licht. Kurz: Ich würde das Ganze weniger ein Konzert, als eine musikalische Show bezeichnen. Theater. Zwischen den einzelnen Songs betrat immer mal wieder „Gustaf Fröding“ die Bühne und trug einige seiner Dichtungen vor. Von Beginn an war ich gefesselt und meine Skepsis war verschwunden. Es wurde das komplette „Infruset“ Album zum Besten gegeben – und die Interpretationen sind live mit all den beteiligten Musikern noch schöner als auf Platte.

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Nach ca. 50 Minuten wurde die Bühne das erste Mal verlassen. Das Publikum forderte – natürlich – mehr, sodass Gustaf Norén wieder auf die Bühne kam mit folgenden Worten: „Liebe Leute, es tut mir leid, dass wir dieses nervige Spiel mit euch spielen müssen, aber so sind die Regeln. Außerdem muss man als Künstler ja die Chance haben, ein schlechtes Publikum zu strafen und NICHT wieder raus zu kommen – heute kommen wir aber gerne nochmal zurück!“ Glück gehabt.

Ich kann nicht sagen, welche Songs ich als Highlight heraus heben würde – wie bereits gesagt war die Show als ein Ganzes inszeniert. Es flossen jedoch zwischendurch einige Tränen im Publikum, und nicht zuletzt die Lieder „Men“ und „Strövtåg i hembygden” wurden sehr stimmungsvoll vorgetragen.

Beendet wurde das Konzert nach standing ovations in einer zweiten Zusage mit dem Titellied „Infruset“. Glücklich gingen wir danach nach Hause und ich bin ernsthaft traurig, mir keine Tickets für das nächste Woche stattfindende Zusatzkonzert gekauft zu haben.

Mando Diao – immer wieder eine Überraschung wert!

Jessica.

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